Bensis Bastelstunde

Standard

Bensi ist seit Ewigkeiten ein Spitzname meines Vaters.
Mein Vater hat, im Gegensatz zu mir, nicht nur einen sondern eigentlich gleich zwei Hobbyräume. Was früher Gästezimmer war fungiert nun als PC-Zimmer für’s programmieren & Co. und im Keller gibt es eine Werkstatt für Holzarbeiten fast aller Art. Was ihn natürlich nicht daran hindert, bei Gelegenheit auch noch das Esszimmer mit seinen Seekarten in Beschlag zu nehmen, wenn er mal keine Lust auf PC-Zimmer hat.
Wenn ich hingegen mal Stoff zuschneiden will muss ich zwangsweise ins elterliche Schlafzimmer oder ins Wohnzimmer ausweichen und bekomme meist prompt einen Rüffel à la „Musst du dich hier schon wieder so breit machen und alles vollfusseln?“, und wehe ich muss mal was im Esszimmer zum trocknen liegen lassen oder kann erst am nächsten Tag weitermachen: „Kannst du nicht mal deinen Mist hier wegräumen, der liegt jetzt hier schon seit Taaagen im Weg rum!“.

Da ich zu Bastelzwecken in den gemeinschaftlich genutzten Räumen also offensichtlich nur etwas widerwillig geduldet werde wollte ich einfach mal wissen, was wohl passiert, wenn ich zum Gegenangriff übergehe und mich stattdessen in Papas Hobbyräumen breit mache. Was passiert?
Ja, dann passiert „Bensis Bastelstunde„.

Seitdem ich vor einiger Zeit endlich schraubenartige Haarnadeln (sogenannten spin pins oder hairscroos) – und eine Menge interessanter Frisurenvideos – entdeckt habe und meine schweren Haare damit tatsächlich zu bändigen vermochte hatte ich plötzlich auch Spaß daran, allen möglichen Unfug mit meinen Haaren anzustellen. Im Zuge dessen wollte ich auch Haarstäbe ausprobieren, fand aber keinen, und dachte mir mal wieder „Selbst ist die Frau.“.
Nach kurzer Nachfrage ob mein Vater mein Vorhaben für Möglich hielt und Holz dafür übrig hätte konnte es dann längere Zeit nicht losgehen, weil er im Keller die Klappläden strich und abgeschliffenen Holzstaub da verständlicherweise weniger brauchen konnte.
Vor ein paar Tagen ging ich dann in der Annahme, es seien gerade keine Läden zu streichen da, in die Werkstatt und fing munter an, mit einer kleinen Handsäge eine Haarforke aussägen zu wollen. Kurz darauf kam mein Vater – mit Klappladen – herein und fing an zu streichen. (Warum hab ich dann eigentlich so lange gewartet?!) Wiederum kurz darauf kam etwas wie „Du weißt aber schon, dass das mit meinen Maschinen hier deutlich schneller gehen würde, oder?“ – als ob ich einfach ungefragt an seine Maschinen ginge, mit denen ich mich nicht auskenne!
Ehe ich mich versah hatte mein Vater also erst eine Fräse rausgeholt, mit der wir den Zinkenzwischenraum ausfrästen, dann die Tischkreissäge angeschmissen um das Ganze abzulängen und in der Dicke zu halbieren und schließlich seine Schleifmaschine in einer abenteuerlichen Konstruktion, die wohl wirklich besser niemand sehen sollte, auf den Tisch gespannt um den groben Zinken, der mal eine Haarforke werden sollte, relativ mühelos abzuschleifen und glatt zu schmirgeln. (Und zwischendrin mit den Worten „Hach, da kann man ja gar nicht arbeiten bei so wenig Platz hier.“ den Klappladen wieder weggestellt. ^^ Als ob ich das nicht wüsste…)

So hatte ich dann jedenfalls in vermutlich deutlich kürzerer Zeit gleich zwei Haarforken, eine von mir und eine von meinem Vater, und mein Vater titulierte das Geschehen hinterher selbst mit „Bensis Bastelstunde – das können wir gerne mal wieder machen!“. Im Übrigen sprudelten die Ideen bezüglich Formgebung und Verziehrung im Anschluss nur so aus im heraus *kicher*, deshalb können wir wohl gespannt bleiben, was da noch so entstehen wird.

Das hier sind die guten Stücke, oben das Werk meines Vaters, unten meins:


Vermutlich werde ich die Teile zum Schutz des Holzes noch lackieren oder wachsen, besonders da sich die obere, dünnere an einer Zinke bereits leider mal gespalten hat.

Und weil es mir so viel Spaß gemacht hat habe ich für die liebe Lilja, auf deren fabulösen Geburtstag ich eingeladen war, gleich auch noch eine Forke gemacht, die ich mit einer Libelle bemalt und lackiert habe. Intelligenterweise habe ich aber leider vergessen, davon ein Foto zu machen. ^^

Advertisements

Über knaxgurke

- Baujahr 1990 in Südhessen - Doktorandin in Sheffield, UK - näht gerne - macht gelegentlich einfache Versuche im Stricken/Häkeln - würde ganz viele andere tolle, kreative Dinge auch gern können oder zumindest die Zeit haben, sie zu lernen - kocht und isst eigentlich gerne, würde das aber noch viel lieber tun wenn sie endlich nicht mehr von jedem Bissen ungeklärte Bauchschmerzen und andere Beschwerden bekäme nicht auf Fruktose verzichten müsste

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s