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An machen Tagen sollte man einfach gar nicht erst anfangen.

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Leider weiß man das meistens erst, wenn es schon zu spät ist. Vor allem, wenn es vor dem Nähen (oder anderen Aktivitäten) keinerlei Anzeichen für die sich anbahnende Katastrophe gibt.

Dabei hätte ich es eigentlich wissen müssen. Das Glück und ich, wir haben uns schon lange nicht mehr richtig gesehen, und wenn dann auch immer nur ganz kurz. Meistens hat es mir dann sogar eine lange Nase gezeigt und sich hämisch wieder verkrochen um Platz für das Pech zu machen.

Nachdem der Rock schon mangels Druckknopfbefestigungswerkzeug auf Eis liegt zickt jetzt also auch noch die Hose rum. Die war schon am Sonntag eigentlich bis auf Gürtelschlaufen und Saum fertig, als ich sie zum festlegen der Länge des letzteren anzog und tada: da fing der Pechvogel wieder an zu zwitschern wie seine realen gefiederten Kollegen draußen in den Bäumen.

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Ich hab echt keine Lust mehr. Egal was für Reißverschlüsse ich nehme und in egal wie viel zu weite Kleidungstücke (Also auch nichts von wegen Zug drauf oder so.) ich sie einsetze, jedes verdammte Mal gehen diese vermaledeiten Drecksteile kaputt. Und das eher früher als später. Was soll denn das? Jetzt muss ich das Mistding auch noch wieder raus- und ein neues reinfriemeln, vorzugsweise eins, das unkaputtbar ist. Wo soll ich das denn jetzt schon wieder herzaubern?

(Natürlich hat jetzt, ganz nebenbei bemerkt, offensichtlich auch noch der Speicherkartenadapter für die angezählte Kamera das Zeitliche gesegnet. )

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Wenn die Eltern aus dem Haus sind…

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Anfang April hatte ich anlässlich des 25. Hochzeitstages meiner Eltern und deren damit einhergehenden Roadtrip (Man mag es kaum glauben, aber sie scheinen tatsächlich jetzt Gefallen an Bed & Breakfast-Touren durch Europa zu finden. Allerdings wohl nur aufgrund der Hotelbuchungs-App auf ihrem Smartphone.) eineinhalb Wochen sturmfrei. Was habe ich also gemacht außer alleinverantwortlich die Katze füttern und bei Laune halten, Blumen gießen und die Zeitung reinholen? (Pro-Tipp meiner Mutter außerdem: „Bring auch alle paar Tage mal den Müll raus, sonst fängt’s an zu stinken.“ – Ach echt?! Wie habe ich nur 3 Jahre lang alleine in England überlebt ohne dieses elementare Mütterwissen?) Ich hab die Gelegenheit beim Schopf gepackt und schamlos Stoffe in ihrem Schlafzimmer ausgebreitet und zugeschnitten!
Was gäbe es besseres zu tun?

Es war zwar immer noch nicht wirklich entspannend, eine gefühlte halbe Ewigkeit auf dem Boden rumzukriechen, und endete auch in leichten Rückenschmerzen, aber immer noch tausend Mal angenehmer, als sich dabei aus Platzmangel mehrfach auf Schreibtischstuhlrollen, Metalllineale, Schuhe oder Stoffscheren zu knien oder setzen, während man den Stoff nicht mal ganz ausgebreitet bekommt. Das gehört nämlich so ziemlich zum Standardprogramm eines Zuschneideversuchs in meinem (zu) kleinen Zimmer und resultiert dementsprechend regelmäßig in blauen Flecken und lautem Schimpfwortausstoß.

Achtung, mieses Handyfoto!
Was ich diesmal verbrochen habe? Eine Hose, genau genommen eine dunkelblaue Jeans. Während meines 1,5-tägigen Praktikums (Dann stellte der Chef fest, dass ich ein ausbeuterisches, befristetes Praktikum nicht als Ende meiner aktuellen Karriereleiter betrachte, sondern mich erdreistete, ein Vorstellungsgespräch für eine Festanstellung wahrnehmen zu wollen, und setzte mich wieder vor die Tür.) stellte ich nämlich mal wieder fest, dass sowas in meinem Schrank nicht wirklich vertreten ist. Jedenfalls nicht in der schlichten Version ohne abgeschrubbelte Waschungen etc.; davon besitze ich genau zwei, wovon eine eher graublau ist, zu groß und, wie ich dann feststellte, zu allem Überfluss ein kleines Loch im Schritt hat. Ansonsten gibt es mittlerweile nur erschreckend viele Röhrenhosen, die ich aber eh nur im Winter in Stiefeln trage, weil ich die sonst furchtbar unvorteilhaft finde, aber etwas anderes kriegt man ja heutzutage in den Läden kaum noch. Dementsprechend schlecht bestellt ist es auch um meinen Bestand passender, intakter Bootcuthosen…

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… was durch Kaufschnitte leider nicht wirklich besser wird. Ich erinnere mich mit Grauen an eine Burda-Hose, die unten bestimmt 20-30cm zu lang war – an sich das kleinere Problem, hätte die Kniebeuge nicht irgendwo an der Wade gehangen – und oben in beide Richtungen weitere 15-20cm zu viel hatte, sodass ich sie bis über die Taille ziehen konnte und dann wohl auch noch hochschwanger reingepasst hätte. Allgemein hat das Teil jedenfalls vorne und hinten und überall sonst nicht gepasst und mich ganz schnell davon überzeugt, dass Burdahosen und ich schon mal nicht zusammen passen. Nur: wo also einen passenden Hosenschnitt herkriegen?

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Zum Glück hatte ich mir in weiser Voraussicht mal das grandiose Buch „Pants for Any Body“ von Pati Palmer und Susan Pletsch gekauft. Das ist ein erfrischend anderes, unaufgeregtes Buch von (ursprünglich) 1973, das wohl so ziemlich alle Eventualitäten abdeckt, die mit dem Nähen einer Hose in Verbindung stehen, von Passformproblemen und deren Lösung über die Verarbeitung bis hin zu Schwangerschaftshosen und der charmanten Hilfestellung wie man überhaupt in Hosen sitzt. (Welche Tenshi beim Durchblättern des Buchs übrigens endgültig in Entzücken versetzte. ;))

Das englischsprachige Buch verzichtet dabei auf Hochglanzfotos und anderen Kram, den man heutzutage vermutlich in fast jedem Nähbuch findet, sondern schafft es problemlos, anhand unzähliger Zeichnungen dem Leser verständlich zu machen, worum es geht. Obwohl Englisch ja bekanntermaßen für mich ohnehin kein Problem ist würde ich sogar sagen, dass man von den Schnittänderungen zur Behebung diverser Passformprobleme auch ohne großartige Englischkenntnisse profitieren kann, da sowohl Passformproblem als auch entsprechende Schnittänderung bildlich dargestellt sind.

Hosen zählen vielleicht schnitttechnisch nicht unbedingt zu den einfachsten Nähwerken, aber mit diesem Buch hat man glaube ich einiges in der Hand, um diese Aufgabe erfolgreich zu meistern, deshalb empfehle ich es immer wieder gerne. Zumal es mit knappen 7€ geradezu ein Schnäppchen in der Welt der Näh- bzw. Schnittbücher ist und für mein Empfinden einen unglaublichen Mehrwert hat – wenn man denn Hosen nähen möchte. (Sogar Natron hab ich das Ding schon Mal ans Herz gelegt, als sie sich passformtechnisch unzufrieden zeigte, und ich habe den Eindruck, sie ist auch zufrieden.)

Jedenfalls habe ich schon vor einer langen Zeit damit mal einen ersten Schnitt soweit bearbeitet, dass das Ergebnis brauchbar war, und diesen Schnitt habe ich jetzt endlich mal richtig umgesetzt. Ganz fertig ist die Hose noch nicht, aber wenn nicht wieder unvorhergesehene Probleme mit den Knöpfen auftreten (Wie bei dem Rock, für dessen 1cm-Druckknöpfe kein passendes Werkzeug zur Befestigung aufzutreiben ist…) dürftet ihr die bald zu sehen bekommen.

aus nordwestlicher Richtung nähert sich überraschend ein Produktiv-Hoch

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Tja, erstens kommt es anders und zweitens als man denkt, nicht wahr? Gänzlich unerwartet jedenfalls hat sich der Mai bei mir doch noch als relativ produktiver Monat entpuppt. Nachdem meine Prüfungen vorbei, der Cozy und das 12/12-Shirt genäht waren und ich das Grillen bei meinen englischen Freunden auch erfolgreich überlebt hatte (An dieser Stelle besser kein Kommentar außer: Schwarz ist eben doch nicht immer gut.) hab ich Sonntags noch mal eine kleine Power-Nähsession eingelegt. Zugeschnitten und mit besticken (lassen) hatte ich schon vorher zwischendurch mal angefangen, trotzdem kam noch ein bisschen Gehirn- und Fingerakrobatik auf mich zu.

Gesamt

Ich wollte nämlich endlich mal eine große Tasche, natürlich mit Kleinkramfächern und nicht so langweilig, also hab ich mal wild drauf losgestickt und meine studierten Hirnwindungen für ein bisschen Schnittakrobatik missbraucht. Grundschnitt sowie aufgesetzte Innen- und Außentaschen sind dabei natürlich eher wenig kompliziert, aber eine kleine Finesse hab ich mir doch noch einfallen lassen: eine Wasserflaschentasche!

Flaschentasche

tanzende Skelette

Als ziemlich durstiger Mensch trage ich für gewöhnlich immer eine Wasserflasche bei mir und bin, gerade bei großen „Rumpeltaschen“ meistens schnell genervt davon, wenn die Flasche wüst in der Tasche umherfliegt, umkippt, beim tragen unbequem gegen mein Bein bollert oder ähnliches und ich sie immer erst umständlich wieder hervorgraben muss wenn ich dann mal was trinken will. Also eine Außentasche speziell für die Flasche, oben mit Gummizug der sich bei 1,5l-Flaschen nahezu hervorragend in die Griffmulde einfügt.  Darauf tanzen dann fröhlich zwei Skelette.

Auf der gegenüberliegenden Seite noch eine kleinere Tasche für schnell zu erreichende Kleinigkeiten, mit Schlüsselring und einem meiner liebsten Stickmotive. Muhahaha! (Leider sieht man da auch, dass sich am oberen Ende schon ein kleines Loch gebildet hat, da war die Nahtzugabe wohl nach dem Einnähen des Reißverschlusses etwas knapp, das werde ich früher oder später ausbessern müssen. Und wie überblitzt das wieder ist… )

Seitentasche

Auf der Vorderseite außerdem zwei weitere kleine Taschen, oben eine für Handy und Fahrkarte, unten eine z.B. für eine kleine Notration Süßkram. Hier sieht man die Motive auch noch mal etwas besser, die auf der Vorderseite sowie der verrückte Wissenschaftler sind alle von Urban Threads, das tanzende Skelett von hier.

Front

Innen gab’s außerdem zwei weitere Taschen, z.B. für Geldbeutel & Co., Taschentücher und andere Utensilien die Frau gelegentlich braucht, eine davon mit aufgesetztem Stiftehalter. Letzter eignet sich wie ich leider zu spät feststellte allerdings nicht für etwas größere Stifte wie beispielsweise meinen USB-Stick-Kugelschreiber, aber was solls. Notfalls wird er falschrum drangesteckt oder landet in den Innentaschen, etwas Schwund ist ja immer.

Innentaschen

Als ob das für den „ausgebuchten“ Mai noch nicht genug wäre habe ich dann daheim auch noch ein Oberteil für einen Mittelaltermarktbesuch zusammengestümpert, weil das Kleid, dass ich von meiner Tante zum Abi bekommen habe zwar wunderschön, aber langärmlig und schwarz bei knapp30°C leider eher weniger geeignet ist.

Den Rock habe ich schon vor Ewigkeiten mal selbst genäht, den Beutel hab ich auch noch schnell zusammengeschustert und das Mieder war mal als Probeteil eines Schnittes gedacht. Leider lag es jetzt so lange ohne Ösen im Schrank herum, dass ich mittlerweile  schon vollkommen vergessen habe, welcher Schnitt das war. Soviel zum Thema Probeteil. =P Leider krumpelt es auch etwas, da ich keine Stäbchen verwendet habe, weil die Wendeseite aus so steifem Kunstleder ist, dass ich das für ein Probeteil nicht unbedingt für nötig hielt. Als dann plötzlich der Markt vor der Tür stand hab ich es einfach angezogen um das andere sackige Oberteil etwas auf Figur zu bringen, dabei hatte ich nicht mal Ösen da.