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Bensis Bastelstunde, die Zweite oder: Ich bin Oskar

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Der geneigte Leser hat es bestimmt schon bemerkt, aber ich erfreue mich mehr und mehr an dekorativer Kosmetik. Dazu gehört natürlich auch Nagellack.
Bis vor einiger Zeit hat sich meine Lackierlust meistens in Grenzen gehalten und ich hatte nur gelegentlich farbige Phasen, primär weil es mir immer zu lange gedauert hat oder ich mir bald Macken reingehauen habe. Seit der Entdeckung von schnelltrocknenden Überlacken hat sich das geändert und die Zahl meiner Nagellacke ist ebenfalls etwas gewachsen. Mit der Zeit passten sie natürlich nicht mehr in ein winziges Schächtelchen und so grübelte ich ein bisschen bis mir eine Idee kam.
Ein Nagellackregal. Damit ich auch endlich den Rest meiner Habseeligkeiten wieder an einen Platz räumen kann.
Also hab ich meinen Vater gefragt, ob er mit mir – oder vielmehr ich unter seiner „Aufsicht“ – so was bauen könnte. Vor Gerätschaften, mit denen man sich mal eben Gliedmaßen abtrennen kann oder ähnliches, habe ich nämlich gesunden Respekt.

Soweit zur Vorgeschichte. Im viel zu großen Blaumann versunken machte ich mich also mit meinem Vater in Etappen an die Arbeit. Ausmessen, Ablängen, kein Problem, die erste Zwangspause entstand, als wir Sonntags feststellten, dass wir keine Zylinderfräse mit um die 35mm Durchmesser hatten. Die einschlägigen Baumärkte hatten so was aber auch nicht zu Preisen, die für derart seltene Nutzung akzeptabel gewesen wären, also haben wir das getan, was ich ohnehin vorgeschlagen hatte: in Etappen gefräst.

Oskar

Zuerst haben wir also die Enden mit einem Forstnerbohrer ausgebohrt, dann an beiden Seiten mit der Fräse eine Schneise weggenommen und schlussendlich den Steg, der in der Mitte noch hoch stand, mit einem Stecheisen entfernt und etwas geglättet. Damit hätten wir dann schon mal grob die Regalböden, minus einer Abschleifprozedur versteht sich. Die hab ich dann auch ohne Aufsicht, dafür aber mit Dank Schwingschleifer geradezu vibrierendem Gefühl in den Armen, allein hinbekommen.

Oskar 2

Wie aber das Ganze mit möglichst wenig Löchern in der Wand an die selbige bringen?
Hierzu hatte ich mir eine Art Leiter als Grundsystem überlegt, sodass alle Bretter an den Seitenteilen zusammengehalten werden. Dafür musste ein unschuldiger Besenstiel dran glauben.

Oskar 4

Besagter Besenstiel bekam dann, zusätzlich zu denen für die Aufhängung an der Wand, auch seitlich Löcher, durch die die Regalböden einfach mit ordinären Holzdübeln festgesteckt sind. So bleibt das Konstrukt, auch wenn die Dübel etwas schwierig wieder rauszubekommen sind, grundsätzlich auch Platz sparend verstaubar, für denn sicher irgendwann eintretenden Fall eines Umzugs. Außerdem werde ich bei Gelegenheit noch kleine Haken besorgen, die ich in die Dübel drehen werde, um sie nicht nur leichter wieder rausziehen zu können, sondern damit ich sogar etwas dranhängen kann. Bis dahin bleiben die Dübel erstmal nur lose reingesteckt, danach werde ich sie dann ordentlich versenken, dann stehen sie auch nicht mehr über.

Das oberste Brett fehlt übrigens noch, weil das Loch für den Holzdübel beim Bohren ausgerissen ist und das Flickwerk aus Sägespänen und Leim natürlich erst trocknen muss bevor nachgebohrt werden kann. Da ich ja nun aber eh erstmal im Krankenhaus und mein Vater auch unterwegs war hab ich es soweit trotzdem schon mal an die Wand gehängt, damit meine Nagellacke bald endlich wieder aus dem Bücherregal ausziehen können. Und nein, ich habe eigentlich nicht vor, sämtliche Regalbretter gleich zu füllen. Auf Vorrat zu bauen kann aber denke ich auch nicht schaden und notfalls findet sich noch das eine oder andere Teil, das da statt Nagellack rein kann. Außerdem kann ich total schlecht schätzen, wie viel Platz die vorhandenen Lacke einnehmen werden.

Oskar 3
Eigentlich hätten sie das gleich gesollt, andererseits macht es auch wenig Sinn, das Regal jetzt schon einzuräumen, wenn ich es dann später noch mal ausräumen muss. (Für’s Foto durften aber natürlich trotzdem mal 2 Modell und Probe stehen.)
Außerdem bemerkte ich beim an die Wand hängen etwas, was wir nicht bedacht hatten: der Abstand von Wand und Besenstiel. Dafür werden wir also noch entsprechende Klötzchen als Abstandhalter machen damit das Teil auch gerade hängt und die Schrauben nicht so viel Luft schnuppern. Deren Kopf war übrigens auch so klein, dass sie sogar ohne Schraubenzieher durch die Löcher im Besenstiel passten, denn wir hatten uns am vorgebohrten Loch orientiert. Dem auch ohne neue Schrauben Abhilfe zu schaffen war mit 2 simplen Unterlegscheiben aber kein nennenswertes Problem.

Oskar 5

Was das alles jetzt mit Oskar zu tun hat? Kann ich euch sagen. Als ich soweit fertig war und das Regal nach oben trug stattete ich meiner Mutter im Wohnzimmer einen Besuch ab und verkündete: „Hallo, ich bin Oskar.“ Natürlich fragte sie: „Was denn für ein Oskar?“ – „Na stolz wie.“ (Jaa, doofe Witze kann ich.)

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Bensis Bastelstunde

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Bensi ist seit Ewigkeiten ein Spitzname meines Vaters.
Mein Vater hat, im Gegensatz zu mir, nicht nur einen sondern eigentlich gleich zwei Hobbyräume. Was früher Gästezimmer war fungiert nun als PC-Zimmer für’s programmieren & Co. und im Keller gibt es eine Werkstatt für Holzarbeiten fast aller Art. Was ihn natürlich nicht daran hindert, bei Gelegenheit auch noch das Esszimmer mit seinen Seekarten in Beschlag zu nehmen, wenn er mal keine Lust auf PC-Zimmer hat.
Wenn ich hingegen mal Stoff zuschneiden will muss ich zwangsweise ins elterliche Schlafzimmer oder ins Wohnzimmer ausweichen und bekomme meist prompt einen Rüffel à la „Musst du dich hier schon wieder so breit machen und alles vollfusseln?“, und wehe ich muss mal was im Esszimmer zum trocknen liegen lassen oder kann erst am nächsten Tag weitermachen: „Kannst du nicht mal deinen Mist hier wegräumen, der liegt jetzt hier schon seit Taaagen im Weg rum!“.

Da ich zu Bastelzwecken in den gemeinschaftlich genutzten Räumen also offensichtlich nur etwas widerwillig geduldet werde wollte ich einfach mal wissen, was wohl passiert, wenn ich zum Gegenangriff übergehe und mich stattdessen in Papas Hobbyräumen breit mache. Was passiert?
Ja, dann passiert „Bensis Bastelstunde„.

Seitdem ich vor einiger Zeit endlich schraubenartige Haarnadeln (sogenannten spin pins oder hairscroos) – und eine Menge interessanter Frisurenvideos – entdeckt habe und meine schweren Haare damit tatsächlich zu bändigen vermochte hatte ich plötzlich auch Spaß daran, allen möglichen Unfug mit meinen Haaren anzustellen. Im Zuge dessen wollte ich auch Haarstäbe ausprobieren, fand aber keinen, und dachte mir mal wieder „Selbst ist die Frau.“.
Nach kurzer Nachfrage ob mein Vater mein Vorhaben für Möglich hielt und Holz dafür übrig hätte konnte es dann längere Zeit nicht losgehen, weil er im Keller die Klappläden strich und abgeschliffenen Holzstaub da verständlicherweise weniger brauchen konnte.
Vor ein paar Tagen ging ich dann in der Annahme, es seien gerade keine Läden zu streichen da, in die Werkstatt und fing munter an, mit einer kleinen Handsäge eine Haarforke aussägen zu wollen. Kurz darauf kam mein Vater – mit Klappladen – herein und fing an zu streichen. (Warum hab ich dann eigentlich so lange gewartet?!) Wiederum kurz darauf kam etwas wie „Du weißt aber schon, dass das mit meinen Maschinen hier deutlich schneller gehen würde, oder?“ – als ob ich einfach ungefragt an seine Maschinen ginge, mit denen ich mich nicht auskenne!
Ehe ich mich versah hatte mein Vater also erst eine Fräse rausgeholt, mit der wir den Zinkenzwischenraum ausfrästen, dann die Tischkreissäge angeschmissen um das Ganze abzulängen und in der Dicke zu halbieren und schließlich seine Schleifmaschine in einer abenteuerlichen Konstruktion, die wohl wirklich besser niemand sehen sollte, auf den Tisch gespannt um den groben Zinken, der mal eine Haarforke werden sollte, relativ mühelos abzuschleifen und glatt zu schmirgeln. (Und zwischendrin mit den Worten „Hach, da kann man ja gar nicht arbeiten bei so wenig Platz hier.“ den Klappladen wieder weggestellt. ^^ Als ob ich das nicht wüsste…)

So hatte ich dann jedenfalls in vermutlich deutlich kürzerer Zeit gleich zwei Haarforken, eine von mir und eine von meinem Vater, und mein Vater titulierte das Geschehen hinterher selbst mit „Bensis Bastelstunde – das können wir gerne mal wieder machen!“. Im Übrigen sprudelten die Ideen bezüglich Formgebung und Verziehrung im Anschluss nur so aus im heraus *kicher*, deshalb können wir wohl gespannt bleiben, was da noch so entstehen wird.

Das hier sind die guten Stücke, oben das Werk meines Vaters, unten meins:


Vermutlich werde ich die Teile zum Schutz des Holzes noch lackieren oder wachsen, besonders da sich die obere, dünnere an einer Zinke bereits leider mal gespalten hat.

Und weil es mir so viel Spaß gemacht hat habe ich für die liebe Lilja, auf deren fabulösen Geburtstag ich eingeladen war, gleich auch noch eine Forke gemacht, die ich mit einer Libelle bemalt und lackiert habe. Intelligenterweise habe ich aber leider vergessen, davon ein Foto zu machen. ^^