Archiv der Kategorie: Leben

Corporate Identity

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Letztes Wochenende hatte ich quasi die volle Bandbreite an Programm.
Freitag Abend wurde ich zu einer angeblichen „Rocknacht“ in den örtlichen „Rockclub“ namens „Corporation“ (oder kurz „Corp“) gelockt. Die Schwester einer Freundin hatte Geburtstag und besagte Freundin wollte nicht nur mit Freunden ihrer Schwester losziehen. Nun denn…

Bereits im Vorfeld wurde ich gewarnt Schuhe anzuziehen, die mir egal sind bzw. um die ich mich nicht schere, da der Boden sehr klebrig sei. Hm, na ja. Ich weiß ja nicht, wie ihr das handhabt, aber wenn ich ins Ausland gehe und quasi nur einen Koffer mitnehmen kann, dann nehme ich nicht gerade Dinge mit, die ich nicht mag. Aber sei’s drum, ich dachte so schlimm könne es schon nicht werden, schließlich ist es ja quasi normal, dass Clubböden eher klebrig sind.
Wie sich herausstellte ist Corp aber kein Vergleich zu den Clubs, in denen ich bisher in Deutschland war – selbst zu denen, die man mir dort als eher schmuddelig anpries.
(Weil ich aber im Club keine Fotos gemacht habe und nicht einfach welche von Facebook klauen möchte streue ich an dieser Stelle zur optischen Auflockerung ein paar der Bilder aus der Nähe des Bahnhofs ein, die ich neulich erwähnt habe. Ist eh viel hübscher.)

Blick auf den Bahnhof

Das Problem beginnt wohl hauptsächlich damit, dass die Getränke recht günstig sind und in pfandlosen Plastikbechern oder maximal Blechdosen verkauft werden (Gläser wären sicher auch fatal). Will heißen: sobald der Becher mehr oder weniger leer ist landet er auf dem Boden, wo er von der Masse plattgetrampelt wird. Dementsprechend ist der Boden eigentlich im kompleten Club mit verschütteten Getränken bedeckt, denn entsprechend viel wird ja auch getrunken.
Hinzu kommt, dass meinem Empfinden (und der Sichtung der Facebookfotos) nach der Club trotz Ausweiskontrolle sehr stark mit Teenies und „jungen Leuten“ bevölkert war – und wenn ich das mit meinen 24 Jahren sage und mir regelrecht alt vorkomme will das wohl was heißen. Überhaupt: seit wann sind eigenlich Bauchfreitops wieder modern? Am besten in Kombi mit Leggins…?

Hatte ich mir jetzt von einer Rock- und Alternativenacht halbwegs gute Musik erhofft wurde ich leider auch eher enttäuscht. Zu Anfang lief wenigstens noch hauptsächlich etwas, das ich milde als erträglichen „Poprock“ (oder „Teenierock“) beschreiben würde und die Massen gröhlten zu (wie google mir verriet) Biffy Clyro und Sum 41, aber dazu mischten sich schnell Sachen, die eindeutig eher Techno oder HipHop und dergleichen waren, und immer wenn mal kurz 1 annehmbarer Song kam reihten sich danach direkt mehrere furchtbare ein, sodass es sich nicht lohnte, überhaupt auf der Tanzfläche zu bleiben.
Während ich mir vorher also noch wohlwollend dachte „Na ja, immerhin etwas besser als die Musik in ’normalen‘ Clubs…“ wandte sich das schnell zu „Das ist genau die Musik, wegen der ich in einen Rockclub statt in ’normale‘ gehe um sie zu vermeiden!“. Ich meine: Eminem geht doch nun wirklich beim besten Willen nicht mehr als Rock oder Alternative durch, oder?! Aber die Teenies auf der großen Tanzfläche fanden es offenbar gut und gröhlten weiter fleißig mit, sodass man zum Glück oftmals  kaum noch die Musik hören konnte, inbesondere wenn man weiter weg von der „DJ-Bühne“ war. Einzig eine (ältere) Freundin pflichtete mir bei, erklärte, dass das früher (vor ein paar Jahren) besser gewesen sei, und wir ja noch die kleine Tanzfläche im Nebenraum hätten, auf der ich (sie musste leider weiter zur nächsten Veranstaltung) mich dann auch etwas besser aufgehoben fühlte.

Letzteres sogar wortwörtlich, denn als ich – enthusiastisch darüber, nach 1 einsamen Stunde mal wieder ein bekanntes Gesicht zu sehen – über die Tanzfläche hüpfte hätte ich mir gewünscht, dass sie klebrig gewesen wäre. Stattdessen bestand aber leider Aquaplaninggefahr, ich schlitterte meiner Freundin fast über die Füße und legte mich volle Lotte auf der Tanzfläche lang.
Tat aber zum Glück nicht weh, ich konnte herzhaft drüber lachen und es waren sofort ein paar Hände zur Stelle, die mir unter die Arme griffen und aufhalfen. Bis auf eine aufdringliche Ausnahme schienen sich auf der anderen, kleineren Tanzfläche nämlich auch vorwiegend halbwegs erwachsene Menschen rumzutreiben und es wurde zumindest größtenteils bessere Musik gespielt. Mit dem Rumhüpfen zu einer Reihe Skasongs oder Rock’n’Roll war ich danach trotzdem etwas vorsichtiger…

Blick auf den Bahnhof 2

Schließlich war es aber doch meine Freundin B., die ich am Ende des Abends mit einem Haufen blutiger Taschentücher auf dem Schoß und einer noch blutigeren Nase in der Nähe des Ausgangs wiederfand, da sie anscheinend im „Moshpit“ (Keine Ahnung, wozu die Teenies da gemosht haben sollen! Aber wenn sie natürlich die ganze Zeit rücksichtslos mit den Armen rudernd durch die Gegend hüpfen wie in diesem Video bei z.B. 6:10… ) aus versehen eins auf die Nase bekommen hat – die ist übrigens gebrochen. Muss ich noch mehr sagen?

Insgesamt konnte Corp übrigens finde ich auch von den Räumlichkeiten selbst keinem der deutschen Clubs in denen ich bisher war das Wasser reichen. (Dabei hätte es zumindest Flüssigkeit eigentlich mehr als genug gegeben…) Es gab ein absolutes Minimum an Sitzgelegenheiten und sonst eigentlich nur Bar und Tanzfläche. Keinerlei Deko, nicht mal anständige Licht- oder Nebeleffekte, nichts. Nur einen Haufen gröhlender, mit den Armen rudernder, besoffener Teenies. Unter anderem deshalb ist auch das Wort, das mir am ehesten in den Sinn kommt um Corp zu beschreiben, „unzivilisiert“.
Aber hey: ich kenne jetzt immerhin ein paar Gründe, warum es – zumindest in Corp – tatsächlich Sinn macht immer mindestens zu zweit auf’s Klo zu gehen. Dann hat man nämlich jemanden der 1. die eigenen Sachen  und 2. die Klotür zuhalten kann. Ungelogen, ich habe bei meinen 4-5 Toilettenbesuchen keine einzige Klokabine gefunden, die noch einen Riegel oder ein anderweitig intaktes Schloss hatte. Keine einzige. Eine (vermutlich weniger frequentierte) hatte immerhin Klopapier und in 4 Waschbecken mit je 2 Wasserhähnen fand sich auch ein Hahn, der tatsächlich ein Rinnsal Wasser ausspuckte. Allerdings nicht genug, um die etwa 2,5 zentimeterhohe, geschlossene Flüssigkeitsschicht zu erklären, die mich um ca. 2 Uhr auf der Damentoilette erwartete. Da möchte man doch nun wirklich nicht weiter drüber nachdenken, oder? Ein Votum mehr für „unzivilisiert“… *grusel*

Um so weniger dürfte es vermutlich überraschen, dass ich nur zu gerne dem Kontrasprogramm zustimmte, das meine Freundin A. am nächsten Tag spontan vorschlug als sie mich fragte, ob ich Lust habe, Sonntag mit in den Peak District zu kommen. Das ist ein Nationalpark in der Nähe Sheffields, der etwa 1440km² Fläche misst, wovon allerdings (beides Wikipedia zufolge) nur 8% Waldgebiet ist.
Dort habe ich natürlich, trotz der Tatsache, dass ich nach wie vor nur die Kamera meines Handys zur Verfügung habe, einen Haufen Fotos gemacht, aber die zeige ich euch wann anders, denn 1. würde das jetzt ziemlich den Rahmen sprengen und 2. bin ich gerade fix und fertig, weil ich heute mit einem Kollegen auf dem Sheffield Festival of Science and Engineering einen Stand betrieben habe, an dem sich die Kinder vermutlich mehr für kostenlose Mitbringsel als für die Wissenschaft dahinter interessiert haben.

 

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Schneeflöckchen, Eisdeckchen…

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Auch Schnee kann England.

Hinterhof im SchneeNur damit umgehen leider nicht.

jetzt geht's Berg abAuf dem ersten Viertel meines Weges zur Uni sieht es etwa so aus. Also, wenn etwas frischer Schnee liegt.

City CentreAber auch nach 2/3 sieht es mitten im Stadtzentrum nicht viel besser aus – nur etwas weniger hügelig. Man könnte auch das nonchalante Motto „Ach, tritt sich fest!“ anwenden.

Turm im SchneeNa ja, und die Town Hall sieht eigentlich sogar ganz nett aus. Wobei, das tut sie ohne Schnee auch. Aber mit wirkt sie finde ich noch etwas märchenhafter. Findet ihr nicht?

Town Hall im SchneeAls ich morgens aufgestanden war hatte es übrigens bei mir noch eher geregnet als geschneit, aber bis ich das Haus verließ hatte sich die Situation eindeutig zu Schneeflocken geändert. Auf dem Weg zur Uni wurden die dann auch immer größer und klumpten zu bis zu ca. 5cm großen Schneeflockenkomplexen zusammen, und als ich später im Labor mal aus dem Fenster sah schneite es gerade waagerecht.
Am Tag, an dem es schneite, war es in der Uni übrigens ziemlich leer, weil anscheinend viele im Verkehr stecken geblieben waren oder sich sicherheitshalber gar nicht erst raus getraut hatten. Andererseits, da in England offenbar nicht geräumt und nur in seltenen Einzelfällen gestreut wird braucht es mich wohl nicht wundern. Ich persönlich muss dennoch sagen: ich fand den Tag danach viel schlimmer. Was Abends nur noch Schneematsch gewesen war hatte so nämlich die ganze Nacht Zeit, gemütlich zu einer mehrere Zentimeter dicken, geschlossenen Eisschicht auf den Gehwegen und wenig befahreren Straßen zusammenzufrieren, und die war arschglatt.

EislaufbahnErschwerend hinzu kommt, dass Sheffield dummerweise auch noch ein einziges bergauf und bergab ist, dessen vielfach glatte Gehwegplatten schon bei Regen ordentlich rutschig sein können, weshalb ich den Frost schon seit meiner Ankunft etwas gefürchtet hatte, und ich sollte Recht behalten. Es war wie Schlittschuhlaufen, nur ohne Schnittschuhe. Na ja, und halt bergauf und bergab.

„In Einzelfällen gestreut“ heißt übrigens so viel wie „Der Fahrer des LKWs, der mitten in der Kurve am oberen Ende der Straße stand, kippte Splitt rund um seine Reifen um doch noch vorwärts zu kommen.“. Da kann ich wohl froh sein, dass es nicht schon vor oder um Weihnachten geschneit hat und auch im neuen Jahr nur ein paar Mal. Letzte Woche war sogar mal ein paar Tage lang richtig schönes Wetter, mit Sonnenschein und so, da konnte ich direkt endlich mal eine Gelegenheit nutzen und ein paar Fotos vom Bahnhof machen. Die zeige ich euch aber wann anders, denn vom Weihnachtsmarkt und der festlich beleuchteten Innenstadt habe ich auch noch ein paar Fotos, die hier denke ich auch ohne Schnee etwas besser reinpassen.

Weihnachtsmarkt3Der kleine Weihnachtsmarkt, der sich die „Fußgängerzone“ von der Town Hall bis zur Straßenbahnlinie hinunterzog bestand vornehmlich aus kleinen, beleuchteten Holzbuden, die allerlei Krims und Krams anboten – vorwiegend natürlich Essen. Neben Lammburgern mit Minzsoße und indischen Curries fand sich darunter auch ein von meinen Kommilitonen/Kollegen schon geradezu sehnsüchtig erwarteter deutscher Wurststand, der vor allem Bratwurst, Krakauer (so viel zum Thema Deutsch…) und Käsewurst verkaufte. Ob die Mitarbeiter tatsächlich Deutsch sprachen habe ich allerdings nicht ausprobiert, ich war nämlich zu sehr davon abgelenkt mir a.) ein richtiges Brötchen statt diesem weichen Pappzeug zu wünschen, in das die Wurst da gestopft wurde (man denke in etwa an nicht aufgebackene Aufbackbrötchen, nur noch weicher und geschmacksneutraler), und b.) meinen Freunden auf expliziten Wunsch wiederholt die korrekte Aussprache des Wortes „Käsewurst“ zu demonstrieren, damit sie voller Stolz eine selbige statt einer „cheesy sausage“ bestellen konnten. Aber irgendwie ist es ja auch süß, wenn sie einen bitten doch noch mal die „Umlauts“ aufzusagen…

Weihnachtsmarkt2Auch auf dem Weg von der Uni in den Kern der Innenstadt wurde übrigens schon schnörkelige Beleuchtung aufgefahren – mal was anderes als die Sterne, die man in Deutschland überall findet. Noch etwas, was ich bisher bewusst nur in Sheffield gesehen habe, ist übrigens diese grüne Police Box an der City Hall. Meine Dr. Who-Kenntnisse beschränken sich beschämenderweise auf etwa 2-3 Folgen, aber dennoch musste ich da sofort dran denken. Der Dr. Who-vernarrte und überhaupt allgemein sehr wissensreiche und gebildete R., der AirBnB-Gastgeber, bei dem ich ursprünglich untergekommen war, erklärte mir dann aber auch bei Gelegenheit, dass die Polizei früher in diesen Boxen unter anderem einkassierte Ganoven eingeschlossen hatte, wobei ein Licht auf dem Dach anzeigte, ob die Box besetzt sei, damit ein Gefangener nicht etwa aus Versehen wieder freigelassen – oder vergessen – wurde.

WeihnachtsmarktÜbrigens: mit Blick auf die multikulturelle Identität Großbrittaniens wünscht Sheffield nicht etwa nur frohe Weihnachten, nein, es werden auch Juden und Muslime mit Festtagswünschen in Leuchtbuchstaben bedacht. Genau genommen werden Eid und Chanukah sogar noch von passenden Symbolen begleitet, während dafür beim Weihnachtsfest wohl kein Platz mehr war. (Erinnert mich übrigens alles an das hier, was ich neulich mit dem netten Titel „die 4 großen Weltreligionen“ gesehen habe.)

Happy Holidays

Lebenszeichen

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Puh, mein letzer Beitrag ist eine halbe Ewigkeit her… wie  die Zeit vergeht! (Jetzt bin ich schon 4 Monate lang Doktorandin… kaum zu glauben.) So war das nicht geplant. Aber wie das nun mal so ist wenn man (sprich: ich) sich erstmal eingewöhnen muss und dann jeden Abend erst um ~18 Uhr daheim ist… Kurz gesagt: ich bin faul. Ich komme nach der Arbeit heim, koche, esse und versacke dabei, passiv Serien guckend vor dem PC zu hocken. Nicht mal andere Blogs gelesen habe ich wirklich in den letzten Monaten, und meine Motivation und Inspiration schaut auch nur phasenweise vorbei. Vorranging dann, wenn ich doch mal kurz surfe, zum Beispiel weil ich irgendwas kaufen will, und dabei über zig Umwege doch wieder was interessantes finde.
Gerade bei Klamotten ist das schlimm, weil mich das Angucken anderer Kleidungsstücke und Accessoires immer ziemlich inspiriert und dafür sorgt, dass es mir gehörig in den Fingern juckt, auch was zu nähen oder zu basteln. Aber leider, leider ist sämtliches Näh- und Bastelzubehör ja in Deutschland zurückgeblieben… Auch wenn ich eigentlich (gefühlt) kaum Zeit habe, in der ich überhaupt was machen könnte, außer vielleicht an faulen Wochenenden fehlt mir das Nähen und alles sehr. Allein schon mal ein paar schnelle Änderungen oder Reparaturen machen… ich halte meine Augen jedenfalls weiterhin nach einer günstigen (Gebraucht-)Maschine offen, aber da sowas meistens nur zur Abholung irgendwo in weiter Ferne angeboten wird ist das auch nicht so einfach.

Andererseits ist meine Wohnung jetzt auch ehrlich gesagt nicht so schön oder wohnlich, dass ich mich da sonderlich entspannt meiner Kreativität hingeben könnte, und allem voran würde garantiert auch Stauraum fehlen. Obwohl meine 1-Zimmer-Wohnung nämlich von der Grundfläche her eigentlich nicht klein ist ist die Ausstattung einfach miserabel und lässt für unsere Luxusstandards gehörig zu Wünschen übrig.
Während ich diesen Post tippe liege ich – ziemlich unbequem – auf einem winzigen Zweisitzersofa aus dem dunklem Kunstleder, aus dem hier so ziemlich jedes Sofa einer möblierten Wohnung gemacht zu sein scheint. Liegen bedeutet in diesem Fall selbst bei meinen 1,56m die Beine und den Oberkörper auf die harten Armlehnen aufzulegen und jeweils ein Kissen der Rückenlehne unterzuschieben. Sämtliche Lehnen scheinen nämlich zu allem Überfluss nahezu ungepolstert zu sein und mit ziemlicher Sicherheit aus Pressspahnholz zu bestehen.
Gemütlich auf der Couch faulenzen ist da also schon mal nicht.


Das Bett ist auch nicht wirklich bequem oder stabil, aber immerhin hat die Firma, die die Wohnung vermietet, es nach über 3 Monaten endlich mal geschafft, Matratze und Bettgestell auszutauschen. Hatte ich seit meinem Einzug drum gebeten, weil das Bett selbst unter mir bedrohlich wackelte und knarzte und die durchgelegene Matratze mich mit ihren Federn  aufzuspießen drohte piekste. Als dann nach 3 Monaten endlich mal jemand vorbeikam schrieb man mir tags drauf, dass man eine neue Matratze bestellen müsse – hatte ich denen ja auch nur schon vor 3 Monaten gesagt. Immerhin bekam ich dann auch kaum 3 Tage später die Nachricht, dass ich doch gefälligst am nächsten Tag zur in Empfangnahme daheim zu sein habe. Ist ja nicht so, als müsse ich eigentlich von 9 bis 17 Uhr arbeiten… Dafür hat das neue Bett sogar sowas wie einen Lattenrost – das alte hatte nämlich tatsächlich nur hohle Metallstreben bzw. – rohre, die auch schon ganz durchgewölbt waren.
Nur größer ist es leider nicht, aber für die Engländer scheint es tatsächlich ein großes Mysterium zu sein, warum man von ein Doppelbett erwartet, dass es auch doppelt so breit ist wie ein Einzelbett (und was man mit „dem ganzen Platz“ eines uns bekannten Doppelbettes will…). In England ist ein „Double Bed“ nämlich sage und schreibe 140x 190cm, und ein „King Size“ wartet mit ganzen 10cm mehr und 150x190cm zur Krönung auf – King Size wäre das für mich genau dann, wenn es für eine Person gedacht wäre. Aber mathematisch kann man hier wohl nicht zu viel erwarten…

Bett
Wie bereits erwähnt ein anderes, essentielles Problem der Wohnung ist allerdings Stauraum. Es gibt zwar 2 Kleiderschränke mit je genau einem Einlegeboden, eine Kommode (deren eine Front mir auch in der 1. Woche abgefallen ist und nach 3 Monaten endlich mal wieder angebracht wurde) und einen Nachttischschrank, aber das war’s auch schon.

Schlafzimmer
Küchenschränke gibt’s natürlich noch ein paar, sogar zwei kleine Hängeschränke, aber sonst nichts. Kein Bücherregal, keine Kommode oder sonstwas, gar nichts – das einzige andere Möbel sind Couch- und Esstisch und 4 Stühle. Demnach bin ich immer schön dabei, sämtlichen Papier- und Kleinkram der sich so ansammelt auf freie Stühle und Tische zu verteilen und nach Bedarf umzuschichten, und habe sogar schon einige Pappkartons als Aufbewahrungskisten/“Regale“ herangezogen, aber wirklich schön oder praktisch ist das auch nicht. Und Bettwäsche und Handtücher müssen natürlich auch in einem der beiden Kleiderschränke untergebracht werden, weil es ja keinen Badschrank oder ähnliches gibt. Handtuchhaken, Klorollenhalter oder ein Halterung für Küchenutensilien selbstverständlich auch nicht, und Klebehaken fallen auch ohne Last nach ungefähr 60 Sekunden wieder ab. Also alles in eine Ecke feuern und hurra!

Wohnzimmer
Genau genommen gibt es im Bad eigentlich außer dem Badewannenrand (Immerhin!) und der Ablage über Klo und Waschbecken (immerhin mit Mischbattieren! – auch immer noch eher eine Seltenheit hier) gar nichts, nicht mal Steckdosen, weil die Engländer ja noch nicht im Zeitalter der FI-Schalter angekommen sind (Welches in Deutschland ja schließlich für Neubauten erst seit 1984 verpflichtend herrscht! [Und ein Makler in London behauptete vor 3 Jahren, UK sei Deutschland und den Niederlanden was Wohnungen angehe 20 Jahre hinterher – womit wir wieder bei den mathematischen Fähigkeiten wären…]), und man ihnen offensichtlich nicht trauen kann, sich nicht bei jeder sich bietenden Gelegenheit selbst zu elektrokutieren.
Also gibt es nur den beheizten Handtuchhalter (von dem Handtücher liebend gerne abrutschen), der gleichzeitig die Heizung darstellen soll und zwar bei Berührung scheißheiß ist, aber den kleinen Raum trotzdem überhaupt nicht wirklich aufheizt. Alles, was man so an Hygieneartikeln und Pflegemitteln hat muss also offen sichtbar auf der spärlichen Abstellfläche verteilt werden damit es ja auch hübsch chaotisch aussieht und man jederzeits möglichst viel umwerfen oder runterschmeißen kann.
Ach ja: mit von der Partie ist außerdem der nette Wasserfleck, der am Tage meines Einzuges anfing, sich seinen Weg von der Decke hinab zu bahnen, und der – wie ich Montag, als das Büro des Vermieters endlichwieder besetzt war, erfuhr – davon herrührte, dass der Obermieter sein Badezimmer „sehr gründlich geschrubt und viel Wasser verschüttet“ habe. Na prima, herzlichen Dank auch… Zum Glück hat es bis jetzt nicht (sichtbar) angefangen zu schimmeln, sonst hätten die aber was erleben können!

Bad
Andererseits wäre das vielleicht wenigstens ein guter Grund für einen frühzeitigen Auszug gewesen… Leider habe ich nämlich mal wieder eine ganze Reihe nerviger, lärmender Nachbarn erwischt (gerade werde ich mit chinesischen Schmachtfetzen beschallt) und bin quasi jedes Wochenende mindestens einer, wenn nicht mehreren Parties ausgesetzt. Auch die zahlreichen gröhlenden Chinesen aus dem Studentenwohnheim zum Hinterhof hinaus, dessen Existenz ich mir leider erst nach Einzug bewusst wurde, kann ich für gewöhnlich noch gut hören wenn sie sich kreischend um die Tische jagen oder lautstark ihre Freude respektive ihren Ärger über einen besonders guten bzw. schlechten Billardstoß oder Kartenzug kundtun. Aber auch laute, nicht minder schiefe Karaokeversionen von „let it go“ durfte ich mir schon urplötzlich mitten in der Nacht von der anderen Seite der Wand am Kopfende meines Bettes anhören…

Balkon
Ich bin jedenfalls froh, erstmal nur einen 6-Monatsvertrag unterschrieben zu haben, der Anfang/Mitte April ausläuft, sodass ich mich jetzt tatsächlich schon langsam aber sicher wieder auf die Suche nach was hoffentlich besserem machen muss/möchte. Hier in Sheffield ist der Wohnungsmarkt nämlich anscheinend nicht so kurzfristig ausgerichtet wie in London, weshalb ich zu Anfang auch Probleme hatte, zügig was zu finden, weil das meiste erst 1-2 Monate später verfügbar war. Also, drückt mir die Daumen, dass ich bald was schönes, leises finde…

Wer weiß, vielleicht schafft der Saftladen es ja sogar noch vor meinem Auszug, endlich zumindest das Licht im Hausflur in Gang zu kriegen, dessen Disfunktionalität dafür sorgt, dass ich regelmäßig im Dunkeln vor der Tür stehe und nach dem Türschloss stochere, oder mich so verrenken muss, dass das spärlich einfallende Licht der Straßenlaterne auf’s Türschloss trifft anstatt meinen Schatten auf selbiges zu werfen…

Sheffield: Ankunft, ein hübscher Bahnhof und die Sache mit dem Ticketautomaten

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Es ist so weit: am Sonntag bin ich in Sheffield angekommen. Nach einer kurzen beziehungsweise leider gänzlich schlaflosen Nacht ging zur unmenschlichen frühen Uhrzeit von 7.00 Uhr mein Flieger nach Manchester. Eineinhalb Stunden später, also zu 7.30 Uhr Ortszeit (man bedenke eine Stunde Zeitverschiebung), landete ich in Manchester, sammelte mein Gepäck ein und schlug mich zum Flughafenbahnhof vor, wo ich mich erstmal mit den Ticketautomaten rumärgern durfte.
Eigentlich sollte die Abholung des vorbestellten Tickets nämlich ganz einfach sein: Karte in den Automaten stecken um ihn zu aktivieren, Buchungsreferenz eingeben und Ticket kriegen. Faktisch war dem aber natürlich mal wieder nicht so. Der erste Automat tat mit meiner Karte genau gar nichts, der zweite sagte immerhin er könne sie nicht erkennen und erst der dritte von vier spuckte mir dann mit der zweiten Karte auch endlich mein Ticket aus. Da dachte ich noch „Ein Glück habe ich Zeit…“ – genau das habe ich aber auch bald verflucht, denn mein Zug ging erst um 10.44 Uhr und in der Bahnhofshalle war es nicht nur langweilig, sondern auch kalt. Sitzplätze gab es nur ein paar am Busbahnhof, die aber direkt an den Schiebetüren lagen, die natürlich alle Nase lang auf und zu gingen und damit für noch mehr Kälte sorgten. Also pflanzte ich mich mit meinem Gepäck auf einen kleinen Vorsprung (+ unbequem), zog irgendwann meinen dicken Wintermantel an und fror immer noch und wartete.

Geldscheinflieger
Natürlich nicht mein Flieger nach Manchester, sondern ein Geschenk, dass ich für die Hochzeit einer Freundin gebastelt habe, deren Einladung wie ein Flugticket aufgemacht war. (Wurde dann auf eine Startbahn aus schwarzer Pappe gesetzt und bekam eine Karte mit Herzchenwolken zur Seite gestellt.)

Als der Zug dann endlich da war und ich mein Gepäck hineingehievt hatte gab’s schon das nächste Problem: viel zu wenig Stauraum für so viele große Koffer, wie sie üblicherweise an Flughäfen anfallen. Quasi der komplette Eingangsbereich war vollgestellt (Es schien mir aber auch, da sei ein Pärchen mit gut und gerne 7 oder mehr Koffern unterwegs gewesen.) und ein paar Haltestellen später mussten sich tatsächlich ein paar Leute eine andere Tür zum Einsteigen suchen. Immerhin hatte ich einen reservierten Sitzplatz, die übrigens schön deutlich mit Steckschildern auf der Kopfstütze als solche gekennzeichnet waren, der aber am anderen Ende des Wagons lag. Ich bin eigentlich etwas paranoid was das Unbeaufsichtigtlassen von Gepäck oder Taschen angeht, aber was blieb mir anderes übrig… abgesehen davon konnte ich die Augen eh kaum noch offen halten und hätte vermutlich keine fast eineinhalb Stunden Fahrt stehen können, wie viele andere es mussten.

Wann immer ich während der Fahrt mal kurz meine Augenlider gehoben bekam stellte ich fest, dass je weiter wir uns von Manchester wegbewegten das Wetter um so schöner wurde. Während der Himmel am Flughafen noch komplett grau bewölkt gewesen war war er in Sheffield bei meiner Ankunft um kurz nach 12 Uhr strahlend blau und wurde nur von der einen oder anderen Schäfchenwolke geziert. Ich schätze, das tat sein übriges, um mich schon den Gleisbereich beim Verlassen des Zuges als geradezu pitoresk empfinden zu lassen. Aufgrund akuter Müdigkeit und Gepäckmassen habe ich leider kein Bild davon gemacht, was ich bestimmt irgendwann mal nachholen werde, aber stellt euch sandig-helle Metallstreben und Rundbögen, Glasdächer, Sandstein und verschnörkelte Eisendekorationen vor. (Oder guckt mal hierhier, hier oder hier für eine grobe Vorstellung.)
Ein bisschen kam ich mir vor, wie in einem alten Film, der in New Orleans oder so spielt (Nicht, dass ich da schon mal gewesen wäre…), fehlten irgendwie nur noch die Dampflok und viele bunte Blumenkästen. (Oder gab’s die sogar? Ich muss gestehen, ich weiß es nicht mehr, Müdigkeit und Hunger hatten mich ziemlich im Griff und ich habe mich gar nicht so großartig umgesehen. Aber der erste Eindruck war ja schon mal gut.)

Bereits beim Warten auf den Fahrstuhl wurde ich dann von einem netten alten Herren mit Rollator angesprochen, der sich erkundigte, ob er mit der Vermutung, dass dies die Schlange für den Fahrstuhl sei, richtig liege, und anschließend ein bisschen Konversation betrieb. Typischerweise beginnend mit dem Wetter, das ja am Vortag noch viel toller gewesen sei, und davon ausgehend schnell dahin, wo ich denn herkomme und dass er ja seine Deutschkenntnisse schon wieder vergessen habe, schließlich sei es schon so lange her, dass er im kalten Krieg in Bochum (?) stationiert gewesen sei.

Draußen angekommen begrüßte mich jedenfalls erstmal folgende Aussicht:

Sheffield Trainstation
Sheffield Trainstation2
Dann musste ich natürlich erstmal die nächste Bushaltestelle suchen, zu allem Überfluss herrschten genau an meinem Ankunftstag wegen eines Stadtlaufes auch noch Sonderfahrpläne mit geänderten Routen und Zeiten, sicherstellen, dass der Bus auch in die richtige Richtung fährt, und dann die gewünschte Ausstiegshaltestelle nicht verpassen. Blöderweise werden die Haltestellen nämlich nicht angesagt oder zumindest angezeigt (auch wenn ich da eh noch nicht gewusst hätte, welche die Richtige ist), sondern man muss im Prinzip aufpassen und wissen wie’s da, wo man hinwill, aussieht. Zum Glück war die eine Haltestelle, die ich deshalb zu weit gefahren bin, nicht so weit weg. Bei meinem temporären Gastgeber, den ich über AirBnB gefunden habe, bekam ich dann auch erstmal einen Tee und konnte anschließend, nachdem er mir netterweise geholfen hatte, mein Gepäck die steile Treppe raufzutragen, erstmal das dringend benötigte Nickerchen machen, bevor ich zum nahegelegenen Minimarkt lief um mir was zu essen zu kaufen.
Ihr könnt euch sicher vorstellen, wie fix und fertig ich nach dem Tag war und dass ich recht früh eingeschlafen bin… 😉

Liste 1

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Ein Laptop ist bestellt (d.h. genau genommen mittlerweile gestern schon angekommen, derzeit schlage ich mich mit der Treiberinstallation rum), Stoffe für eine erste, schnelle „Hauptsache-ich-hab-erstmal-was“-Hülle liegen auch bereit (bei Gelegenheit werde ich dann hoffentlich was hübscheres produzieren, endlich mal was zu patchworken böte sich zum Beispiel an) und so hab ich mich daran gemacht, ein paar Dinge auf der Liste der noch zu nähenden Sachen abzuarbeiten.

Manteländerung2

Zuerst wäre da eine beinahe kurios anmutende Änderung: die Ärmel meines Wintermantels verlängern. Moment – verlängern?! Es kommt ja nun höchst selten – also eigentlich gar nicht – vor, dass ich mal was verlängern muss, aber diesmal war es wirklich notwendig. Schon vor 1 oder 2 Jahren habe ich einen langen, schwarzen Wintermantel mit Kapuze bei ebay geschossen, den die Vorbesitzerin durch eine Rückenschnürung aufgemotzt hatte. Das hatte für mich, neben dem günstigen Preis, zwei Vorteile: eine Kapuze ist bei dem wechselhaften englischen Winterwetter und plötzlich einsetzenden Regenschauern nie verkehrt, und mit einer Rückenschnürung kann ich Oberbekleidung hinlänglich ganz gut an meine Figur anpassen. Ich suche nämlich schon lange immer mal wieder nach Wintermänteln mit Kapuze, aber wie das nun mal so ist – an der Brust zu eng, um die Taille viel zu weit – passen nicht mal die ohne. Und Kapuzen scheinen noch dazu einfach Mangelware zu sein.
Kurioserweise sind bei diesem Mantel die Ärmel aber einfach zu kurz. Also habe ich mir etwas schwarzen Wollstoff, ein bisschen Kunstfell und Futterstoff geschnappt und beschlossen, die Kunstfelleinfassung am Kapuzenrand noch mal aufzugreifen. Der Plüsch ist zwar ein ganz anderer, aber das soll mich nicht weiter stören.

Manteländerung

Ebenfalls auf meiner Liste stand ein Brotbeutel – wenn man nämlich, wie ich, sein Brot selbst backt bekommt man natürlich auch keine Papier- oder Plastiktüten zur Aufbewahrung. Aber wiederverwertbare Stofftüten sind ja eigentlich eh viel ökonomischer (zumal der grüne Stoff ein Rest von perfekter Größe war), und hübscher anzusehen obendrein. Aus hygienischen Gründen habe ich dann übrigens gleich zwei genäht, damit ich nach jeder Benutzung wechseln und waschen kann.

Brotbeutel

Vermutlich erstmal das Wichtigste auf meiner Liste war aber ein Kleinteiletui für meine Unitasche, in dem der ganze Kleinkram verstaut werden kann, der sonst lose darin rumfliegt und nie oder nur schlecht auffindbar ist wenn man ihn braucht.

Täschchen2

Während meines Bachelorstudiums hatte ich sowas in der Art schon mal genäht, allerdings war das wirklich nur ein winziges Etui mit einem einzigen Reißverschluss, sodass der Krempel dann eben darin unsortiert und durcheinander rumflog. Auch nicht das Gelbe vom Ei. Also habe ich mir überlegt, was da überhaupt so rein muss und anhand dessen ein Konzept entwickelt (Das klingt jetzt irgendwie so wissenschaftlich-geschäftlich…), das auf diese Bedürfnisse nach Trennung und schneller Auffindbar- oder Sichtbarkeit Rücksicht nimmt.

Täschchen

Deshalb hat das Täschchen zwei Reißverschlussfächer und ein Klarsichtfach. In dem einen Fach dürfen sich Dinge wie Kopfschmerztabletten und die Notration Traubenzucker gegen akute Süßlust tummeln,…

Täschchen3

… während das andere Lippenpflege und Lippenstift beherbergt und bestimmt auch mal dem einen oder anderen USB-Stick Asyl gewähren wird.

Täschchen4

Das Fach aus dicker, durchsichtiger Plastikfolie/Tischdecke – hier nur stellvertretend von der PayBackkarte bevölkert – hingegen ist für den Studentenausweis gedacht. Ich gehe davon aus, dass der, wie bei meiner alten Uni, im üblichen Kartenformat kommen und auch als Schlüssel oder zumindest Einlassberechtigung fungieren wird, demnach muss er natürlich schnell verfügbar und gegebenenfalls sichtbar sein. Wenn es, wie in meinem letzten Bachelorjahr, sogar ein kontaktloses Öffnungsverfahren gibt, bei dem man die Karte nur an ein Lesegerät halten muss: um so besser, aber der als Verschluss gewählte Klettverschluss würde es auch nicht übermäßig kompliziert machen (Also: nicht komplizierter als das Verfahren ohnehin schon ist.), die Karte rauszunehmen und durch einen Leser zu ziehen, wie es in meinen ersten beiden Studienjahren erforderlich war.

Täschchen5
Was jetzt noch auf meiner Liste steht ist – bis auf die Laptophülle – nicht mehr kritisch. Eine Babyhose für die Patentochter meines Freundes, die im November kommen soll, habe ich die Tage auch noch schnell zusammengeschustert (und kein Foto gemacht, weil sie exakt so aussieht wie die erste), und weil ich die dann vermutlich eh erst um Weihnachten rum zu Gesicht bekommen werde brauche ich mich auch mit einem möglichen Lätzchen noch nicht stressen.
Das übernimmt aktuell zu meinem Leidwesen ohnehin lieber der Laptop, der Treiber verlangt, nach deren Installation aber prompt anfängt, sich über (System-)Fehler zu beschweren und nur mit Windows-Starthilfe hochfährt, um mir dann eine Systemwiederherstellung anzubieten. Ja was jetzt: Treiber oder keine Treiber? Und wenn keine Treiber: was soll ich dann damit anfangen ohne Internet, USB & Co., für die es ja Treiber braucht? Was die ganzen Treiber aktuell tun ist eher mich in den Wahnsinn zu treiben… aber ich bleibe hartnäckig. Es ist vielleicht nicht schön, komfortabel oder zeitgemäß, das alles selbst installieren zu müssen (bei meinem Desktop-PC habe ich Win7 installiert, hatte sofort alle Treiber und es lief alles von alleine), aber ich will mich nicht bezwingen lassen.

Was lange währt wird endlich gut… (hoffentlich)

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Nachdem ich bereits im letzten Sommer mein Bachelorstudium erfolgreich beendet habe war ich ja lange vergeblich auf der Suche nach einem Job oder im Idealfall einer Doktorandenstelle. Bevor sich jemand wundert: ja, im englischsprachigen Ausland ist es durchaus üblich und demnach natürlich auch erlaubt, nach dem Bachelor direkt zur Promotion (PhD) überzugehen wenn man die entsprechenden Noten hat. Ein Master ist keine Grundvoraussetzung für eine PhD-Position und wird vielfach nur zwischengeschoben, wenn entweder die Noten „nicht gut genug“ für einen Direkteinstieg sind oder man eben kein Thema bzw. keinen Studienplatz für einen PhD findet.

Nun war ja bei mir das Problem, dass ich zwar ausgezeichnete Noten, aber eben keine eigene Forschungsidee hatte, und somit auf eine ausgeschriebene Stelle angewiesen war, die wiederum in meinem Feld natürlich rar gesät sind. Auf dem deutschen Arbeitsmarkt hat man mich mit meinem Abschluss gelinde gesagt mit dem Arsch nicht angeschaut und lieber fleißig Quereinsteiger (entweder Laboranten oder Doktoren anderer Fachrichtungen) eingestellt und mir maximal erzählt, ich sei ja fachlich überqualifiziert, aber habe eben nicht genug Erfahrung. Welche natürlich intelligenterweise auch niemand bereit war, mich machen zu lassen.

Ich hatte mir also für September sicherheitshalber schon mal einen Masterstudienplatz als Plan B gesichert und mich weiter umgesehen und auf Doktorandenstellen beworben, die komischerweise alle erst kurz vor Beginn beworben werden. Aber so sind sie wohl, die Engländer, hätte ich mir ja eigentlich denken können. Jedenfalls schickte ich einige Bewerbungen los, erhielt natürlich die eine oder andere Absage, und siehe da: beim zweiten Vorstellungsgespräch erzählte man mir, man werde sich am nächsten Tag melden, nur um dann keine 45 Minuten später anzurufen und meine Zusage zu erbitten. Die muss ich anscheinend überzeugt haben. (Man sagte mir allerdings auch direkt am Gesprächsende, ich sei die einzige gewesen, die mit dem gewählten Kommunikationsprogramm WebEx zurechtgekommen sei. Oha.)

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Ab 6. Oktober werde ich also wieder offiziell Studentin – beziehungsweise viel mehr Doktorandin – sein. Doktorandin – das klingt irgendwie so… komisch. Aber da werde ich mich wohl dran gewöhnen, ich hab schließlich 3 Jahre Zeit.

Diesmal geht es aber zum Glück nicht wieder nach London, sondern ziemlich in die Mitte Englands, nämlich nach Sheffield, und ich hoffe, dass es dort besser für mich laufen wird. Bisher macht die Uni jedenfalls einen ganz guten Eindruck auf mich – viel schlimmer als meine alte geht’s aber auch ehrlich gesagt gar nicht, die lag nämlich die letzten Jahre konsequent auf den letzten oder gar dem letzten oder vorletzten Platz des UK-Rankings. Es kann also eigentlich nur besser werden… Abgesehen davon habe ich glaube ich in den paar Wochen um Bewerbung, Gespräch und Zusage schon mehr (beantworteten, hilfreichen) E-Mail-Kontakt mit der neuen Uni gehabt als mit der alten in über 3 Jahren.

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Eine erste, kurze Sondierung des Sheffielder Wohnungsmarktes ergab außerdem, dass die Wohnungen zumindest auf den Fotos schon mal allesamt deutlich schöner aussehen als in London, und noch dazu auch bezahlbarer sind.

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Ein Haken an der Sache (neben der Distanz zu Familie, Freund, Freunden und Katze, selbstredend) ist allerdings, dass ich dieses Mal nicht so viel Krempel mitnehmen kann, sondern erstmal nur mit einem großen Koffer und ausgereiztem Handgepäck reisen werde. Ihr ahnt es: da kann ich meine Nähmaschine natürlich nicht mitnehmen. Das stimmt mich ehrlich gesagt ziemlich traurig und ich weiß nicht, wie ich 3 Jahre ohne sie überstehen soll, auch wenn ich vielleicht nicht täglich nähe.
Dieser ganze kreative Prozess und das „ich kann jederzeit, wenn ich will“ werden mir sehr fehlen. Ich denke, ich werde mich wenn ich richtig angekommen bin mal umsehen, ob ich vielleicht irgendwo günstig eine gebrauchte Maschine oder gar eine Dauerleihgabe finde. Auch um zumindest ein paar kleine, aber stabile Änderungen oder Reparaturen ausführen zu können ist eine Nähmaschine für mich faule Socke mittlerweile geradezu unerlässlich geworden.

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Da mein Flug für den 28. September gebucht ist geht jetzt also auch in allen Belangen wieder das große Suchen, Überlegen und Listen machen los: was muss auf jeden Fall mit (spezielle Teile genauso wie Überbegriffe à la „Businessklamotte“), was darf eventuell mit und was kaufe ich ohnehin am besten erst vor Ort? Immerhin kommt mir zu Gute, dass ich schon weiß, was ich grundsätzlich wo bekomme und was nicht… Aber wonach entscheide ich, was ich mitnehme? In meinen Schränken gibt es so viel Auswahl an Klammotten und Kosmetik und ich mag die Abwechslung, da fällt es mir nicht leicht, mir jeweils nur ein paar Teile rauszupicken.

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Für welche Temperaturspanne muss ich überhaupt packen, wenn ich erst kurz vor Weihnachten wieder nach Deutschland komme und nicht weiß, wie warm es in der Uni sein wird? Oder bricht gar in England auch nochmal der Spätsommer aus, so wie hier gerade? Was muss bis zur Abreise noch erledigt, besorgt oder genäht werden, wann kann ich mich von wem verabschieden und wo werde ich für den Anfang überhaupt wohnen, bis ich eine Wohnung gefunden habe? (Ohne Besichtigung einen längerfristigen Mietvertrag zu unterschreiben ist nämlich nicht zu empfehlen.)

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Außerdem muss ich mich noch mit der Frage nach einem Laptop beschäftigen, denn bis jetzt gehöre ich noch zur Fraktion Desktop-PC – und der ist nun auch nicht gerade Koffer-tauglich. Nicht ganz unwichtig hierbei ist auch die Sache mit dem Betriebssystem. Wie ist Windows 8, kann ich mich damit arrangieren und „will“ ich das wirklich?! Und wie viel Auswahl habe ich überhaupt, wenn ich es nicht will?

Fragen über Fragen…
Also, was würdet ihr mitnehmen und wonach entscheiden? Was darf ich auf keinen Fall vergessen und habt ihr womöglich sogar eine Laptopempfehlung für mich?

No smoking within 7 metres of these doors!

Standard

Schilder mit dieser oder ähnlicher Aufschrift hingen bei meiner Uni an jeder Außentür. Fazit nach 3 Jahren: Entweder haben rauchende Englänger keine Ahnung, wie viel 7 Meter sind, oder es ist ihnen Schnuppe. Ich jedenfalls musste nahezu jedes Mal beim Betreten oder Verlassen eines Gebäudes luftanhaltend durch eine Rauchwolke eilen, die wenn überhaupt maximal einen Meter von der Tür entfernt war. Nicht nur einqualmen, nein, auch noch den Weg blockieren, genial. Aber das ist ja in Deutschland auch nicht anders, nur dass da keine Schilder hängen.

Ich will keinen Hehl daraus machen, normalerweise herrscht in meiner Umgebung rauchfreie Zone sofern ich das beeinflussen kann. Mit Rauchen kann ich nichts anfangen und hätte auch kein Problem damit, wenn es komplett verboten würde, im Gegenteil. Ist schließlich auch nur eine gesundheitsschädliche Sucht, die die Taschen der Produzenten füllt und auch noch unbeteiligte beinflusst. Wenn mir nur jemand mit einer Kippe in der Hand auf der Straße entgegen kommt rieche ich das 50 Meter gegen den Wind und kriege meistens postwendend Hustenanfälle, bin ich gar längere Zeit dem ätzenden Qualm ausgesetzt komme ich aus dem röchelnden Husten noch Tage später nicht raus und habe mindestens eine Woche mit einer schmerzenden Lunge zu kämpfen. (In diesem Zusammenhang meinte übrigens die Mutter einer Freundin, die uns – vor dem Rauchverbot – mal von einem Konzert abholte, ich habe wohl schon ein paar Zigaretten zu viel in meinem Leben geraucht. Es war keine einzige, nicht mal ein Zug! So viel zum Thema Passivrauchen.)
Das geht sogar so weit, dass ich quasi ein menschlicher Rauchmelder bin. Einer meiner Mitbewohner in meiner ersten WG in England war besonders schlecht in der „Lebensmittelzubereitung“ und so kam es, dass ich eines Tages in meinem Zimmer im ersten Stock den Geruch von Rauch vernahm und mich fragte, ob Adam mal wieder versuchte was warmes zu Essen zu machen. Wohlgemerkt, die Küche lag im Erdgeschoss und Türen und Fenster waren verschlossen. Ungefähr 30 Sekunden später ging der Rauchmelder – in der Küche! – los. Meine Nase hat also selbst auf mehrere Meter und ein Stockwerk inklusive Türen und Fenster ein sensibles Gerät in knapp ein Meter hindernissfreier Entfernung zum Herd geschlagen. Ohne visuelle,  akustische oder andere Hilfsmittel oder Vorwarnungen.

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Um jedenfalls zum Thema zurück zu kommen, ich habe bezüglich des Smoken mal eine Ausnahme gemacht, und zwar eine unter Umweltaspekten betrachtete, gesundheitlich und geruchstechnisch gänzlich unbedenkliche (jedenfalls für mich): ich habe ein Nähwerk gesmokt. Okay, ich gebe zu, das hat nichts mit Rauchen zu tun, aber dieses Shirt hier wäre ja schließlich glatt ein passendes Exemplar aus diesem amüsanten Sammelsurium an Anti-Raucher-Sprüchen.

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Das Kleid, das ich mir kürzlich spontan genäht habe, finde ich dann aber doch hübscher. 😉 Inspiriert hat mich eigentlich dieses Exemplar, vermutlich vorrangig wegen des tollen Stoffs, aber so einen tollen Stoff hatte ich natürlich nicht. Und eigentlich wollte ich auch nicht bloß einen Gummizug in der Taille, auf solche überdimensioniert-schlabbrigen Ärmel war ich auch nicht scharf, und überhaupt… überhaupt ist eigentlich alles ganz anders. Aber so ist das wohl manchmal mit der Inspiration und dem, was letzten Endes daraus wird.

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Weil ich auch sonst keinen meiner gemusterten Jerseys passend fand – gesmokte Streifen müssen irgendwie nicht sein, oder? – hab ich schlussendlich zu dem roten Jersey gegriffen, aus dem auch schon mein erstes Infinitydress und der Cozy sind. Keine Ahnung, warum ich da so viel von habe und woher, aber sei’s drum, hübsch ist er ja, wenn auch, je nach Schnitt, etwas knitteranfällig. Aber bei den Kräuseln, die durch’s Smoken enstehen, fällt das glaube ich nicht weiter negativ auf.

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Gesmokt habe ich also auf gut Glück 9 Reihen im Taillenbereich. Danach war die zweite Unterfadenspule Gummifaden leer und ich hatte keine Lust, noch eine dritte aufzuwickeln. Etwas erstaunt über den Verbrauch hierbei war ich allerdings schon. Ansonsten ging das Smoken aber relativ problemlos – nach der Erkenntnis, dass meine Maschine von mir möchte, dass ich den Unterfaden nach jeder Reihe und dem folgenden Abschneiden wieder neu einfädele.

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Die kleinen Falten im Ausschnitt sind übrigens durchaus gewollt – nur irgendwie nicht so. Eigentlich hatte ich mir da schöne, größere, tiefere Falten vorgestellt, die ein bisschen das Brustteil hinunterragen, aber dafür habe ich ganz offensichtlich zu sparsam kalkuliert.

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Bei den Ärmeln sah das ursprünglich genau so aus, wenn nicht noch blöder, aber die hatten immerhin den Vorteil, dass ein neuer Zuschnitt nicht so viel Stoff verschwendete wie bei einem komplett neuen Frontteil. Viel besser hat es das allerdings auch nicht gemacht, und einen Tick zu lange finde ich sie im Nachhinein auch. Hätte ich nicht das Ausschnittdetail noch mal aufgreifen wollen hätte ich vermutlich eh Flatterärmel gemacht.

Beim nächsten Mal werde ich dann wohl auch den Taillentbereich großzügiger zuschneiden, denn während die 10 cm Zugabe um die Hüfte, die der Inspirationsquelle empfohlen werden, dort gut ausreichen finde ich es doch etwas schade, dass vom Smok in der Taille im angezogenen Zustand nicht mehr viele Kräusel überbleiben. Da empfiehlt es sich vielleicht tatsächlich, einfach gerade oder gar leicht ausgewölbte Stoffteile für den Korpus zu nehmen, damit auch getragen genug Smok übrig bleibt.

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Da ja jetzt offenbar schon der Herbst vor der Tür steht und die warmen Tage noch spärlicher gesäht sind werde ich das Kleid übrigens zu einem Sommerfest (Welch Ironie!) gestern voraussichtlich erstmal mit einem langärmligen Oberteil drunter oder Shrug drüber und Strumpfhosen getragen haben. (Wer sich über den kuriosen zeitlichen Satzbau wundert: das hier ist vorgebloggt, demnach kann ich Donnerstag noch nicht wissen, ob ich das Samstag wirklich so tragen werde.) Ein längeres Jäckchen drüber zu ziehen fände ich bei dem Smokteil gerade doch noch irgendwie schade.
Aber immerhin habe ich für die Fotos noch mal einen sonnigen, halbwegs warmen Tag erwischt. Eine neue Kamera habe ich übrigens immer noch nicht, irgendwie gibt es das, was ich suche, so nicht oder nur als teure Spiegelreflex außerhalb meines Budgets (Stichwort Fernbedienung). Dafür habe ich dran gedacht, dass mein Handy ja auch einen Selbstauslöser haben könnte, und siehe da… Die Qualität ist nicht die beste, aber besser als gar nichts. Einziges Problem: wie stellt man so ein Handy hin?

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Mit Hilfsmitteln. Sie sehen: eine verstaubte, eigentlich immer leere Vase aus dem Wohnzimmer und eine Untertasse aus dem Küchenschrank. Dazwischen „klemmte“ dann mein Handy, in beide Richtungen gegen das abrutschen geblockt, aber das konnte ich selbstredend so nicht in Aktion fotografieren. (Jetzt wo ich darüber nachdenke, ein Spiegel hätte es getan… aber ich schätze, das Terrain ist hier auch ohne schon kurios genug.)

Ingesamt habe ich, trotz Neuzuschnitt der Ärmel, für das Kleid etwa 90cm Jersey von 1,8m Breite verbraucht. Warum ich das hier extra erwähne? Weil meine Stoffbilanz, oder um genau zu sein mein gesamtes Stoffarchiv, leider trotz vielfacher Datensicherung beim kürzlichen Neu-Aufsetzen des PCs flöten gegangen ist. Einfach so.
Da habe ich Stunden reingesteckt, sämtliche Bestände abzutippen, Neuzugänge einzufügen und verbrauchtes möglich genau aufzuführen und rauszurechnen, habe extra ein Programm, dass Festplattensicherungen, Synchronisierungen & Co. macht und das mehrfach behauptet hat, alle Daten auf die externe Festplatte kopiert zu haben, und dann? Dann fehlt doch alles Mögliche! Ich hätte so kotzen können.  Ich meine, was soll denn das bitte? Entweder es ist alles als Kopie gesichert oder eben nicht, aber so kommt man sich doch ziemlich verarscht vor, oder?

Zum Glück ist das nicht mitten im Studium mit irgendwelchen wichtigen Daten passiert und zum Glück habe ich die Stoffbestände auch noch jeweils auf Zetteln an/in den Kisten selbst vermerkt, sonst müsste ich das jetzt auch noch alles wieder neu ausmessen. So muss ich es immerhin „nur“ neu abtippen, die paar noch nicht vermerkten neuen Stoffe ausmessen und mich ärgern, dass ich jetzt doch keine Stoffbilanz für das Jahr abgeben kann. Leider kann ich mich nämlich nur noch erinnern, dass die ganz gut aussah, aber eben nicht wie gut genau, und deshalb will ich jetzt sicherheitshalber lieber immer direkt dazuschreiben, wie viel ich wofür verbraucht habe. Doof ist das nur bei Dingen, die es aus diversen Gründen nicht zeitnah auf den Blog schaffen…  aber auch das Problem werde ich wohl in absehbarer Zeit erstmal nicht mehr haben.

Hüfte, medium-durch

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Bereits Anfang Juni war Hessentag, dessen kleine Konzerte ich vor allem aufgrund der räumlichen Nähe rege besucht habe. Eigentlich wollte ich dazu – um die Hände frei zu haben und mir keinen Kopf um den potentiellen Verlust irgendwelcher Wertsachen machen zu müssen – gerne eine Gürteltasche haben. Also, eine praktische, schöne, selbstgemachte – normale hab ich sogar. Leider fiel mir dieses Bedürfnis aber natürlich erst wieder viel zu spät ein, und in der Festwoche hatte ich dann auch nicht die Zeit, mehr als den Zuschnitt zu erledigen, sodass es auf Minimalprogramm (Haustürschlüssel) und große Hosentaschen (dann ggf. auch noch Handy) hinauslief. Aber wenn man schon mal angefangen hat… ist das kein Grund, nicht weiter zu trödeln.

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Als ich dann kurzfristig noch entschloss, das schöne Ragnarock-Festival zu besuchen, waren Gelegenheit und der entsprechende Fertigstellungsarschtritt natürlich doch da und ich hab weiter gemacht. Zwischenzeitlich hatte ich mir auch noch Sodas Festivaltaschenpost zu Gemüte geführt und prompt meine eigentliche Planung noch ein bisschen verfeinert. IMG_20140804_163048
Dass ich mir das Steckfach für die Running Order und das kleine Fach für Ohrenstöpsel und Lippenpflege (Was sich übrigens beides sehr bewährt hat, vielen Dank!) kurzfristig noch bei Soda abgeguckt habe sieht man zum Beispiel daran, dass beides nur aufgenäht ist. Da der Taschenbeutel sonst eigentlich nur aus einem an den Kanten abgesteppten Teil besteht konnte ich das nämlich nicht, wie es ja durchaus sinnvoll gewesen wäre, in den vorderen Seitennähten mitfassen. So ein cooles, doppelt und dreifach gesichertes Kamerafach wie Sodas Tasche hat meine allerdings nicht, aber das hat mehrere Gründe. Erstens wusste ich gar nicht, ob ich überhaupt eine Kamera mitnehmen wollte (hab ich beim Ragnarock gemacht) bzw. sie brauche (hab ich beim Ragnarock nicht), und zweitens müsste ich dazu ja erstmal eine funktionstüchtige haben (die mitgeführte war von meinem Vater geliehen, und weil die genau die bleiche Akkubulimie hat wie meine mussten die Fotos für diesen Post auch mit dem Handy entstehen), die Modell für die Abmessungen stehen könnte. Aber das ist ja auch nur Version 1.0, vermutlich wird sich auch hier mit der Zeit die eine oder andere Optimierungsoption zeigen, die auf ein Update auf 2.0 drängt.

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Genau genommen hat sie das sogar schon, denn beim Ragnarock zeigte sich schnell, dass selbst der Jeansstoff nicht wirklich stabil genug war – oder meine Planung was den verstellbaren Verschluss angeht etwas suboptimal. Es war zwar durchaus so geplant, dass der Umfang vergrößert werden kann, aber eben auch so, dass er noch etwas Spiel nach unten hat, und das ist leider im getragenen, befüllten Zustand nicht mehr der Fall. Da muss ich den Gurt schon ganz eng stellen und habe immer noch das leichte Bedürfnis, nachjustieren zu wollen. Version 2.0 verlangt also nach einem festeren Stoff (oder starker Bügeleinlage, um Neukäufe vermeiden zu können) und anderer Platzierung des verstellbaren Verschlussgurtes. Der verursacht nämlich so unter Umständen schon mal den einen oder anderen blauen Fleck auf dem Hüftknochen und geht dummerweise auch gerne mal auf wenn man beispielsweise in die Knie geht, was mitunter zu komischen „Ich habe eigentlich keine Hand frei, aber möchte meine Tasche nicht verlieren“-Verrenkungen führt.

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Was man hingegen als positiv oder negativ betrachten kann ist die Größe der Tasche. Die hat nämlich quasi eine eingebaute Diebstahlsicherung, weil da vermutlich außer meinen kleinen Händen ohnehin keine reinpassen. Womit wir aber natürlich auch schon wieder beim Problem wären, weil ich doch etwas vorsichtig sein musste und durchaus das eine oder andere Mal selbst so meine Mühe hatte, den gewünschten Inhalt rauszufischen, was wohl eindeutig für eine größere Tasche spricht. Das widerstrebt mir ein bisschen, weil dann auch die Basis und der auf dem Bein aufliegende Teil größer und wuchtiger werden muss, um trotzdem auch den Becherhalter beherbergen zu können, aber was muss, das muss. IMG_20140804_163454

Der Becherhalter wäre dann auch (erstmal) der letzte Punkt auf der Liste. Ursprünglich wollte ich das, ähnlich wie hier, mit einer Art Stoffköcher mit Gummizugband lösen, der sogar schon fertig bereit lag, als ich Sodas Post las. Dummerweise lies ich mich dann hinreißen, die Idee mit Gurtband und Klettverschluss auch gut zu finden, da sie mir weniger wuchtig und größentechnisch variabler vorkam, sodass ich hier ebenfalls meine Pläne über den Haufen geworfen habe. Das erste Problem daran zeigte sich schon bei der Eruierung der Anbringungsposition der Klettverschlüsse, da ich nicht nur keinen typischen Festivalbecher zum Maß nehmen hatte, sondern auch gerne mal eine kleine Wasserflasche einspannen können wollte. Nach etwas Rumgeeier hatte ich mich (bzw. die Kletterverschlüsse) dann festgelegt und dem Konstrukt sicherheitshalber noch einen verstellbaren Bodenriemen spendiert. So weit, so gut, nur stellte sich dann im Laufe des Festivals raus, dass weder Becher noch kleine Wasserflaschen sonderlich gut darin hielten. Für das eine lies sich der Verschluss in die eine, für’s andere in die andere Richtung kaum genug regulieren, und die Wasserflasche brachte es mit ihren asymmetrischen 5 Standfüßchen sogar fertig, am Bodenriemen vorbei zu rutschen und runterzufallen.
Voller Erfolg also. Für Version 2.0 werde ich daher sicher doch wieder auf den Köcher zurückgreifen. Der hat wenigstens einen gescheiten Boden, und wenn er oben zu weit ist ist das 1. weniger dramatisch und 2. mit Gummi- und/oder Kordelzug denke ich passabel zu regeln.

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Was mich abseits des genannten Verbesserungspotentials noch an der Tasche ärgert habe ich aber immerhin meiner eigenen Dusseligkeit zuzuschreiben. Nachdem ich meinen Plan durch Sodas Input kurzerhand noch um ein Futter erweitert hatte (das man bei der kleinen Tasche im Übrigen beim Reingucken sowieso nicht sieht und ich mir demnach auch hätte sparen können) musste ich mich nämlich bereits vorher mehrfach bremsen, die vorgesehenen Gurtbänder mit D-Ringen für Schlüsselbund & Co. nicht zu früh einzunähen – mit dem Ergebnis, dass ich sie dann natürlich vergessen habe und hinterher umständlich noch dranpfuschen musste. Ihr könnt euch in Etwa vorstellen, wie ich geflucht habe? IMG_20140804_163249
Gut geklappt und bewährt haben sich dafür in meinen Augen die restlichen Details, die ich von Anfang an eingeplant hatte: 2 „geheime“ Reißverschlussfächer und ein Beinriemen. Letzteren wollte ich vor allem, weil ich durchaus auch mal auf Konzerte gehe, bei denen viel gehüpft und gesprungen wird, wie zum Beispiel die Ska-Konzerte auf dem Hessentag, bei denen es mir nur blieb, Wasserflasche und Jacke ganz nonchalant in die Ecke zu feuern. (Bei der grandios-riesigen Publikumsmenge von, inkl. mir, ganzen 3 tanzen Leuten bzw. einem anderen Konzert, wo ich quasi Solotänzerin war, allerdings auch kein Problem.) Da finde ich jegliche Art von Tasche oder Bauchtasche die ständig auf und ab fliegt dann ziemlich nervig, was bei einer etwas längeren Tasche wie dieser sicher noch schlimmer gewesen wäre. Also ein Beinriemen, mit dem ich die Tasche „hüpfsicher“ am Oberschenkel festschnallen kann.

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Abnehmbar, natürlich, falls ich die Tasche auch mal zu anderen Gelegenheiten möglicherweise sogar mit Rock tragen möchte. IMG_20140804_163822
Ja, und die Reißverschlussfächer sorgten dafür, dass ich nicht meinen ganzen, großen Geldbeutel mit mir rumschleppen musste, sondern einfach ein bisschen Geld in das kleine Fach am Hüftgurt und ggf. andere, flache Papiere in die Rückseite der Tasche stecken konnte, wo sie auch nicht gleich auffallen. Abgesehen davon, dass langfingrige Hände da wohl nun wirklich Schwierigkeiten haben dürften, während des Tragens dranzukommen.

IMG_20140804_163130Jetzt also noch mal ein paar Tragefotos:

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Ganz zum Schluss zeige ich euch auch noch den schönen Festivalbecher mit dem coolen Beer-O-Meter, das einen charmant über den kritischen Zustand des Bierfüllstandes informiert:

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Klein, kleiner…

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Nachdem ich neulich ja schon Erfahrung mit kleinen Puppenklamotten gesammelt habe ging es jetzt gleich wieder mit was kleinem weiter. Einer kleinen Hose, um genau zu sein, allerdings nicht für Omas Puppen, sondern für den Sohn einer Freundin, für den ich auch schon das Lätzchen genäht habe.
Durch Zufall bin ich nämlich vor einer Weile unter anderem in den Besitz einiger Kinderjerseys gekommen, die ich zwar ganz niedlich finde, aber na ja… eben doch nicht unbedingt zu meinem Stil auf offener Straße passen. Ein paar habe ich also weggegeben, aber zum Glück nicht alle, sodass ich noch ein bisschen Auswahl hatte, als ich dann von besagtem Baby erfuhr und auf das Schnittmuster für die Babyhose „Ras“ stieß. Hose 3 Denn mal ehrlich, diese glücklichen Elefanten auf grünem Grund sind doch niedlich, oder? Hose Was ich dummerweise natürlich nicht hatte war Bündchenstoff. Also hab ich erstmal zum Nächstbesten gegriffen, nämlich geripptem Jersey; großzügige Reste von meinem Oberteil. So eine Babyhose braucht ja echt nicht viel Stoff, erst Recht nicht die Bündchen. Hose 5 Ich fürchte, dass der Rippjersey etwas zu locker sein könnte, Bündchenstoff ist da vermutlich fester und stabiler, aber es wird sich zeigen. Bei Reklamationen ziehe ich da notfalls noch ein Gummi ein oder tausche den Bund aus. Hose 2 Das Schnittmuster ist jedenfalls denkbar einfach umzusetzen, sodass es wirklich ein schnelles Geschenk ist. Es hätte mir zwar – pure Gewohnheit und Faulheit – besser gefallen, wenn die Nahtzugaben bereits eingezeichnet gewesen wären, aber bei so einem kleinen Teil ist das zusätzliche Anzeichnen ja kaum ein großer Mehraufwand. Wenn sie passt und gefällt wird das jedenfalls sicher nicht die letzte Hose sein… (Und wer weiß, vielleicht kriege ich die Mama ja damit in einem ruhigen Moment früher oder später auch mal an die Nähmaschine?) Hose 4 Genäht habe ich übrigens Größe 74, da ich immer noch denke, dass die Eltern vermutlich ohnehin genug Kleidung für den Anfang haben werden, aus der der Zwerg so schnell rauswachsen wird. Davon abgesehen: wenn uns noch mal so eine Hitzewelle ereilt wie kurz vor der Geburt (36°C, pralle Sonne und eine wahrliche Riesenkugel –  meine Freundin tat mir schon etwas Leid) wären lange Hosen für den Sommer wohl eh etwas unpassend. Mit etwas Glück könnte die Hose also gegen Herbst/Winter gut passen. Obwohl 74  in einem Größenspektrum von 50 bis 92 ja eher in der Mitte liegt erwischte ich mich während des Nähens übrigens immer wieder dabei, irrationalerweise zu denken, das Teil müsse sicher viel zu klein sein – aber Babys sind ja so winzig.

Es darf gesabbert werden…

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Anfang Oktober hat die Tochter unserer Nachbarn ein Baby bekommen. Ich selbst war als kleines Kind öfter mal bei ihnen drüben und habe zum Beispiel „Es war einmal das Leben…“ (Wie passend… Und, wer hat jetzt noch einen Ohrwurm?) mit ihnen geguckt und angeblich beim letzten Einhorn Rotz und Wasser geheult. Dass ich den Vater damit etwas ins Straucheln gebracht habe kam dann auch beim Polterabend vor ein paar Jahren, zu dem wir ebenfalls eingeladen waren, wieder amüsiert zur Sprache. (Ich bin mir übrigens keiner Schuld bewusst, aber die Nachbarskinder sind ja auch ein paar Jahre älter und können sich daran sicher besser erinnern als ich.)

Als wir dann mit den ersten Fotos auch das Geschlecht und den Namen verkündet bekamen wollten wir natürlich auch wieder gerne ein kleines Präsent überreichen können. Ich ergriff also die Initiative und hatte schon bald eine Idee – ein Lätzchen. Mein Gedankengang dabei war vor allem, dass frisch gebackene Eltern vermutlich Strampler zu Hauf geschenkt bekommen oder bereits haben und das Kind da ohnehin schnell rauswachsen wird. Daher erschien es mir sinnvoller, etwas zu machen, was vielleicht nicht unbedingt sofort benötigt wird, deshalb aber voraussichtlich auch noch nicht in x-facher Ausführung vorhanden und außerdem weniger größenkritisch ist.

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Zuerst war meine Mutter von der Idee eines Lätzchens gar nicht so angetan – bis ich ihr sagte, dass ich doch ein Motiv und den Namen draufsticken möchte und sie plötzlich ganz begeistert war und fand, dass die Eltern sich über so ein individuelles, persönliches Geschenk sicher freuen würden. Da war mein Vater schon schneller von Begriff, der hat meine Idee nämlich schon bei der bloßen Erwähnung eines Lätzchens sofort durchschaut.
Die Motiv-, Stoff- und Farbauswahl sowie die Umsetzung blieb dann aber selbstverständlich doch wieder nahezu komplett an mir hängen. 😉 Lediglich bei der Stoffauswahl der Vorderseite hat meine Mutter für Brei-rutschhemmenden Frottee votiert.

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Den in den Stickrahmen der Maschine einzuspannen oder sich beim zuschneiden komplett davon vollfusseln zu lassen war allerdings kein so großes Vergnügen… Aber ich das Frotteemonster erfolgreich bezwungen.

Unter dem Frosch ist wie gesagt noch der Name des Mädchens gestickt, aber den hab ich lieber mal unkenntlich gemacht. So viel sei gesagt: das Garn ist rot.

Lätzchen#

Der Zwischenstand in Form eines fertig bestickten, alles vollfusselnden Frotteelappens fand dann auch bei meinen Eltern Anklang. Gesprächsfetzen gefällig?
Ich: „Also find’st du das auch gut so?“
Vater im Brustton der Überzeugung: „Ich find das super-mega-süß!“
Na dann… kann ja nichts mehr schief gehen, was?

Als Verschluss haben die Teile vor dem Verstürzen noch einen Klettverschluss spendiert bekommen, das dünkte mir praktischer als die elenden Bindebändchen, die an meinen Lätzchen früher immer ausgefranst sind. Außerdem: wer bindet denn eigentlich bitte gerne einem zappelnden oder sich wehrenden Kleinkind irgendwelche Schnüre um den Hals?

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Und falls ihr euch jetzt wundert: obiger Text ist natürlich zeitnah im Oktober entstanden, aber – ihr ahnt es vielleicht – da die einzige Aufgabe meiner Mutter darin bestand, das Geschenk einzupacken, habe ich es prompt versäumt, Fotos zu machen. Super, ne?

Warum ihr das jetzt trotzdem seht? Weil eine gute Freundin von mir quasi „so nett war“, vor ein paar Tagen ebenfalls ein Kind zu bekommen. Und weil sie bei der Erzählung vom anderen Lätzchen so begeistert von der Idee war, dass sie selbstverständlich auch eins bekommen sollte. (Sollte sie natürlich eh, aber im Vorhinein zu wissen, dass sich jemand freuen wird, hat doch auch was, oder?) Das bot mir natürlich die perfekte Gelegenheit, die ganze Sache endlich mal fotografisch festzuhalten. Welcher Name hier unkenntlich gemacht wird ist ja dann letztenendes auch egal, der Unterschied liegt ohnehin – abseits des Namens selbst natürlich – nur darin, dass ich den Namen ihres Sohnes in einem leuchtenden Blau gestickt habe.

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Die Rückseite besteht übrigens aus schlichter dunkelgrüner Baumwolle, leider hat sich hier beim Absteppen der Frottee etwas durchgezogen.