Was lange währt wird endlich gut… (hoffentlich)

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Nachdem ich bereits im letzten Sommer mein Bachelorstudium erfolgreich beendet habe war ich ja lange vergeblich auf der Suche nach einem Job oder im Idealfall einer Doktorandenstelle. Bevor sich jemand wundert: ja, im englischsprachigen Ausland ist es durchaus üblich und demnach natürlich auch erlaubt, nach dem Bachelor direkt zur Promotion (PhD) überzugehen wenn man die entsprechenden Noten hat. Ein Master ist keine Grundvoraussetzung für eine PhD-Position und wird vielfach nur zwischengeschoben, wenn entweder die Noten „nicht gut genug“ für einen Direkteinstieg sind oder man eben kein Thema bzw. keinen Studienplatz für einen PhD findet.

Nun war ja bei mir das Problem, dass ich zwar ausgezeichnete Noten, aber eben keine eigene Forschungsidee hatte, und somit auf eine ausgeschriebene Stelle angewiesen war, die wiederum in meinem Feld natürlich rar gesät sind. Auf dem deutschen Arbeitsmarkt hat man mich mit meinem Abschluss gelinde gesagt mit dem Arsch nicht angeschaut und lieber fleißig Quereinsteiger (entweder Laboranten oder Doktoren anderer Fachrichtungen) eingestellt und mir maximal erzählt, ich sei ja fachlich überqualifiziert, aber habe eben nicht genug Erfahrung. Welche natürlich intelligenterweise auch niemand bereit war, mich machen zu lassen.

Ich hatte mir also für September sicherheitshalber schon mal einen Masterstudienplatz als Plan B gesichert und mich weiter umgesehen und auf Doktorandenstellen beworben, die komischerweise alle erst kurz vor Beginn beworben werden. Aber so sind sie wohl, die Engländer, hätte ich mir ja eigentlich denken können. Jedenfalls schickte ich einige Bewerbungen los, erhielt natürlich die eine oder andere Absage, und siehe da: beim zweiten Vorstellungsgespräch erzählte man mir, man werde sich am nächsten Tag melden, nur um dann keine 45 Minuten später anzurufen und meine Zusage zu erbitten. Die muss ich anscheinend überzeugt haben. (Man sagte mir allerdings auch direkt am Gesprächsende, ich sei die einzige gewesen, die mit dem gewählten Kommunikationsprogramm WebEx zurechtgekommen sei. Oha.)

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Ab 6. Oktober werde ich also wieder offiziell Studentin – beziehungsweise viel mehr Doktorandin – sein. Doktorandin – das klingt irgendwie so… komisch. Aber da werde ich mich wohl dran gewöhnen, ich hab schließlich 3 Jahre Zeit.

Diesmal geht es aber zum Glück nicht wieder nach London, sondern ziemlich in die Mitte Englands, nämlich nach Sheffield, und ich hoffe, dass es dort besser für mich laufen wird. Bisher macht die Uni jedenfalls einen ganz guten Eindruck auf mich – viel schlimmer als meine alte geht’s aber auch ehrlich gesagt gar nicht, die lag nämlich die letzten Jahre konsequent auf den letzten oder gar dem letzten oder vorletzten Platz des UK-Rankings. Es kann also eigentlich nur besser werden… Abgesehen davon habe ich glaube ich in den paar Wochen um Bewerbung, Gespräch und Zusage schon mehr (beantworteten, hilfreichen) E-Mail-Kontakt mit der neuen Uni gehabt als mit der alten in über 3 Jahren.

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Eine erste, kurze Sondierung des Sheffielder Wohnungsmarktes ergab außerdem, dass die Wohnungen zumindest auf den Fotos schon mal allesamt deutlich schöner aussehen als in London, und noch dazu auch bezahlbarer sind.

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Ein Haken an der Sache (neben der Distanz zu Familie, Freund, Freunden und Katze, selbstredend) ist allerdings, dass ich dieses Mal nicht so viel Krempel mitnehmen kann, sondern erstmal nur mit einem großen Koffer und ausgereiztem Handgepäck reisen werde. Ihr ahnt es: da kann ich meine Nähmaschine natürlich nicht mitnehmen. Das stimmt mich ehrlich gesagt ziemlich traurig und ich weiß nicht, wie ich 3 Jahre ohne sie überstehen soll, auch wenn ich vielleicht nicht täglich nähe.
Dieser ganze kreative Prozess und das „ich kann jederzeit, wenn ich will“ werden mir sehr fehlen. Ich denke, ich werde mich wenn ich richtig angekommen bin mal umsehen, ob ich vielleicht irgendwo günstig eine gebrauchte Maschine oder gar eine Dauerleihgabe finde. Auch um zumindest ein paar kleine, aber stabile Änderungen oder Reparaturen ausführen zu können ist eine Nähmaschine für mich faule Socke mittlerweile geradezu unerlässlich geworden.

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Da mein Flug für den 28. September gebucht ist geht jetzt also auch in allen Belangen wieder das große Suchen, Überlegen und Listen machen los: was muss auf jeden Fall mit (spezielle Teile genauso wie Überbegriffe à la „Businessklamotte“), was darf eventuell mit und was kaufe ich ohnehin am besten erst vor Ort? Immerhin kommt mir zu Gute, dass ich schon weiß, was ich grundsätzlich wo bekomme und was nicht… Aber wonach entscheide ich, was ich mitnehme? In meinen Schränken gibt es so viel Auswahl an Klammotten und Kosmetik und ich mag die Abwechslung, da fällt es mir nicht leicht, mir jeweils nur ein paar Teile rauszupicken.

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Für welche Temperaturspanne muss ich überhaupt packen, wenn ich erst kurz vor Weihnachten wieder nach Deutschland komme und nicht weiß, wie warm es in der Uni sein wird? Oder bricht gar in England auch nochmal der Spätsommer aus, so wie hier gerade? Was muss bis zur Abreise noch erledigt, besorgt oder genäht werden, wann kann ich mich von wem verabschieden und wo werde ich für den Anfang überhaupt wohnen, bis ich eine Wohnung gefunden habe? (Ohne Besichtigung einen längerfristigen Mietvertrag zu unterschreiben ist nämlich nicht zu empfehlen.)

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Außerdem muss ich mich noch mit der Frage nach einem Laptop beschäftigen, denn bis jetzt gehöre ich noch zur Fraktion Desktop-PC – und der ist nun auch nicht gerade Koffer-tauglich. Nicht ganz unwichtig hierbei ist auch die Sache mit dem Betriebssystem. Wie ist Windows 8, kann ich mich damit arrangieren und „will“ ich das wirklich?! Und wie viel Auswahl habe ich überhaupt, wenn ich es nicht will?

Fragen über Fragen…
Also, was würdet ihr mitnehmen und wonach entscheiden? Was darf ich auf keinen Fall vergessen und habt ihr womöglich sogar eine Laptopempfehlung für mich?

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Über knaxgurke

- Baujahr 1990 in Südhessen - Doktorandin in Sheffield, UK - näht gerne - macht gelegentlich einfache Versuche im Stricken/Häkeln - würde ganz viele andere tolle, kreative Dinge auch gern können oder zumindest die Zeit haben, sie zu lernen - kocht und isst eigentlich gerne, würde das aber noch viel lieber tun wenn sie endlich nicht mehr von jedem Bissen ungeklärte Bauchschmerzen und andere Beschwerden bekäme nicht auf Fruktose verzichten müsste

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  1. Ach, ich freu mich für dich, dass es geklappt hat, auch wenn es jetzt stressig wird. 😀

    Übrigens habe ich das noch nie vorher gehört, dass man direkt nach dem BA den Dr. dranhängt. Da bin ich mit Dipl. und MA (na ja, fast ^^) ja das komplette Gegenteil!
    Weißt du denn schon, welches Thema dich die nächsten Jahre beschäftigen wird?

    • Danke schön. =)

      Wie gesagt, das ist wohl auch nur in englischsprachigen Ländern so möglich/üblich. (Google klärte mich gerade auf, dass das wohl vereinzelt auch in Deutschland geht, davon hab ich aber auch noch nicht gehört.) Ich wusste das bevor ich mit dem BSc (bei mir ist es ja kein BA ;)) angefangen habe auch nicht und hab mich gelegentlich gewundert als meine Kommilitonen darüber sprachen, bis ich dann mal nachgehakt habe und mir auch meine Dozentin empfohlen hat, mich nach einer PhD-Stelle umzusehen.
      Im Prinzip muss man aber auch hier erstmal für einen MPhil eingeschrieben sein und nach 6-12 Monaten erfolgt dann eine Art Beurteilung, mit der man quasi die Erlaubnis bekommt, das jetzt als PhD fortzuführen (oder eben nicht), also es ist nicht so, dass das eine Art Garantie wäre.

      Das Thema beschäftigt sich mit der chemischen Darstellung/Detektion von Fingerabdrücken und Blut darin mittels MALDI-MS (matrix assisted laser desorption ionisation-mass spectrometry), d.h. es wird u.a. versucht, die chemischen Komponenten eines Fingerabdrucks „räumlich“ darzustellen um zu sehen, was sich wo befindet und z.B. ob der Verursacher raucht oder bestimmte Substanzen zu sich genommen hat. Viel mehr weiß ich aber im Moment ehrlich gesagt auch noch nicht. =P

      • Das habe ich vor. 😉 Zumindest kochen werde ich ja ohnehin weiter, da habe ich dann auch mehr oder weniger freie Entfaltungsmöglichkeiten, und zumindest eine Häkelnadel werde ich sicherheitshalber mal mitnehmen – wer weiß, was sich so findet.

  2. Auch wenn wir uns nicht kennen, wünsche ich dir bei deiner Promotion einfach mal alles erdenklich gute. Ich muss sogar gestehen, dass du das geschafft hast, was für mich immer ein Lebenstraum war. In England zu wohnen und dann auch noch für 3 Jahre. Irre!!!
    Ich wünsch dir viel Spaß..kenne Sheffield nur von Erzählungen einer Schulkollegin, die dort auf nem Schüleraustausch war.

  3. Wie schön, ich freue mich so für dich, dass es wieder „weiter“ geht =)
    Da hast du ja ganz schön viele Fragen und ganz schön viele Dinge zu beachten, puuuh ^^‘
    Ich habe keine brauchbaren Tipps, nur meine Däumchen, die ich dir drücke, dass alles fluppt =)

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