Archiv für den Monat Februar 2015

Schneeflöckchen, Eisdeckchen…

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Auch Schnee kann England.

Hinterhof im SchneeNur damit umgehen leider nicht.

jetzt geht's Berg abAuf dem ersten Viertel meines Weges zur Uni sieht es etwa so aus. Also, wenn etwas frischer Schnee liegt.

City CentreAber auch nach 2/3 sieht es mitten im Stadtzentrum nicht viel besser aus – nur etwas weniger hügelig. Man könnte auch das nonchalante Motto „Ach, tritt sich fest!“ anwenden.

Turm im SchneeNa ja, und die Town Hall sieht eigentlich sogar ganz nett aus. Wobei, das tut sie ohne Schnee auch. Aber mit wirkt sie finde ich noch etwas märchenhafter. Findet ihr nicht?

Town Hall im SchneeAls ich morgens aufgestanden war hatte es übrigens bei mir noch eher geregnet als geschneit, aber bis ich das Haus verließ hatte sich die Situation eindeutig zu Schneeflocken geändert. Auf dem Weg zur Uni wurden die dann auch immer größer und klumpten zu bis zu ca. 5cm großen Schneeflockenkomplexen zusammen, und als ich später im Labor mal aus dem Fenster sah schneite es gerade waagerecht.
Am Tag, an dem es schneite, war es in der Uni übrigens ziemlich leer, weil anscheinend viele im Verkehr stecken geblieben waren oder sich sicherheitshalber gar nicht erst raus getraut hatten. Andererseits, da in England offenbar nicht geräumt und nur in seltenen Einzelfällen gestreut wird braucht es mich wohl nicht wundern. Ich persönlich muss dennoch sagen: ich fand den Tag danach viel schlimmer. Was Abends nur noch Schneematsch gewesen war hatte so nämlich die ganze Nacht Zeit, gemütlich zu einer mehrere Zentimeter dicken, geschlossenen Eisschicht auf den Gehwegen und wenig befahreren Straßen zusammenzufrieren, und die war arschglatt.

EislaufbahnErschwerend hinzu kommt, dass Sheffield dummerweise auch noch ein einziges bergauf und bergab ist, dessen vielfach glatte Gehwegplatten schon bei Regen ordentlich rutschig sein können, weshalb ich den Frost schon seit meiner Ankunft etwas gefürchtet hatte, und ich sollte Recht behalten. Es war wie Schlittschuhlaufen, nur ohne Schnittschuhe. Na ja, und halt bergauf und bergab.

„In Einzelfällen gestreut“ heißt übrigens so viel wie „Der Fahrer des LKWs, der mitten in der Kurve am oberen Ende der Straße stand, kippte Splitt rund um seine Reifen um doch noch vorwärts zu kommen.“. Da kann ich wohl froh sein, dass es nicht schon vor oder um Weihnachten geschneit hat und auch im neuen Jahr nur ein paar Mal. Letzte Woche war sogar mal ein paar Tage lang richtig schönes Wetter, mit Sonnenschein und so, da konnte ich direkt endlich mal eine Gelegenheit nutzen und ein paar Fotos vom Bahnhof machen. Die zeige ich euch aber wann anders, denn vom Weihnachtsmarkt und der festlich beleuchteten Innenstadt habe ich auch noch ein paar Fotos, die hier denke ich auch ohne Schnee etwas besser reinpassen.

Weihnachtsmarkt3Der kleine Weihnachtsmarkt, der sich die „Fußgängerzone“ von der Town Hall bis zur Straßenbahnlinie hinunterzog bestand vornehmlich aus kleinen, beleuchteten Holzbuden, die allerlei Krims und Krams anboten – vorwiegend natürlich Essen. Neben Lammburgern mit Minzsoße und indischen Curries fand sich darunter auch ein von meinen Kommilitonen/Kollegen schon geradezu sehnsüchtig erwarteter deutscher Wurststand, der vor allem Bratwurst, Krakauer (so viel zum Thema Deutsch…) und Käsewurst verkaufte. Ob die Mitarbeiter tatsächlich Deutsch sprachen habe ich allerdings nicht ausprobiert, ich war nämlich zu sehr davon abgelenkt mir a.) ein richtiges Brötchen statt diesem weichen Pappzeug zu wünschen, in das die Wurst da gestopft wurde (man denke in etwa an nicht aufgebackene Aufbackbrötchen, nur noch weicher und geschmacksneutraler), und b.) meinen Freunden auf expliziten Wunsch wiederholt die korrekte Aussprache des Wortes „Käsewurst“ zu demonstrieren, damit sie voller Stolz eine selbige statt einer „cheesy sausage“ bestellen konnten. Aber irgendwie ist es ja auch süß, wenn sie einen bitten doch noch mal die „Umlauts“ aufzusagen…

Weihnachtsmarkt2Auch auf dem Weg von der Uni in den Kern der Innenstadt wurde übrigens schon schnörkelige Beleuchtung aufgefahren – mal was anderes als die Sterne, die man in Deutschland überall findet. Noch etwas, was ich bisher bewusst nur in Sheffield gesehen habe, ist übrigens diese grüne Police Box an der City Hall. Meine Dr. Who-Kenntnisse beschränken sich beschämenderweise auf etwa 2-3 Folgen, aber dennoch musste ich da sofort dran denken. Der Dr. Who-vernarrte und überhaupt allgemein sehr wissensreiche und gebildete R., der AirBnB-Gastgeber, bei dem ich ursprünglich untergekommen war, erklärte mir dann aber auch bei Gelegenheit, dass die Polizei früher in diesen Boxen unter anderem einkassierte Ganoven eingeschlossen hatte, wobei ein Licht auf dem Dach anzeigte, ob die Box besetzt sei, damit ein Gefangener nicht etwa aus Versehen wieder freigelassen – oder vergessen – wurde.

WeihnachtsmarktÜbrigens: mit Blick auf die multikulturelle Identität Großbrittaniens wünscht Sheffield nicht etwa nur frohe Weihnachten, nein, es werden auch Juden und Muslime mit Festtagswünschen in Leuchtbuchstaben bedacht. Genau genommen werden Eid und Chanukah sogar noch von passenden Symbolen begleitet, während dafür beim Weihnachtsfest wohl kein Platz mehr war. (Erinnert mich übrigens alles an das hier, was ich neulich mit dem netten Titel „die 4 großen Weltreligionen“ gesehen habe.)

Happy Holidays

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Lebenszeichen

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Puh, mein letzer Beitrag ist eine halbe Ewigkeit her… wie  die Zeit vergeht! (Jetzt bin ich schon 4 Monate lang Doktorandin… kaum zu glauben.) So war das nicht geplant. Aber wie das nun mal so ist wenn man (sprich: ich) sich erstmal eingewöhnen muss und dann jeden Abend erst um ~18 Uhr daheim ist… Kurz gesagt: ich bin faul. Ich komme nach der Arbeit heim, koche, esse und versacke dabei, passiv Serien guckend vor dem PC zu hocken. Nicht mal andere Blogs gelesen habe ich wirklich in den letzten Monaten, und meine Motivation und Inspiration schaut auch nur phasenweise vorbei. Vorranging dann, wenn ich doch mal kurz surfe, zum Beispiel weil ich irgendwas kaufen will, und dabei über zig Umwege doch wieder was interessantes finde.
Gerade bei Klamotten ist das schlimm, weil mich das Angucken anderer Kleidungsstücke und Accessoires immer ziemlich inspiriert und dafür sorgt, dass es mir gehörig in den Fingern juckt, auch was zu nähen oder zu basteln. Aber leider, leider ist sämtliches Näh- und Bastelzubehör ja in Deutschland zurückgeblieben… Auch wenn ich eigentlich (gefühlt) kaum Zeit habe, in der ich überhaupt was machen könnte, außer vielleicht an faulen Wochenenden fehlt mir das Nähen und alles sehr. Allein schon mal ein paar schnelle Änderungen oder Reparaturen machen… ich halte meine Augen jedenfalls weiterhin nach einer günstigen (Gebraucht-)Maschine offen, aber da sowas meistens nur zur Abholung irgendwo in weiter Ferne angeboten wird ist das auch nicht so einfach.

Andererseits ist meine Wohnung jetzt auch ehrlich gesagt nicht so schön oder wohnlich, dass ich mich da sonderlich entspannt meiner Kreativität hingeben könnte, und allem voran würde garantiert auch Stauraum fehlen. Obwohl meine 1-Zimmer-Wohnung nämlich von der Grundfläche her eigentlich nicht klein ist ist die Ausstattung einfach miserabel und lässt für unsere Luxusstandards gehörig zu Wünschen übrig.
Während ich diesen Post tippe liege ich – ziemlich unbequem – auf einem winzigen Zweisitzersofa aus dem dunklem Kunstleder, aus dem hier so ziemlich jedes Sofa einer möblierten Wohnung gemacht zu sein scheint. Liegen bedeutet in diesem Fall selbst bei meinen 1,56m die Beine und den Oberkörper auf die harten Armlehnen aufzulegen und jeweils ein Kissen der Rückenlehne unterzuschieben. Sämtliche Lehnen scheinen nämlich zu allem Überfluss nahezu ungepolstert zu sein und mit ziemlicher Sicherheit aus Pressspahnholz zu bestehen.
Gemütlich auf der Couch faulenzen ist da also schon mal nicht.


Das Bett ist auch nicht wirklich bequem oder stabil, aber immerhin hat die Firma, die die Wohnung vermietet, es nach über 3 Monaten endlich mal geschafft, Matratze und Bettgestell auszutauschen. Hatte ich seit meinem Einzug drum gebeten, weil das Bett selbst unter mir bedrohlich wackelte und knarzte und die durchgelegene Matratze mich mit ihren Federn  aufzuspießen drohte piekste. Als dann nach 3 Monaten endlich mal jemand vorbeikam schrieb man mir tags drauf, dass man eine neue Matratze bestellen müsse – hatte ich denen ja auch nur schon vor 3 Monaten gesagt. Immerhin bekam ich dann auch kaum 3 Tage später die Nachricht, dass ich doch gefälligst am nächsten Tag zur in Empfangnahme daheim zu sein habe. Ist ja nicht so, als müsse ich eigentlich von 9 bis 17 Uhr arbeiten… Dafür hat das neue Bett sogar sowas wie einen Lattenrost – das alte hatte nämlich tatsächlich nur hohle Metallstreben bzw. – rohre, die auch schon ganz durchgewölbt waren.
Nur größer ist es leider nicht, aber für die Engländer scheint es tatsächlich ein großes Mysterium zu sein, warum man von ein Doppelbett erwartet, dass es auch doppelt so breit ist wie ein Einzelbett (und was man mit „dem ganzen Platz“ eines uns bekannten Doppelbettes will…). In England ist ein „Double Bed“ nämlich sage und schreibe 140x 190cm, und ein „King Size“ wartet mit ganzen 10cm mehr und 150x190cm zur Krönung auf – King Size wäre das für mich genau dann, wenn es für eine Person gedacht wäre. Aber mathematisch kann man hier wohl nicht zu viel erwarten…

Bett
Wie bereits erwähnt ein anderes, essentielles Problem der Wohnung ist allerdings Stauraum. Es gibt zwar 2 Kleiderschränke mit je genau einem Einlegeboden, eine Kommode (deren eine Front mir auch in der 1. Woche abgefallen ist und nach 3 Monaten endlich mal wieder angebracht wurde) und einen Nachttischschrank, aber das war’s auch schon.

Schlafzimmer
Küchenschränke gibt’s natürlich noch ein paar, sogar zwei kleine Hängeschränke, aber sonst nichts. Kein Bücherregal, keine Kommode oder sonstwas, gar nichts – das einzige andere Möbel sind Couch- und Esstisch und 4 Stühle. Demnach bin ich immer schön dabei, sämtlichen Papier- und Kleinkram der sich so ansammelt auf freie Stühle und Tische zu verteilen und nach Bedarf umzuschichten, und habe sogar schon einige Pappkartons als Aufbewahrungskisten/“Regale“ herangezogen, aber wirklich schön oder praktisch ist das auch nicht. Und Bettwäsche und Handtücher müssen natürlich auch in einem der beiden Kleiderschränke untergebracht werden, weil es ja keinen Badschrank oder ähnliches gibt. Handtuchhaken, Klorollenhalter oder ein Halterung für Küchenutensilien selbstverständlich auch nicht, und Klebehaken fallen auch ohne Last nach ungefähr 60 Sekunden wieder ab. Also alles in eine Ecke feuern und hurra!

Wohnzimmer
Genau genommen gibt es im Bad eigentlich außer dem Badewannenrand (Immerhin!) und der Ablage über Klo und Waschbecken (immerhin mit Mischbattieren! – auch immer noch eher eine Seltenheit hier) gar nichts, nicht mal Steckdosen, weil die Engländer ja noch nicht im Zeitalter der FI-Schalter angekommen sind (Welches in Deutschland ja schließlich für Neubauten erst seit 1984 verpflichtend herrscht! [Und ein Makler in London behauptete vor 3 Jahren, UK sei Deutschland und den Niederlanden was Wohnungen angehe 20 Jahre hinterher – womit wir wieder bei den mathematischen Fähigkeiten wären…]), und man ihnen offensichtlich nicht trauen kann, sich nicht bei jeder sich bietenden Gelegenheit selbst zu elektrokutieren.
Also gibt es nur den beheizten Handtuchhalter (von dem Handtücher liebend gerne abrutschen), der gleichzeitig die Heizung darstellen soll und zwar bei Berührung scheißheiß ist, aber den kleinen Raum trotzdem überhaupt nicht wirklich aufheizt. Alles, was man so an Hygieneartikeln und Pflegemitteln hat muss also offen sichtbar auf der spärlichen Abstellfläche verteilt werden damit es ja auch hübsch chaotisch aussieht und man jederzeits möglichst viel umwerfen oder runterschmeißen kann.
Ach ja: mit von der Partie ist außerdem der nette Wasserfleck, der am Tage meines Einzuges anfing, sich seinen Weg von der Decke hinab zu bahnen, und der – wie ich Montag, als das Büro des Vermieters endlichwieder besetzt war, erfuhr – davon herrührte, dass der Obermieter sein Badezimmer „sehr gründlich geschrubt und viel Wasser verschüttet“ habe. Na prima, herzlichen Dank auch… Zum Glück hat es bis jetzt nicht (sichtbar) angefangen zu schimmeln, sonst hätten die aber was erleben können!

Bad
Andererseits wäre das vielleicht wenigstens ein guter Grund für einen frühzeitigen Auszug gewesen… Leider habe ich nämlich mal wieder eine ganze Reihe nerviger, lärmender Nachbarn erwischt (gerade werde ich mit chinesischen Schmachtfetzen beschallt) und bin quasi jedes Wochenende mindestens einer, wenn nicht mehreren Parties ausgesetzt. Auch die zahlreichen gröhlenden Chinesen aus dem Studentenwohnheim zum Hinterhof hinaus, dessen Existenz ich mir leider erst nach Einzug bewusst wurde, kann ich für gewöhnlich noch gut hören wenn sie sich kreischend um die Tische jagen oder lautstark ihre Freude respektive ihren Ärger über einen besonders guten bzw. schlechten Billardstoß oder Kartenzug kundtun. Aber auch laute, nicht minder schiefe Karaokeversionen von „let it go“ durfte ich mir schon urplötzlich mitten in der Nacht von der anderen Seite der Wand am Kopfende meines Bettes anhören…

Balkon
Ich bin jedenfalls froh, erstmal nur einen 6-Monatsvertrag unterschrieben zu haben, der Anfang/Mitte April ausläuft, sodass ich mich jetzt tatsächlich schon langsam aber sicher wieder auf die Suche nach was hoffentlich besserem machen muss/möchte. Hier in Sheffield ist der Wohnungsmarkt nämlich anscheinend nicht so kurzfristig ausgerichtet wie in London, weshalb ich zu Anfang auch Probleme hatte, zügig was zu finden, weil das meiste erst 1-2 Monate später verfügbar war. Also, drückt mir die Daumen, dass ich bald was schönes, leises finde…

Wer weiß, vielleicht schafft der Saftladen es ja sogar noch vor meinem Auszug, endlich zumindest das Licht im Hausflur in Gang zu kriegen, dessen Disfunktionalität dafür sorgt, dass ich regelmäßig im Dunkeln vor der Tür stehe und nach dem Türschloss stochere, oder mich so verrenken muss, dass das spärlich einfallende Licht der Straßenlaterne auf’s Türschloss trifft anstatt meinen Schatten auf selbiges zu werfen…