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she’s a maniac on the floor

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Das es vorletztes Jahr mit meiner Tanzpartnerin nicht so gut gelaufen ist hab ich euch ja schon erzählt. Was ich aber nicht erzählt habe ist die Sache mit den Kleidern. Auf den Fotos mit dem geborgten Tanzpartner (oder auch beim Rumalbern mit einer weiteren „Leihgabe“ dieses Jahr) seht ihr ja tolle Glitzerkleider, aber das sind die Teamkleider, die wir normalerweise nur zum Teammatch anziehen dürfen, also wenn wir am Ende des Tages in kleinen Gruppen gegen andere Uni-Teams antreten statt wie vorher jeder gegen jeden. Da dürfen wir nämlich bei den allermeisten Turnieren in meiner Kategorie „novice“ solche aufregenden Sachen nicht anziehen sondern müssen die schlichteren Regeln für „restricted dress“ einhalten. Dummerweise hatte mir das so aber niemand gesagt, geschweige denn wie genau diese Regeln lauten, sodass ich natürlich schnell den Plan hegte, mir spannendere Tanzkleider zu nähen und hierzu von meiner damaligen Partnerin (und den Lehrern) ausnahmsweise auch mal bestärkt wurde. (Bevor sie anfing, mich zu hetzen, dass die ja bis zum nächsten Turnier fertig sein müssten.)

Also suchte ich Ewigkeiten nach passenden Ideen und Materialien und brachte schließlich Stunden damit zu, auf dem Boden rumzukriechen und Tüll zuzuschneiden. Nachdem ich den zusammengenäht hatte und beim nächsten Turnier beim Anblick der weiter fortgeschrittenen Tänzerinnen und ihrer Kleider erwähnte, dass mich das inspiriere und mir Ideen liefere, meinte meine Partnerin dann doch glatt, dass ich solche Kleider ja in unserer Kategorie gar nicht tragen dürfe. Ich war natürlich entsprechend geschockt und angepisst, dass ich nun Stoffe gekauft und stundenlang auf dem Boden rumgekrochen war für nichts und wieder nichts! Hätte man mir ja auch mal vorher sagen können, zumal die Lehrer auch von meinem Vorhaben wussten.

Aber im Nachhinein stellte sich also raus, dass es allerlei kuriose Regeln bezüglich der erlaubten Kleider gibt – kein Glitzer, Federn o.ä. Deko größer als 7x7cm, nur eine Lage Fransen von maximal 10cm Länge, aber beliebig viele Lagen Rüschen oder Volants, und außerdem muss es doch bitte gekauft und unverändert sein. Bitte was?! Ihr habt richtig gelesen, in den Regeln der Inter Varsity Dance Association steht doch tatsächlich drin, dass für die eingeschränkte Kleiderordnung nur Kleidung von der Stange und ohne persönliche Änderungen oder Schneiderarbeiten getragen werden darf! Ich dachte echt mich trifft der Schlag. Nicht nur nichts selbstgenähtes, nein, nicht mal die Seitennähte dürfte ich theoretisch einnehmen oder die Hosenbeine kürzen wenn die Stangenware (wie so oft) halt nicht 100% passt. Also mal ehrlich… was haben die denn davon? Verschafft es denn irgendwem einen tänzerischen Vorteil, wenn er ein Kleidungsstück passend gemacht hat, das sonst halt nicht so gut passen oder aussehen würde? Was interessiert es die denn, ob ich die wie immer zu weite Taille meiner Bluse eingenommen habe oder nicht? Juckt das echt irgendwen?

Zumal: wer weiß denn bitte, ob ich da nun was selbstgemachtes oder angepasstes trage oder nicht (wenn es nicht gerade so schlecht gemacht ist)? Kommt dann die Saumpolizei und verlangt, die Nahtzugaben zu sehen? Schließlich hatte ich bis dato auch mein selbstgemachtes blaues Infitinykleid getragen und es hat niemanden gestört, weil es die meisten eben auch nicht wussten. (Die Lehrer allerdings schon, und die haben mich auch hier nicht darauf hingewiesen, dass das ja eigentlich regelwidrig sei, und wie gesagt auch ermutigt, was zu nähen.) Das bekloppte Regelwerk hält allerdings auch hierfür in der Tat eine kuriose Forderung bereit und erklärt, dass man als Besitzer des Kleidungstück der Beweispflicht unterliegt und tatsächlich beweisen können muss, dass das Teil gekaufte Stangenware ist. Die haben doch wohl einen an der Klatsche! Glauben die denn ernsthaft, ich hebe für alle Kleider, die ich je gekauft habe, für alle Ewigkeiten die Kassenzettel auf, nur für den Fall, dass ich das Ding mal auf einem Turnier tragen und mir jemand quer kommen will?! Immerhin werden großzügigerweise auch Links zu Webseiten oder Broschüren akzeptiert, aber trotzdem… Wenn das Ding ausverkauft ist ist sowas doch auch nicht mehr so leicht zu finden.

Nichtsdestotrotz habe ich mich schlussendlich dafür entschieden, mir trotzdem neue, andere Kleider zu nähen. Die Lehrer meinten ebenfalls solange es nicht offensichtlich (schlampig?) selbstgenäht und ansonsten regelkonform sei sei das schon okay, und meine Meinung war ähnlich – schließlich hatte mich die Kleiderpolizei ja bisher auch noch nicht gefilzt und außerdem war das Infinitykleid nicht ideal, weil ich damit z.B. im Jive tatsächlich mal mit dem Absatz im Saum hängengeblieben war und mich fast auf die Nase gelegt hätte. Spaßeshalber(?) meinte ein Kumpel sogar notfalls er mache mir schnell eine entsprechende Webseite. Es ist schon schön, hilfsbereite Freunde zu haben.

Also musste ich wieder neuen Stoff kaufen und überlegen, was ich denn nun genau mache. Für das Lateinkleid fiel die Wahl schnell auf Volants für den Rock, nur die restliche Gestaltung bedurfte einiger genauerer Überlegungen. Außerdem musste ich mir die Nähmaschine einer Freundin ausleihen, da meine ja ärgerlicherweise keinen einzigen Stich tat. Nachdem das erledigt war und ich sicherheitshalber viel zu viel Stoff bestellt und vorgewaschen hatte hab ich also an einem Wochenende losgelegt und so ordentlich rangeklotzt, dass ich fast mit beiden Kleidern fertig geworden wäre. Das Standardkleid zeige ich euch aber wann anders.

Für Latein sollen die Röcke also oberhalb des Knies enden, und das macht – wie man an der Sache mit dem Absatz im Saum sieht – auch Sinn. Mein Kleid sollte also schon mal „kurz genug“ werden, und außerdem asymmetrisch. Im Prinzip habe ich mich wieder an meinem altbekannten T-Shirtschnitt bedient und diesen nach unten etwas verlängert und schräg abgeschnitten. An diese Kante kam dann ein Volant der entsprechenden Länge und ein enges Rockteil, das den Rock um die Volantlänge verlängerte, aber eben nicht ausgestellt ist. Nach diesem Prinzip habe ich dem Rock 3 Volantreihen verpasst, die ich zum Glück nicht versäumen musste, da der (leider nicht ganz optimale) Stoff nicht franste, sich aufrollte oder ähnliche Sperenzchen anstellte. Dafür knittert er dummerweise ziemlich.

Um das Kleid auch obenrum (fast im wahrsten Sinne des Wortes) etwas aufzurüschen habe ich unter dem Ausschnitt mehrere Reihen immer kürzer werdender gerüschter Volants angenäht. An die Armausschnitte kamen dann noch 3 Lagen rundliche, leicht gerüschte… ja was eigentlich? Ärmelklappen? So kommen sie mir jedenfalls vor, denn bei dem Stoff war diese Entscheidung auch nicht ganz ideal.

Sehr oft hatte ich aber leider eh nicht die Gelegenheit, die Kleider zu tragen, da meine Tanzpartnerin kurz darauf ihr Studium geschmissen hat (und meiner eh überdrüssig war, weil ich eben kein Mann bin, und mir daher ziemlich auf den Senkel ging) und ich dann erstmal gar keinen Partner mehr hatte. (Beziehungsweise nur für 1 Woche, bevor die dämlichen Lehrer den mir zugedachten glatt hinter meinem Rücken an jemand anderen vergeben haben!)

Im folgenden Jahr, man kann quasi sagen ich war blöd genug, es nochmal versuchen zu wollen, hatte ich dann zwar eine neue Partnerin, mit der ich mich auch gut verstand, aber da waren dann tatsächlich viele der Turniere, auf die wir gingen, „open dress“, sodass wir die Glitzerkleider tragen konnten. Außerdem hatte ich mir ja im Oktober so ordentlich in den Daumen gesäbelt, dass ich operiert werden musste und erstmal eine Weile außer Gefecht gesetzt war beziehungsweise nur Standard tanzen konnte, weil ich da den Arm ruhig halten kann, und mir den Rest des Geschehens von der Seitenlinie aus angucken musste. (Aber das musste ich ja eh meistens, weil die Lehrer uns ja mit Vorliebe ignorierten und wir ohne etwas beigebracht zu bekommen natürlich auch nicht wirklich voran kamen.)
Das wusste meine Partnerin aber auch gut einzusetzen, als bei einem Teammatch darum ging, kostümiert zu tanzen (das Thema war Christmas Pantomime, was auch immer das sein mag) und sie kurzerhand vorschlug, ich solle doch als Captain Hook gehen und sie als Peter Pan. Gesagt getan, sie bastelte mir aus Alufolie einen Haken und ich stellte den Bart, häkelte fix eine Augenklappe und brauchte ansonsten nicht mal shoppen gehen, weil ich die passenden Teile eh schon im Schrank hatte. Na ja, und die Haare halt auf dem Kopf.

Hab ich nicht einen schönen Bart? =D Damit habe ich die anwesenden, inbesondere die Teammitglieder, die mitgekriegt haben, wie ich mir die Haare um’s Kinn geschnallt habe, glaube ich ganz schön geschockt, weil den meisten anscheinend nicht bewusst war, wie lang sie sind. Da haben sich selbst die Richter amüsiert und gegenseitig drauf aufmerksam gemacht, als wir vorbeigetanzt sind. Nur genutzt hat’s natürlich wieder nichts, weitergekommen sind wir nicht und den Preis für’s beste Kostüm hat auch jemand anders gewonnen. (Ich glaube ein Aladdin, der sich komplett blau angemalt hat, und eine Dame, die sich ganz kreativ in ein fertiges Maskottchenkostüm nach Art Mickey Maus oder Riesenteddy in der Fußgängerzone gequetscht hat.) Aber der Haken hat einfach zu gut gepasst…


Übrigens: der Hand geht’s wieder bestens, hab jetzt halt nur meine persönliche „Blitznarbe“… auf der Hand.

 

 

No smoking within 7 metres of these doors!

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Schilder mit dieser oder ähnlicher Aufschrift hingen bei meiner Uni an jeder Außentür. Fazit nach 3 Jahren: Entweder haben rauchende Englänger keine Ahnung, wie viel 7 Meter sind, oder es ist ihnen Schnuppe. Ich jedenfalls musste nahezu jedes Mal beim Betreten oder Verlassen eines Gebäudes luftanhaltend durch eine Rauchwolke eilen, die wenn überhaupt maximal einen Meter von der Tür entfernt war. Nicht nur einqualmen, nein, auch noch den Weg blockieren, genial. Aber das ist ja in Deutschland auch nicht anders, nur dass da keine Schilder hängen.

Ich will keinen Hehl daraus machen, normalerweise herrscht in meiner Umgebung rauchfreie Zone sofern ich das beeinflussen kann. Mit Rauchen kann ich nichts anfangen und hätte auch kein Problem damit, wenn es komplett verboten würde, im Gegenteil. Ist schließlich auch nur eine gesundheitsschädliche Sucht, die die Taschen der Produzenten füllt und auch noch unbeteiligte beinflusst. Wenn mir nur jemand mit einer Kippe in der Hand auf der Straße entgegen kommt rieche ich das 50 Meter gegen den Wind und kriege meistens postwendend Hustenanfälle, bin ich gar längere Zeit dem ätzenden Qualm ausgesetzt komme ich aus dem röchelnden Husten noch Tage später nicht raus und habe mindestens eine Woche mit einer schmerzenden Lunge zu kämpfen. (In diesem Zusammenhang meinte übrigens die Mutter einer Freundin, die uns – vor dem Rauchverbot – mal von einem Konzert abholte, ich habe wohl schon ein paar Zigaretten zu viel in meinem Leben geraucht. Es war keine einzige, nicht mal ein Zug! So viel zum Thema Passivrauchen.)
Das geht sogar so weit, dass ich quasi ein menschlicher Rauchmelder bin. Einer meiner Mitbewohner in meiner ersten WG in England war besonders schlecht in der „Lebensmittelzubereitung“ und so kam es, dass ich eines Tages in meinem Zimmer im ersten Stock den Geruch von Rauch vernahm und mich fragte, ob Adam mal wieder versuchte was warmes zu Essen zu machen. Wohlgemerkt, die Küche lag im Erdgeschoss und Türen und Fenster waren verschlossen. Ungefähr 30 Sekunden später ging der Rauchmelder – in der Küche! – los. Meine Nase hat also selbst auf mehrere Meter und ein Stockwerk inklusive Türen und Fenster ein sensibles Gerät in knapp ein Meter hindernissfreier Entfernung zum Herd geschlagen. Ohne visuelle,  akustische oder andere Hilfsmittel oder Vorwarnungen.

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Um jedenfalls zum Thema zurück zu kommen, ich habe bezüglich des Smoken mal eine Ausnahme gemacht, und zwar eine unter Umweltaspekten betrachtete, gesundheitlich und geruchstechnisch gänzlich unbedenkliche (jedenfalls für mich): ich habe ein Nähwerk gesmokt. Okay, ich gebe zu, das hat nichts mit Rauchen zu tun, aber dieses Shirt hier wäre ja schließlich glatt ein passendes Exemplar aus diesem amüsanten Sammelsurium an Anti-Raucher-Sprüchen.

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Das Kleid, das ich mir kürzlich spontan genäht habe, finde ich dann aber doch hübscher. 😉 Inspiriert hat mich eigentlich dieses Exemplar, vermutlich vorrangig wegen des tollen Stoffs, aber so einen tollen Stoff hatte ich natürlich nicht. Und eigentlich wollte ich auch nicht bloß einen Gummizug in der Taille, auf solche überdimensioniert-schlabbrigen Ärmel war ich auch nicht scharf, und überhaupt… überhaupt ist eigentlich alles ganz anders. Aber so ist das wohl manchmal mit der Inspiration und dem, was letzten Endes daraus wird.

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Weil ich auch sonst keinen meiner gemusterten Jerseys passend fand – gesmokte Streifen müssen irgendwie nicht sein, oder? – hab ich schlussendlich zu dem roten Jersey gegriffen, aus dem auch schon mein erstes Infinitydress und der Cozy sind. Keine Ahnung, warum ich da so viel von habe und woher, aber sei’s drum, hübsch ist er ja, wenn auch, je nach Schnitt, etwas knitteranfällig. Aber bei den Kräuseln, die durch’s Smoken enstehen, fällt das glaube ich nicht weiter negativ auf.

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Gesmokt habe ich also auf gut Glück 9 Reihen im Taillenbereich. Danach war die zweite Unterfadenspule Gummifaden leer und ich hatte keine Lust, noch eine dritte aufzuwickeln. Etwas erstaunt über den Verbrauch hierbei war ich allerdings schon. Ansonsten ging das Smoken aber relativ problemlos – nach der Erkenntnis, dass meine Maschine von mir möchte, dass ich den Unterfaden nach jeder Reihe und dem folgenden Abschneiden wieder neu einfädele.

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Die kleinen Falten im Ausschnitt sind übrigens durchaus gewollt – nur irgendwie nicht so. Eigentlich hatte ich mir da schöne, größere, tiefere Falten vorgestellt, die ein bisschen das Brustteil hinunterragen, aber dafür habe ich ganz offensichtlich zu sparsam kalkuliert.

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Bei den Ärmeln sah das ursprünglich genau so aus, wenn nicht noch blöder, aber die hatten immerhin den Vorteil, dass ein neuer Zuschnitt nicht so viel Stoff verschwendete wie bei einem komplett neuen Frontteil. Viel besser hat es das allerdings auch nicht gemacht, und einen Tick zu lange finde ich sie im Nachhinein auch. Hätte ich nicht das Ausschnittdetail noch mal aufgreifen wollen hätte ich vermutlich eh Flatterärmel gemacht.

Beim nächsten Mal werde ich dann wohl auch den Taillentbereich großzügiger zuschneiden, denn während die 10 cm Zugabe um die Hüfte, die der Inspirationsquelle empfohlen werden, dort gut ausreichen finde ich es doch etwas schade, dass vom Smok in der Taille im angezogenen Zustand nicht mehr viele Kräusel überbleiben. Da empfiehlt es sich vielleicht tatsächlich, einfach gerade oder gar leicht ausgewölbte Stoffteile für den Korpus zu nehmen, damit auch getragen genug Smok übrig bleibt.

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Da ja jetzt offenbar schon der Herbst vor der Tür steht und die warmen Tage noch spärlicher gesäht sind werde ich das Kleid übrigens zu einem Sommerfest (Welch Ironie!) gestern voraussichtlich erstmal mit einem langärmligen Oberteil drunter oder Shrug drüber und Strumpfhosen getragen haben. (Wer sich über den kuriosen zeitlichen Satzbau wundert: das hier ist vorgebloggt, demnach kann ich Donnerstag noch nicht wissen, ob ich das Samstag wirklich so tragen werde.) Ein längeres Jäckchen drüber zu ziehen fände ich bei dem Smokteil gerade doch noch irgendwie schade.
Aber immerhin habe ich für die Fotos noch mal einen sonnigen, halbwegs warmen Tag erwischt. Eine neue Kamera habe ich übrigens immer noch nicht, irgendwie gibt es das, was ich suche, so nicht oder nur als teure Spiegelreflex außerhalb meines Budgets (Stichwort Fernbedienung). Dafür habe ich dran gedacht, dass mein Handy ja auch einen Selbstauslöser haben könnte, und siehe da… Die Qualität ist nicht die beste, aber besser als gar nichts. Einziges Problem: wie stellt man so ein Handy hin?

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Mit Hilfsmitteln. Sie sehen: eine verstaubte, eigentlich immer leere Vase aus dem Wohnzimmer und eine Untertasse aus dem Küchenschrank. Dazwischen „klemmte“ dann mein Handy, in beide Richtungen gegen das abrutschen geblockt, aber das konnte ich selbstredend so nicht in Aktion fotografieren. (Jetzt wo ich darüber nachdenke, ein Spiegel hätte es getan… aber ich schätze, das Terrain ist hier auch ohne schon kurios genug.)

Ingesamt habe ich, trotz Neuzuschnitt der Ärmel, für das Kleid etwa 90cm Jersey von 1,8m Breite verbraucht. Warum ich das hier extra erwähne? Weil meine Stoffbilanz, oder um genau zu sein mein gesamtes Stoffarchiv, leider trotz vielfacher Datensicherung beim kürzlichen Neu-Aufsetzen des PCs flöten gegangen ist. Einfach so.
Da habe ich Stunden reingesteckt, sämtliche Bestände abzutippen, Neuzugänge einzufügen und verbrauchtes möglich genau aufzuführen und rauszurechnen, habe extra ein Programm, dass Festplattensicherungen, Synchronisierungen & Co. macht und das mehrfach behauptet hat, alle Daten auf die externe Festplatte kopiert zu haben, und dann? Dann fehlt doch alles Mögliche! Ich hätte so kotzen können.  Ich meine, was soll denn das bitte? Entweder es ist alles als Kopie gesichert oder eben nicht, aber so kommt man sich doch ziemlich verarscht vor, oder?

Zum Glück ist das nicht mitten im Studium mit irgendwelchen wichtigen Daten passiert und zum Glück habe ich die Stoffbestände auch noch jeweils auf Zetteln an/in den Kisten selbst vermerkt, sonst müsste ich das jetzt auch noch alles wieder neu ausmessen. So muss ich es immerhin „nur“ neu abtippen, die paar noch nicht vermerkten neuen Stoffe ausmessen und mich ärgern, dass ich jetzt doch keine Stoffbilanz für das Jahr abgeben kann. Leider kann ich mich nämlich nur noch erinnern, dass die ganz gut aussah, aber eben nicht wie gut genau, und deshalb will ich jetzt sicherheitshalber lieber immer direkt dazuschreiben, wie viel ich wofür verbraucht habe. Doof ist das nur bei Dingen, die es aus diversen Gründen nicht zeitnah auf den Blog schaffen…  aber auch das Problem werde ich wohl in absehbarer Zeit erstmal nicht mehr haben.

Karteileichen #5 – Lila, der letzte Versuch

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Da ich euch den Rock von neulich leider immer noch nicht zeigen kann und hier nicht so lange Brach liegen lassen möchte finde ich, ist es heute mal wieder Zeit für eine Karteileiche, die ich schon vor einer ganzen Zeit fotografiert habe. (Deshalb auch an der Puppe und mit, wie ich gerade feststelle, leider erstaunlich mieser Fotoqualität. Es war doch hell, also ISO-Rauschen ist das nicht…?)

Ganz eindeutig ebenfalls dazu zählt das Kleid, das ich euch heute zeigen möchte. Damals stand meine ich außer meinem T-Shirt-Schnitt noch nicht viel und vor allem habe ich mich noch mit dem Drecksteil von der Singer-Nähmaschine rumgeschlagen, die den dünnen Jersey selbstverständlich überhaupt nicht mochte. (An dieser Stelle muss ich meiner Aussage bezüglich Jerseykämpfen wohl eine Ausnahme hinzufügen, aber das lag an der Maschine, nicht am Jersey.) Trotzdem hab ich sie (und mich) damit gequält und am Ende den Sieg errungen.

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Die Bauweise des Brustteils hab ich mir bei einem gekauften Top abgeguckt, das Prinzip ist eigentlich ganz einfach. Die Ausschnittkante ist gerade waagerecht, ich habe sie unsichtbar gesäumt, und wird erst durch das Band in der Mitte runtergerafft. Das wiederum ist nur um den Stoff gelegt und zusammen damit unter der Brust festgenäht.

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Ein Bisschen kniffliger wurde es dann schon beim Nackenträger. Hier habe ich zuerst die Länge festgelegt, die später um den Nacken führen sollte, und den Stoff in dem Bereich rechts auf rechts zusammengenäht. Nach dem Wenden hatte ich dann schon mal den schönen Trägerteil, nur wie die es beim Kauftop geschafft haben, den Rest jetzt auch noch ohne sichtbare Naht oder Nahtschatten an das Oberteil zu bringen ist mir ehrlich gesagt schleierhaft.

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Ich habe mich jedenfalls dafür entschieden, das Bündchen einfach doppelt gelegt ganz normal in einem Zug festzunähen. Nur der Übergang zum präsentablen Trägerteil war dann etwas schwierig, nichts mit „Innenschön“ hier…

Streifenkleid 4…. aber immerhin „Außenschön“, von da sieht man es nämlich nicht.

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Der Stoff hat übrigens sichtbar eine rechte und eine linke Seite: einmal sind die dicken Streifen heller und die dünnen dunkeler, auf der andere Seite ist es umgekehrt. Dieses Detail habe ich am Saum des Kleides aufgegriffen und die Rüsche so angenäht, dass man hier die andere Seite des Stoffes sieht.

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Nachteile des Kleides sind übrigens eindeutig, dass man jedes noch so kleine Speckpölsterchen sieht und die Farbe vielleicht nicht ganz so gut mit meinen rot gefärbten Haaren harmoniert. (Ja, ich glaube so alt ist das Kleid schon, dass es noch meine Naturhaarfarbe miterlebt hat.)

Karteileichen #3 – Klar zur Halse?

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Okay, ein Matrosenkleidchen oder ähnliches ist es nicht, aber etwas von Uniform hat es schon, und vor allem: Schiffsknöpfe! (Hab ich schon erwähnt, dass ich majestätische Segelschiffe unheimlich dekorativ finde?)
Während ich Weihnachtsgeschenke und ähnliches werkele, die noch nicht ihren Weg auf den Blog finden können, ist es jedenfalls finde ich mal wieder Zeit für eine Karteileiche. Leinen los!

Irgendwann beim Klamotten kaufen mit meiner Mutter, es ist schon Jahre her, habe ich jedenfalls mal ein zu allem Überfluss auch noch überteuertes Longshirt-Kleidchen-was-auch-immer gesehen, das an der Brust ganz neckisch gefaltet war. Leider war der Rest des Schnitts eine gnadenlose Katastrophe und die Farbe des viel zu großen Sacks erinnerte auch eher an volle Windeln verdauungsgestörter Kleinstmenschen. Aber die Falten…
Schon im Laden reifte jedenfalls schnell der Gedanke: sowas musst du nachnähen – aber bitte in schön!

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Daheim angekommen hab ich mir also bald einen grauen Jersey (Kennt ihr ihn noch?) sowie meinen altbewähren T-Shirt-Schnitt gegriffen und losgelegt.
Zugegeben, weil ich beim Brustteil eher munter drauf los gefaltet habe sind die Falten etwas weiter außen gelandet als es vielleicht – vor allem für die Knöpfe – gut wäre, aber es sieht finde ich trotzdem ganz hübsch und ziemlich adrett aus. Beim nächsten Mal weiß ich dann wenigstens auch, dass sie weiter zusammen müssen, und ehrlich: mir gefällt das Detail so gut, dass es eigentlich eine Schande ist, dass es nicht schon längst ein nächstes Mal gab.

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Neben den Falten befinden sich dann jedenfalls je 3 Knöpfe, die leider manchmal etwas traurig hinabbaumeln weil die Öse so lang ist. Das finde ich schade, aber kann man wohl nichts bei machen.

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Um den uniform-angehauchten Look noch zu vervollständigen gab es für das Kleid außerdem noch kleine Schulterklappen. Hier sieht man auch die wunderschönen Schiffsknöpfe nochmal besser.

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Das ist vielleicht ein Detail, das auf den ersten Blick nicht unbedingt auffällt, schon gar nicht Nicht-Nähenden, mir aber nach wie vor sehr gut gefällt. Irgendwie gibt es dem Kleid noch mal das letzte Schiff den letzten Schliff.
Hinten ist es übrigens ganz schlicht und schmucklos, die „Action“ geht hier eindeutig vorne ab. Ich denke ihr seht, dass es sich bei meinen Karteileichen nicht immer nur um „alte“ oder „langweilige“ Sachen dreht, sondern da auch echte Lieblingsstücke dabei sind, die ihren Platz in meinem Schrank schon lange hartnäckig verteidigen. Habt ihr solche Teile auch? Die schon lange rumliegen, es nie in irgendwelche Vorstellungsrunden geschafft haben, aber euch trotzdem am Herzen liegen und die ihr gerne tragt? Oder die womöglich gar nicht mehr passen oder schon so kaputtgeliebt sind, dass ihr sie nicht mehr tragen könnt oder wollt, aber es auch nicht über’s Herz bringt, sie wegzugeben oder zu entsorgen?

Karteileichen #2 – 3 zu 1

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Das nächste Teil aus dem Karteileichensammelsurium ist ein Kleid, das irgendwie eher durch Zufall als durch Planung entstanden und dafür sogar mal richtig gut geworden ist.

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Bei näherem Betrachten hat es sogar fast was von Farbverlauf, oder?

Ursprünglich war der graue Mittelteil mal ein Bettlaken ein Top, ich meine sogar eines meiner ersten Nähwerke, das um die Brust rum aber ziemlich schnell zu eng geworden war. Ganz wegschmeißen wollte ich es nicht, also schnitt ich kurzerhand den zu kleinen Brustteil ab und setzte einen neuen aus dem grau-gestreiften Jersey an, der zugleich auch erfrischend elastischer war.

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Zum Schluss kam dann ein Halbtellerrock, also quasi ein Rock aus zwei Tellervierteln, aus schwarzem Jersey dran, den ich nach dem Versäubern einfach mit einer weiteren Naht neben den schon vorhandenen Zwillingsnähten des ehemaligen Shirtsaumes festnähte. Das sieht dann so aus:

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Einfach, praktisch, gut – ich zieh’s gerne an.

die unendlichen Weiten des blauen Meeres

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So oder so ähnlich komme ich mir jedenfalls in meinem neuen Kleid vor – fehlt bloß die Abkühlung.

Äh, ja, sehr vorteilhaft fotografiert... blöder Selbstauslöser.

Äh, ja, sehr vorteilhaft fotografiert… blöder Selbstauslöser.

Das Infinity Dress heißt aber keinesfalls so, weil das Säumen sich ins unendliche zieht und gefühlte 20.000 Stecknadeln braucht (Stimmt allerdings auch!), sondern weil es unzählige Tragevarianten gibt.  Und dass ich auf sowas stehe hab ich ja bereits erwähnt.
Genau genommen kannte ich das auch als Convertible Dress bekannte Kleid schon länger als den Cozy und bin das erste Mal hier darauf gestoßen. Noch genauer genommen habe ich sogar bereits eins im Schrank, nämlich in rot – sogar aus dem gleichen leider recht knitteranfälligen Stoff wie der Cozy. (Langsam wird’s wirr, oder?) Schon damals hab ich eine Änderung vorgenommen: das Unterbrustband. In der herkömmlichen Variante verdeckt es nämlich keinen BH, was mir dann doch recht wichtig war, sodass ich es kurzerhand entsprechend verbreitert habe. Dabei geht dann aber auch der Ausschnitt flöten…

Nicht so bei dieser Version, denn hier habe ich eine entsprechende Aussparung eingebaut, sodass das Unterbrustband des BHs verdeckt wird, aber vorne noch etwas Ausschnitt sichtbar bleibt. Wenn man es nicht gerade trägerlos wickelt.

Säumen macht ja sooo viel Spaß!

Im Übrigen ist das Kleid nicht nur auf Grund der Wandelbarkeit klasse, sondern auch weil der Rock (natürlich, bei dem Umfang) herrlich luftig ist. Okay, Wind sollte man vielleicht vermeiden, logisch, aber sonst ist das ein prima Begleiter für den Sommer und aus dem richtigen, knitterarmen Stoff sogar für den Urlaubskoffer. Ein Teil, zig Looks, ade „Was pack ich nur ein?“.

Komplimente absahnen kann man damit übrigens auch bestens. 😉

Und das kommt dabei heraus, wenn man den schwingenden Rock fotografisch festhalten und sich 10 Sekunden auf der Stelle drehen will, bis der Selbstauslöser knipst...

Und das kommt dabei heraus, wenn man den schwingenden Rock fotografisch festhalten und sich 10 Sekunden mehr oder weniger auf der Stelle drehen will, bis der Selbstauslöser knipst… Dass ich nie Ballett getanzt habe brauche ich wohl nicht zu erwähnen?

P.S.: Damit wäre dann auch mit der neuste Stoff aus meinem Lager seiner angedachten Bestimmung zugeführt und, obgleich ich etwas großzügig eingekauft hatte (heißt: brauchbare Reste), freut sich die Stoffbilanz über ein Minus von etwa 1,65m x 1,60m. Gar nicht so viel für ein eigentlich so stoffintensives Kleid, was?