Sheffield: Ankunft, ein hübscher Bahnhof und die Sache mit dem Ticketautomaten

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Es ist so weit: am Sonntag bin ich in Sheffield angekommen. Nach einer kurzen beziehungsweise leider gänzlich schlaflosen Nacht ging zur unmenschlichen frühen Uhrzeit von 7.00 Uhr mein Flieger nach Manchester. Eineinhalb Stunden später, also zu 7.30 Uhr Ortszeit (man bedenke eine Stunde Zeitverschiebung), landete ich in Manchester, sammelte mein Gepäck ein und schlug mich zum Flughafenbahnhof vor, wo ich mich erstmal mit den Ticketautomaten rumärgern durfte.
Eigentlich sollte die Abholung des vorbestellten Tickets nämlich ganz einfach sein: Karte in den Automaten stecken um ihn zu aktivieren, Buchungsreferenz eingeben und Ticket kriegen. Faktisch war dem aber natürlich mal wieder nicht so. Der erste Automat tat mit meiner Karte genau gar nichts, der zweite sagte immerhin er könne sie nicht erkennen und erst der dritte von vier spuckte mir dann mit der zweiten Karte auch endlich mein Ticket aus. Da dachte ich noch „Ein Glück habe ich Zeit…“ – genau das habe ich aber auch bald verflucht, denn mein Zug ging erst um 10.44 Uhr und in der Bahnhofshalle war es nicht nur langweilig, sondern auch kalt. Sitzplätze gab es nur ein paar am Busbahnhof, die aber direkt an den Schiebetüren lagen, die natürlich alle Nase lang auf und zu gingen und damit für noch mehr Kälte sorgten. Also pflanzte ich mich mit meinem Gepäck auf einen kleinen Vorsprung (+ unbequem), zog irgendwann meinen dicken Wintermantel an und fror immer noch und wartete.

Geldscheinflieger
Natürlich nicht mein Flieger nach Manchester, sondern ein Geschenk, dass ich für die Hochzeit einer Freundin gebastelt habe, deren Einladung wie ein Flugticket aufgemacht war. (Wurde dann auf eine Startbahn aus schwarzer Pappe gesetzt und bekam eine Karte mit Herzchenwolken zur Seite gestellt.)

Als der Zug dann endlich da war und ich mein Gepäck hineingehievt hatte gab’s schon das nächste Problem: viel zu wenig Stauraum für so viele große Koffer, wie sie üblicherweise an Flughäfen anfallen. Quasi der komplette Eingangsbereich war vollgestellt (Es schien mir aber auch, da sei ein Pärchen mit gut und gerne 7 oder mehr Koffern unterwegs gewesen.) und ein paar Haltestellen später mussten sich tatsächlich ein paar Leute eine andere Tür zum Einsteigen suchen. Immerhin hatte ich einen reservierten Sitzplatz, die übrigens schön deutlich mit Steckschildern auf der Kopfstütze als solche gekennzeichnet waren, der aber am anderen Ende des Wagons lag. Ich bin eigentlich etwas paranoid was das Unbeaufsichtigtlassen von Gepäck oder Taschen angeht, aber was blieb mir anderes übrig… abgesehen davon konnte ich die Augen eh kaum noch offen halten und hätte vermutlich keine fast eineinhalb Stunden Fahrt stehen können, wie viele andere es mussten.

Wann immer ich während der Fahrt mal kurz meine Augenlider gehoben bekam stellte ich fest, dass je weiter wir uns von Manchester wegbewegten das Wetter um so schöner wurde. Während der Himmel am Flughafen noch komplett grau bewölkt gewesen war war er in Sheffield bei meiner Ankunft um kurz nach 12 Uhr strahlend blau und wurde nur von der einen oder anderen Schäfchenwolke geziert. Ich schätze, das tat sein übriges, um mich schon den Gleisbereich beim Verlassen des Zuges als geradezu pitoresk empfinden zu lassen. Aufgrund akuter Müdigkeit und Gepäckmassen habe ich leider kein Bild davon gemacht, was ich bestimmt irgendwann mal nachholen werde, aber stellt euch sandig-helle Metallstreben und Rundbögen, Glasdächer, Sandstein und verschnörkelte Eisendekorationen vor. (Oder guckt mal hierhier, hier oder hier für eine grobe Vorstellung.)
Ein bisschen kam ich mir vor, wie in einem alten Film, der in New Orleans oder so spielt (Nicht, dass ich da schon mal gewesen wäre…), fehlten irgendwie nur noch die Dampflok und viele bunte Blumenkästen. (Oder gab’s die sogar? Ich muss gestehen, ich weiß es nicht mehr, Müdigkeit und Hunger hatten mich ziemlich im Griff und ich habe mich gar nicht so großartig umgesehen. Aber der erste Eindruck war ja schon mal gut.)

Bereits beim Warten auf den Fahrstuhl wurde ich dann von einem netten alten Herren mit Rollator angesprochen, der sich erkundigte, ob er mit der Vermutung, dass dies die Schlange für den Fahrstuhl sei, richtig liege, und anschließend ein bisschen Konversation betrieb. Typischerweise beginnend mit dem Wetter, das ja am Vortag noch viel toller gewesen sei, und davon ausgehend schnell dahin, wo ich denn herkomme und dass er ja seine Deutschkenntnisse schon wieder vergessen habe, schließlich sei es schon so lange her, dass er im kalten Krieg in Bochum (?) stationiert gewesen sei.

Draußen angekommen begrüßte mich jedenfalls erstmal folgende Aussicht:

Sheffield Trainstation
Sheffield Trainstation2
Dann musste ich natürlich erstmal die nächste Bushaltestelle suchen, zu allem Überfluss herrschten genau an meinem Ankunftstag wegen eines Stadtlaufes auch noch Sonderfahrpläne mit geänderten Routen und Zeiten, sicherstellen, dass der Bus auch in die richtige Richtung fährt, und dann die gewünschte Ausstiegshaltestelle nicht verpassen. Blöderweise werden die Haltestellen nämlich nicht angesagt oder zumindest angezeigt (auch wenn ich da eh noch nicht gewusst hätte, welche die Richtige ist), sondern man muss im Prinzip aufpassen und wissen wie’s da, wo man hinwill, aussieht. Zum Glück war die eine Haltestelle, die ich deshalb zu weit gefahren bin, nicht so weit weg. Bei meinem temporären Gastgeber, den ich über AirBnB gefunden habe, bekam ich dann auch erstmal einen Tee und konnte anschließend, nachdem er mir netterweise geholfen hatte, mein Gepäck die steile Treppe raufzutragen, erstmal das dringend benötigte Nickerchen machen, bevor ich zum nahegelegenen Minimarkt lief um mir was zu essen zu kaufen.
Ihr könnt euch sicher vorstellen, wie fix und fertig ich nach dem Tag war und dass ich recht früh eingeschlafen bin… 😉

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Über knaxgurke

- Baujahr 1990 in Südhessen - Doktorandin in Sheffield, UK - näht gerne - macht gelegentlich einfache Versuche im Stricken/Häkeln - würde ganz viele andere tolle, kreative Dinge auch gern können oder zumindest die Zeit haben, sie zu lernen - kocht und isst eigentlich gerne, würde das aber noch viel lieber tun wenn sie endlich nicht mehr von jedem Bissen ungeklärte Bauchschmerzen und andere Beschwerden bekäme nicht auf Fruktose verzichten müsste

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