Archiv für den Monat Juli 2013

Bensis Bastelstunde, die Zweite oder: Ich bin Oskar

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Der geneigte Leser hat es bestimmt schon bemerkt, aber ich erfreue mich mehr und mehr an dekorativer Kosmetik. Dazu gehört natürlich auch Nagellack.
Bis vor einiger Zeit hat sich meine Lackierlust meistens in Grenzen gehalten und ich hatte nur gelegentlich farbige Phasen, primär weil es mir immer zu lange gedauert hat oder ich mir bald Macken reingehauen habe. Seit der Entdeckung von schnelltrocknenden Überlacken hat sich das geändert und die Zahl meiner Nagellacke ist ebenfalls etwas gewachsen. Mit der Zeit passten sie natürlich nicht mehr in ein winziges Schächtelchen und so grübelte ich ein bisschen bis mir eine Idee kam.
Ein Nagellackregal. Damit ich auch endlich den Rest meiner Habseeligkeiten wieder an einen Platz räumen kann.
Also hab ich meinen Vater gefragt, ob er mit mir – oder vielmehr ich unter seiner „Aufsicht“ – so was bauen könnte. Vor Gerätschaften, mit denen man sich mal eben Gliedmaßen abtrennen kann oder ähnliches, habe ich nämlich gesunden Respekt.

Soweit zur Vorgeschichte. Im viel zu großen Blaumann versunken machte ich mich also mit meinem Vater in Etappen an die Arbeit. Ausmessen, Ablängen, kein Problem, die erste Zwangspause entstand, als wir Sonntags feststellten, dass wir keine Zylinderfräse mit um die 35mm Durchmesser hatten. Die einschlägigen Baumärkte hatten so was aber auch nicht zu Preisen, die für derart seltene Nutzung akzeptabel gewesen wären, also haben wir das getan, was ich ohnehin vorgeschlagen hatte: in Etappen gefräst.

Oskar

Zuerst haben wir also die Enden mit einem Forstnerbohrer ausgebohrt, dann an beiden Seiten mit der Fräse eine Schneise weggenommen und schlussendlich den Steg, der in der Mitte noch hoch stand, mit einem Stecheisen entfernt und etwas geglättet. Damit hätten wir dann schon mal grob die Regalböden, minus einer Abschleifprozedur versteht sich. Die hab ich dann auch ohne Aufsicht, dafür aber mit Dank Schwingschleifer geradezu vibrierendem Gefühl in den Armen, allein hinbekommen.

Oskar 2

Wie aber das Ganze mit möglichst wenig Löchern in der Wand an die selbige bringen?
Hierzu hatte ich mir eine Art Leiter als Grundsystem überlegt, sodass alle Bretter an den Seitenteilen zusammengehalten werden. Dafür musste ein unschuldiger Besenstiel dran glauben.

Oskar 4

Besagter Besenstiel bekam dann, zusätzlich zu denen für die Aufhängung an der Wand, auch seitlich Löcher, durch die die Regalböden einfach mit ordinären Holzdübeln festgesteckt sind. So bleibt das Konstrukt, auch wenn die Dübel etwas schwierig wieder rauszubekommen sind, grundsätzlich auch Platz sparend verstaubar, für denn sicher irgendwann eintretenden Fall eines Umzugs. Außerdem werde ich bei Gelegenheit noch kleine Haken besorgen, die ich in die Dübel drehen werde, um sie nicht nur leichter wieder rausziehen zu können, sondern damit ich sogar etwas dranhängen kann. Bis dahin bleiben die Dübel erstmal nur lose reingesteckt, danach werde ich sie dann ordentlich versenken, dann stehen sie auch nicht mehr über.

Das oberste Brett fehlt übrigens noch, weil das Loch für den Holzdübel beim Bohren ausgerissen ist und das Flickwerk aus Sägespänen und Leim natürlich erst trocknen muss bevor nachgebohrt werden kann. Da ich ja nun aber eh erstmal im Krankenhaus und mein Vater auch unterwegs war hab ich es soweit trotzdem schon mal an die Wand gehängt, damit meine Nagellacke bald endlich wieder aus dem Bücherregal ausziehen können. Und nein, ich habe eigentlich nicht vor, sämtliche Regalbretter gleich zu füllen. Auf Vorrat zu bauen kann aber denke ich auch nicht schaden und notfalls findet sich noch das eine oder andere Teil, das da statt Nagellack rein kann. Außerdem kann ich total schlecht schätzen, wie viel Platz die vorhandenen Lacke einnehmen werden.

Oskar 3
Eigentlich hätten sie das gleich gesollt, andererseits macht es auch wenig Sinn, das Regal jetzt schon einzuräumen, wenn ich es dann später noch mal ausräumen muss. (Für’s Foto durften aber natürlich trotzdem mal 2 Modell und Probe stehen.)
Außerdem bemerkte ich beim an die Wand hängen etwas, was wir nicht bedacht hatten: der Abstand von Wand und Besenstiel. Dafür werden wir also noch entsprechende Klötzchen als Abstandhalter machen damit das Teil auch gerade hängt und die Schrauben nicht so viel Luft schnuppern. Deren Kopf war übrigens auch so klein, dass sie sogar ohne Schraubenzieher durch die Löcher im Besenstiel passten, denn wir hatten uns am vorgebohrten Loch orientiert. Dem auch ohne neue Schrauben Abhilfe zu schaffen war mit 2 simplen Unterlegscheiben aber kein nennenswertes Problem.

Oskar 5

Was das alles jetzt mit Oskar zu tun hat? Kann ich euch sagen. Als ich soweit fertig war und das Regal nach oben trug stattete ich meiner Mutter im Wohnzimmer einen Besuch ab und verkündete: „Hallo, ich bin Oskar.“ Natürlich fragte sie: „Was denn für ein Oskar?“ – „Na stolz wie.“ (Jaa, doofe Witze kann ich.)

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Fischen im Trüben – Projekt 12/12, Akt 8 (2012)

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Asche auf mein Haupt, jetzt kommt endlich der auch noch damals vorbereitete und -geschriebene und damit gar nicht mehr wirklich aktuelle Post von August 2012. Vorher hab ich das mit den Fotos ja irgendwie nicht auf die Reihe gekriegt… Denkt euch folgendes also zeitnaher:

Diese durchwachsene Jahreszeit, die sich Sommer nennt, zeigt sich gerade mal wieder von ihrer schwülheißen Seite.

Während meines Praktikums den ganzen Tag in langen Hosen im Labor zu stehen kann also ganz schön schweißtreibend sein und auch wenn meine Kolleginnen es glücklicherweise mit Sandalen und 3/4-Hosen nicht so ernst nehmen kann ich natürlich nicht einfach im luftigen Röckchen dort auftauchen.

Deshalb hab ich einen freien Nachmittag neulich dazu genutzt, ein lang gehegtes Vorhaben endlich in die Tat umzusetzen und mir eine luftige thailändische Fischerhose zu nähen. Das geht ja recht flott.

Thai-Fischerhose

Inklusive Chaos im Hintergrund, weil eine Schublade nicht mehr rein, aber auch nicht raus wollte.

Der Stoff ist ein dünnes BW-Poly-Gemisch aus dem Meterpack vom dänischen Bettenlager, das von mir öfter als „Allroundstoff“ herangezogen wird.
Der Schnitt basiert auf diesem hier, auch wenn ich die Maße etwas angepasst habe. Die Stoffbreite gab nur knapp 1,30m her, also ist das die Bundweite und für die Schenkel hab ich sicherheitshalber lieber ein paar Zentimeter mehr genommen. Obligatorisch waren natürlich auch die 10cm in entgegensetzte Richtung von Natron, denn für einen Zwerg wie mich sind selbst bei 75cm die Saumzugaben schon drin. Den Umklappteil hab ich auch gekürzt, im Nachhinein denke ich allerdings hätten da 5 bis 10cm mehr auch nicht geschadet.
Sowieso weiß ich nicht, ob es am Stoff oder der Länge liegt, dass der gefaltete Teil vorne etwas dick und krumpelig ist, eine Runde Bügeleisen hat jedenfalls nichts genutzt und auch die nachträgliche „Entdoppelung“ hat finde ich keine große Verbesserung gebracht. Oder ist der Bundteil zu weit oder eng um gut zu fallen?

Thai-Fischerhose 2

Durch den variablen Falt-, Wickel- und Knotmechanismus sicher auch im aktuellen Jahr 2013 nach meiner Bauch-OP ein toller Begleiter, der sich an die Druckempfindlichkeit meines Bauches sowie Verbände und eventuelle Umfangsänderungen anpassen lässt.
Drei Mal dürft ihr raten, was ich für die Entlassung mit ins Krankenhaus genommen habe.

Überhaupt kann ich leider nicht mit so einer schönen Bordüre oder anderem Dekostoff aufwarten wie Natron und Soda, aber vielleicht werde ich den Teil noch besticken wenn ich wieder bei meiner Maschine bin. Oder bemalen/-stenciln?
Da ich am liebsten eine runde Kordel zum Binden nehmen will, die ich aber noch nicht habe, hab ich hinten einfach eine Art Mini-Gürtelschlaufe aufgenäht, durch die Bindewerk jeglicher Art gefädelt werden kann damit es nicht immer gleich abfällt. Erschien mir irgendwie eh praktischer als festnähen.

Das alles ändert aber nichts an dem entscheidenden Makel des nahtsparenden Schnitts: die Innenbeinnaht verzieht sich total nach hinten und verläuft damit überhaupt nicht mittig am Bein entlang, sondern sitzt hinten am Allerwertesten. Das lässt sich vermutlich verhindern, indem man die rückwärtige Mittelnaht ausgleichend länger macht als die vordere um den Mehrumfang des Allerwertesten einzukalkulieren, dennoch werde ich bei Gelegenheit vermutlich mal einen Versuch näher am Burdaschnitt starten, dann vermutlich auch mit Taschen. Wobei eigentlich nichts dagegen gesprochen hätte, hier auch welche aufzunähen. Doof nur, dass das bei schon geschlossenen Hosenbeinen irgendwie nicht mehr so richtig gut gehen will. Hmpf.

Lange Rede, kurzer Sinn: ich habe endlich eine sommer- und labortaugliche Hose, die schön luftig und trotzdem lang ist. Und bequem ist sie obendrein. Genial, so eine Fischerhose. So genial wie einfach.

Ein erster Praxistest hat dann allerdings auch gleich zwei weitere Mängel zu Tage gefördert, nämlich einmal die fehlenden Taschen, was ja eigentlich eh klar war, und dann ein ganz anderes Problem:  zu weite Hosenbeine. Auf dem Weg die Treppe hoch zum Bahngleis habe ich mich nämlich prompt mehr oder weniger auf die Nase gelegt und auch Speedwalking zurück zum Bahnhof war keine so gute Idee und hätte mich ein bis zwei Mal fast niedergestreckt.
So viel Weite hab ich im unteren Bereich (vor den Bildern oben) noch aus den Hosenbeinen genommen:

Thai-Fischerhose 3
Gibt es hier irgendwelche Thai-Hosen-Experten, die mir bei den Bundproblemen weiterhelfen können? Welchen Stoff habt ihr gewählt, gerade bei den dekorierten Varianten, und wie habt ihr Knautschprobleme und sichtbare Nähte bei einlagiger Verarbeitung gelöst?