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she’s a maniac on the floor

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Das es vorletztes Jahr mit meiner Tanzpartnerin nicht so gut gelaufen ist hab ich euch ja schon erzählt. Was ich aber nicht erzählt habe ist die Sache mit den Kleidern. Auf den Fotos mit dem geborgten Tanzpartner (oder auch beim Rumalbern mit einer weiteren „Leihgabe“ dieses Jahr) seht ihr ja tolle Glitzerkleider, aber das sind die Teamkleider, die wir normalerweise nur zum Teammatch anziehen dürfen, also wenn wir am Ende des Tages in kleinen Gruppen gegen andere Uni-Teams antreten statt wie vorher jeder gegen jeden. Da dürfen wir nämlich bei den allermeisten Turnieren in meiner Kategorie „novice“ solche aufregenden Sachen nicht anziehen sondern müssen die schlichteren Regeln für „restricted dress“ einhalten. Dummerweise hatte mir das so aber niemand gesagt, geschweige denn wie genau diese Regeln lauten, sodass ich natürlich schnell den Plan hegte, mir spannendere Tanzkleider zu nähen und hierzu von meiner damaligen Partnerin (und den Lehrern) ausnahmsweise auch mal bestärkt wurde. (Bevor sie anfing, mich zu hetzen, dass die ja bis zum nächsten Turnier fertig sein müssten.)

Also suchte ich Ewigkeiten nach passenden Ideen und Materialien und brachte schließlich Stunden damit zu, auf dem Boden rumzukriechen und Tüll zuzuschneiden. Nachdem ich den zusammengenäht hatte und beim nächsten Turnier beim Anblick der weiter fortgeschrittenen Tänzerinnen und ihrer Kleider erwähnte, dass mich das inspiriere und mir Ideen liefere, meinte meine Partnerin dann doch glatt, dass ich solche Kleider ja in unserer Kategorie gar nicht tragen dürfe. Ich war natürlich entsprechend geschockt und angepisst, dass ich nun Stoffe gekauft und stundenlang auf dem Boden rumgekrochen war für nichts und wieder nichts! Hätte man mir ja auch mal vorher sagen können, zumal die Lehrer auch von meinem Vorhaben wussten.

Aber im Nachhinein stellte sich also raus, dass es allerlei kuriose Regeln bezüglich der erlaubten Kleider gibt – kein Glitzer, Federn o.ä. Deko größer als 7x7cm, nur eine Lage Fransen von maximal 10cm Länge, aber beliebig viele Lagen Rüschen oder Volants, und außerdem muss es doch bitte gekauft und unverändert sein. Bitte was?! Ihr habt richtig gelesen, in den Regeln der Inter Varsity Dance Association steht doch tatsächlich drin, dass für die eingeschränkte Kleiderordnung nur Kleidung von der Stange und ohne persönliche Änderungen oder Schneiderarbeiten getragen werden darf! Ich dachte echt mich trifft der Schlag. Nicht nur nichts selbstgenähtes, nein, nicht mal die Seitennähte dürfte ich theoretisch einnehmen oder die Hosenbeine kürzen wenn die Stangenware (wie so oft) halt nicht 100% passt. Also mal ehrlich… was haben die denn davon? Verschafft es denn irgendwem einen tänzerischen Vorteil, wenn er ein Kleidungsstück passend gemacht hat, das sonst halt nicht so gut passen oder aussehen würde? Was interessiert es die denn, ob ich die wie immer zu weite Taille meiner Bluse eingenommen habe oder nicht? Juckt das echt irgendwen?

Zumal: wer weiß denn bitte, ob ich da nun was selbstgemachtes oder angepasstes trage oder nicht (wenn es nicht gerade so schlecht gemacht ist)? Kommt dann die Saumpolizei und verlangt, die Nahtzugaben zu sehen? Schließlich hatte ich bis dato auch mein selbstgemachtes blaues Infitinykleid getragen und es hat niemanden gestört, weil es die meisten eben auch nicht wussten. (Die Lehrer allerdings schon, und die haben mich auch hier nicht darauf hingewiesen, dass das ja eigentlich regelwidrig sei, und wie gesagt auch ermutigt, was zu nähen.) Das bekloppte Regelwerk hält allerdings auch hierfür in der Tat eine kuriose Forderung bereit und erklärt, dass man als Besitzer des Kleidungstück der Beweispflicht unterliegt und tatsächlich beweisen können muss, dass das Teil gekaufte Stangenware ist. Die haben doch wohl einen an der Klatsche! Glauben die denn ernsthaft, ich hebe für alle Kleider, die ich je gekauft habe, für alle Ewigkeiten die Kassenzettel auf, nur für den Fall, dass ich das Ding mal auf einem Turnier tragen und mir jemand quer kommen will?! Immerhin werden großzügigerweise auch Links zu Webseiten oder Broschüren akzeptiert, aber trotzdem… Wenn das Ding ausverkauft ist ist sowas doch auch nicht mehr so leicht zu finden.

Nichtsdestotrotz habe ich mich schlussendlich dafür entschieden, mir trotzdem neue, andere Kleider zu nähen. Die Lehrer meinten ebenfalls solange es nicht offensichtlich (schlampig?) selbstgenäht und ansonsten regelkonform sei sei das schon okay, und meine Meinung war ähnlich – schließlich hatte mich die Kleiderpolizei ja bisher auch noch nicht gefilzt und außerdem war das Infinitykleid nicht ideal, weil ich damit z.B. im Jive tatsächlich mal mit dem Absatz im Saum hängengeblieben war und mich fast auf die Nase gelegt hätte. Spaßeshalber(?) meinte ein Kumpel sogar notfalls er mache mir schnell eine entsprechende Webseite. Es ist schon schön, hilfsbereite Freunde zu haben.

Also musste ich wieder neuen Stoff kaufen und überlegen, was ich denn nun genau mache. Für das Lateinkleid fiel die Wahl schnell auf Volants für den Rock, nur die restliche Gestaltung bedurfte einiger genauerer Überlegungen. Außerdem musste ich mir die Nähmaschine einer Freundin ausleihen, da meine ja ärgerlicherweise keinen einzigen Stich tat. Nachdem das erledigt war und ich sicherheitshalber viel zu viel Stoff bestellt und vorgewaschen hatte hab ich also an einem Wochenende losgelegt und so ordentlich rangeklotzt, dass ich fast mit beiden Kleidern fertig geworden wäre. Das Standardkleid zeige ich euch aber wann anders.

Für Latein sollen die Röcke also oberhalb des Knies enden, und das macht – wie man an der Sache mit dem Absatz im Saum sieht – auch Sinn. Mein Kleid sollte also schon mal „kurz genug“ werden, und außerdem asymmetrisch. Im Prinzip habe ich mich wieder an meinem altbekannten T-Shirtschnitt bedient und diesen nach unten etwas verlängert und schräg abgeschnitten. An diese Kante kam dann ein Volant der entsprechenden Länge und ein enges Rockteil, das den Rock um die Volantlänge verlängerte, aber eben nicht ausgestellt ist. Nach diesem Prinzip habe ich dem Rock 3 Volantreihen verpasst, die ich zum Glück nicht versäumen musste, da der (leider nicht ganz optimale) Stoff nicht franste, sich aufrollte oder ähnliche Sperenzchen anstellte. Dafür knittert er dummerweise ziemlich.

Um das Kleid auch obenrum (fast im wahrsten Sinne des Wortes) etwas aufzurüschen habe ich unter dem Ausschnitt mehrere Reihen immer kürzer werdender gerüschter Volants angenäht. An die Armausschnitte kamen dann noch 3 Lagen rundliche, leicht gerüschte… ja was eigentlich? Ärmelklappen? So kommen sie mir jedenfalls vor, denn bei dem Stoff war diese Entscheidung auch nicht ganz ideal.

Sehr oft hatte ich aber leider eh nicht die Gelegenheit, die Kleider zu tragen, da meine Tanzpartnerin kurz darauf ihr Studium geschmissen hat (und meiner eh überdrüssig war, weil ich eben kein Mann bin, und mir daher ziemlich auf den Senkel ging) und ich dann erstmal gar keinen Partner mehr hatte. (Beziehungsweise nur für 1 Woche, bevor die dämlichen Lehrer den mir zugedachten glatt hinter meinem Rücken an jemand anderen vergeben haben!)

Im folgenden Jahr, man kann quasi sagen ich war blöd genug, es nochmal versuchen zu wollen, hatte ich dann zwar eine neue Partnerin, mit der ich mich auch gut verstand, aber da waren dann tatsächlich viele der Turniere, auf die wir gingen, „open dress“, sodass wir die Glitzerkleider tragen konnten. Außerdem hatte ich mir ja im Oktober so ordentlich in den Daumen gesäbelt, dass ich operiert werden musste und erstmal eine Weile außer Gefecht gesetzt war beziehungsweise nur Standard tanzen konnte, weil ich da den Arm ruhig halten kann, und mir den Rest des Geschehens von der Seitenlinie aus angucken musste. (Aber das musste ich ja eh meistens, weil die Lehrer uns ja mit Vorliebe ignorierten und wir ohne etwas beigebracht zu bekommen natürlich auch nicht wirklich voran kamen.)
Das wusste meine Partnerin aber auch gut einzusetzen, als bei einem Teammatch darum ging, kostümiert zu tanzen (das Thema war Christmas Pantomime, was auch immer das sein mag) und sie kurzerhand vorschlug, ich solle doch als Captain Hook gehen und sie als Peter Pan. Gesagt getan, sie bastelte mir aus Alufolie einen Haken und ich stellte den Bart, häkelte fix eine Augenklappe und brauchte ansonsten nicht mal shoppen gehen, weil ich die passenden Teile eh schon im Schrank hatte. Na ja, und die Haare halt auf dem Kopf.

Hab ich nicht einen schönen Bart? =D Damit habe ich die anwesenden, inbesondere die Teammitglieder, die mitgekriegt haben, wie ich mir die Haare um’s Kinn geschnallt habe, glaube ich ganz schön geschockt, weil den meisten anscheinend nicht bewusst war, wie lang sie sind. Da haben sich selbst die Richter amüsiert und gegenseitig drauf aufmerksam gemacht, als wir vorbeigetanzt sind. Nur genutzt hat’s natürlich wieder nichts, weitergekommen sind wir nicht und den Preis für’s beste Kostüm hat auch jemand anders gewonnen. (Ich glaube ein Aladdin, der sich komplett blau angemalt hat, und eine Dame, die sich ganz kreativ in ein fertiges Maskottchenkostüm nach Art Mickey Maus oder Riesenteddy in der Fußgängerzone gequetscht hat.) Aber der Haken hat einfach zu gut gepasst…


Übrigens: der Hand geht’s wieder bestens, hab jetzt halt nur meine persönliche „Blitznarbe“… auf der Hand.

 

 

Corporate Identity

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Letztes Wochenende hatte ich quasi die volle Bandbreite an Programm.
Freitag Abend wurde ich zu einer angeblichen „Rocknacht“ in den örtlichen „Rockclub“ namens „Corporation“ (oder kurz „Corp“) gelockt. Die Schwester einer Freundin hatte Geburtstag und besagte Freundin wollte nicht nur mit Freunden ihrer Schwester losziehen. Nun denn…

Bereits im Vorfeld wurde ich gewarnt Schuhe anzuziehen, die mir egal sind bzw. um die ich mich nicht schere, da der Boden sehr klebrig sei. Hm, na ja. Ich weiß ja nicht, wie ihr das handhabt, aber wenn ich ins Ausland gehe und quasi nur einen Koffer mitnehmen kann, dann nehme ich nicht gerade Dinge mit, die ich nicht mag. Aber sei’s drum, ich dachte so schlimm könne es schon nicht werden, schließlich ist es ja quasi normal, dass Clubböden eher klebrig sind.
Wie sich herausstellte ist Corp aber kein Vergleich zu den Clubs, in denen ich bisher in Deutschland war – selbst zu denen, die man mir dort als eher schmuddelig anpries.
(Weil ich aber im Club keine Fotos gemacht habe und nicht einfach welche von Facebook klauen möchte streue ich an dieser Stelle zur optischen Auflockerung ein paar der Bilder aus der Nähe des Bahnhofs ein, die ich neulich erwähnt habe. Ist eh viel hübscher.)

Blick auf den Bahnhof

Das Problem beginnt wohl hauptsächlich damit, dass die Getränke recht günstig sind und in pfandlosen Plastikbechern oder maximal Blechdosen verkauft werden (Gläser wären sicher auch fatal). Will heißen: sobald der Becher mehr oder weniger leer ist landet er auf dem Boden, wo er von der Masse plattgetrampelt wird. Dementsprechend ist der Boden eigentlich im kompleten Club mit verschütteten Getränken bedeckt, denn entsprechend viel wird ja auch getrunken.
Hinzu kommt, dass meinem Empfinden (und der Sichtung der Facebookfotos) nach der Club trotz Ausweiskontrolle sehr stark mit Teenies und „jungen Leuten“ bevölkert war – und wenn ich das mit meinen 24 Jahren sage und mir regelrecht alt vorkomme will das wohl was heißen. Überhaupt: seit wann sind eigenlich Bauchfreitops wieder modern? Am besten in Kombi mit Leggins…?

Hatte ich mir jetzt von einer Rock- und Alternativenacht halbwegs gute Musik erhofft wurde ich leider auch eher enttäuscht. Zu Anfang lief wenigstens noch hauptsächlich etwas, das ich milde als erträglichen „Poprock“ (oder „Teenierock“) beschreiben würde und die Massen gröhlten zu (wie google mir verriet) Biffy Clyro und Sum 41, aber dazu mischten sich schnell Sachen, die eindeutig eher Techno oder HipHop und dergleichen waren, und immer wenn mal kurz 1 annehmbarer Song kam reihten sich danach direkt mehrere furchtbare ein, sodass es sich nicht lohnte, überhaupt auf der Tanzfläche zu bleiben.
Während ich mir vorher also noch wohlwollend dachte „Na ja, immerhin etwas besser als die Musik in ’normalen‘ Clubs…“ wandte sich das schnell zu „Das ist genau die Musik, wegen der ich in einen Rockclub statt in ’normale‘ gehe um sie zu vermeiden!“. Ich meine: Eminem geht doch nun wirklich beim besten Willen nicht mehr als Rock oder Alternative durch, oder?! Aber die Teenies auf der großen Tanzfläche fanden es offenbar gut und gröhlten weiter fleißig mit, sodass man zum Glück oftmals  kaum noch die Musik hören konnte, inbesondere wenn man weiter weg von der „DJ-Bühne“ war. Einzig eine (ältere) Freundin pflichtete mir bei, erklärte, dass das früher (vor ein paar Jahren) besser gewesen sei, und wir ja noch die kleine Tanzfläche im Nebenraum hätten, auf der ich (sie musste leider weiter zur nächsten Veranstaltung) mich dann auch etwas besser aufgehoben fühlte.

Letzteres sogar wortwörtlich, denn als ich – enthusiastisch darüber, nach 1 einsamen Stunde mal wieder ein bekanntes Gesicht zu sehen – über die Tanzfläche hüpfte hätte ich mir gewünscht, dass sie klebrig gewesen wäre. Stattdessen bestand aber leider Aquaplaninggefahr, ich schlitterte meiner Freundin fast über die Füße und legte mich volle Lotte auf der Tanzfläche lang.
Tat aber zum Glück nicht weh, ich konnte herzhaft drüber lachen und es waren sofort ein paar Hände zur Stelle, die mir unter die Arme griffen und aufhalfen. Bis auf eine aufdringliche Ausnahme schienen sich auf der anderen, kleineren Tanzfläche nämlich auch vorwiegend halbwegs erwachsene Menschen rumzutreiben und es wurde zumindest größtenteils bessere Musik gespielt. Mit dem Rumhüpfen zu einer Reihe Skasongs oder Rock’n’Roll war ich danach trotzdem etwas vorsichtiger…

Blick auf den Bahnhof 2

Schließlich war es aber doch meine Freundin B., die ich am Ende des Abends mit einem Haufen blutiger Taschentücher auf dem Schoß und einer noch blutigeren Nase in der Nähe des Ausgangs wiederfand, da sie anscheinend im „Moshpit“ (Keine Ahnung, wozu die Teenies da gemosht haben sollen! Aber wenn sie natürlich die ganze Zeit rücksichtslos mit den Armen rudernd durch die Gegend hüpfen wie in diesem Video bei z.B. 6:10… ) aus versehen eins auf die Nase bekommen hat – die ist übrigens gebrochen. Muss ich noch mehr sagen?

Insgesamt konnte Corp übrigens finde ich auch von den Räumlichkeiten selbst keinem der deutschen Clubs in denen ich bisher war das Wasser reichen. (Dabei hätte es zumindest Flüssigkeit eigentlich mehr als genug gegeben…) Es gab ein absolutes Minimum an Sitzgelegenheiten und sonst eigentlich nur Bar und Tanzfläche. Keinerlei Deko, nicht mal anständige Licht- oder Nebeleffekte, nichts. Nur einen Haufen gröhlender, mit den Armen rudernder, besoffener Teenies. Unter anderem deshalb ist auch das Wort, das mir am ehesten in den Sinn kommt um Corp zu beschreiben, „unzivilisiert“.
Aber hey: ich kenne jetzt immerhin ein paar Gründe, warum es – zumindest in Corp – tatsächlich Sinn macht immer mindestens zu zweit auf’s Klo zu gehen. Dann hat man nämlich jemanden der 1. die eigenen Sachen  und 2. die Klotür zuhalten kann. Ungelogen, ich habe bei meinen 4-5 Toilettenbesuchen keine einzige Klokabine gefunden, die noch einen Riegel oder ein anderweitig intaktes Schloss hatte. Keine einzige. Eine (vermutlich weniger frequentierte) hatte immerhin Klopapier und in 4 Waschbecken mit je 2 Wasserhähnen fand sich auch ein Hahn, der tatsächlich ein Rinnsal Wasser ausspuckte. Allerdings nicht genug, um die etwa 2,5 zentimeterhohe, geschlossene Flüssigkeitsschicht zu erklären, die mich um ca. 2 Uhr auf der Damentoilette erwartete. Da möchte man doch nun wirklich nicht weiter drüber nachdenken, oder? Ein Votum mehr für „unzivilisiert“… *grusel*

Um so weniger dürfte es vermutlich überraschen, dass ich nur zu gerne dem Kontrasprogramm zustimmte, das meine Freundin A. am nächsten Tag spontan vorschlug als sie mich fragte, ob ich Lust habe, Sonntag mit in den Peak District zu kommen. Das ist ein Nationalpark in der Nähe Sheffields, der etwa 1440km² Fläche misst, wovon allerdings (beides Wikipedia zufolge) nur 8% Waldgebiet ist.
Dort habe ich natürlich, trotz der Tatsache, dass ich nach wie vor nur die Kamera meines Handys zur Verfügung habe, einen Haufen Fotos gemacht, aber die zeige ich euch wann anders, denn 1. würde das jetzt ziemlich den Rahmen sprengen und 2. bin ich gerade fix und fertig, weil ich heute mit einem Kollegen auf dem Sheffield Festival of Science and Engineering einen Stand betrieben habe, an dem sich die Kinder vermutlich mehr für kostenlose Mitbringsel als für die Wissenschaft dahinter interessiert haben.

 

Schneeflöckchen, Eisdeckchen…

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Auch Schnee kann England.

Hinterhof im SchneeNur damit umgehen leider nicht.

jetzt geht's Berg abAuf dem ersten Viertel meines Weges zur Uni sieht es etwa so aus. Also, wenn etwas frischer Schnee liegt.

City CentreAber auch nach 2/3 sieht es mitten im Stadtzentrum nicht viel besser aus – nur etwas weniger hügelig. Man könnte auch das nonchalante Motto „Ach, tritt sich fest!“ anwenden.

Turm im SchneeNa ja, und die Town Hall sieht eigentlich sogar ganz nett aus. Wobei, das tut sie ohne Schnee auch. Aber mit wirkt sie finde ich noch etwas märchenhafter. Findet ihr nicht?

Town Hall im SchneeAls ich morgens aufgestanden war hatte es übrigens bei mir noch eher geregnet als geschneit, aber bis ich das Haus verließ hatte sich die Situation eindeutig zu Schneeflocken geändert. Auf dem Weg zur Uni wurden die dann auch immer größer und klumpten zu bis zu ca. 5cm großen Schneeflockenkomplexen zusammen, und als ich später im Labor mal aus dem Fenster sah schneite es gerade waagerecht.
Am Tag, an dem es schneite, war es in der Uni übrigens ziemlich leer, weil anscheinend viele im Verkehr stecken geblieben waren oder sich sicherheitshalber gar nicht erst raus getraut hatten. Andererseits, da in England offenbar nicht geräumt und nur in seltenen Einzelfällen gestreut wird braucht es mich wohl nicht wundern. Ich persönlich muss dennoch sagen: ich fand den Tag danach viel schlimmer. Was Abends nur noch Schneematsch gewesen war hatte so nämlich die ganze Nacht Zeit, gemütlich zu einer mehrere Zentimeter dicken, geschlossenen Eisschicht auf den Gehwegen und wenig befahreren Straßen zusammenzufrieren, und die war arschglatt.

EislaufbahnErschwerend hinzu kommt, dass Sheffield dummerweise auch noch ein einziges bergauf und bergab ist, dessen vielfach glatte Gehwegplatten schon bei Regen ordentlich rutschig sein können, weshalb ich den Frost schon seit meiner Ankunft etwas gefürchtet hatte, und ich sollte Recht behalten. Es war wie Schlittschuhlaufen, nur ohne Schnittschuhe. Na ja, und halt bergauf und bergab.

„In Einzelfällen gestreut“ heißt übrigens so viel wie „Der Fahrer des LKWs, der mitten in der Kurve am oberen Ende der Straße stand, kippte Splitt rund um seine Reifen um doch noch vorwärts zu kommen.“. Da kann ich wohl froh sein, dass es nicht schon vor oder um Weihnachten geschneit hat und auch im neuen Jahr nur ein paar Mal. Letzte Woche war sogar mal ein paar Tage lang richtig schönes Wetter, mit Sonnenschein und so, da konnte ich direkt endlich mal eine Gelegenheit nutzen und ein paar Fotos vom Bahnhof machen. Die zeige ich euch aber wann anders, denn vom Weihnachtsmarkt und der festlich beleuchteten Innenstadt habe ich auch noch ein paar Fotos, die hier denke ich auch ohne Schnee etwas besser reinpassen.

Weihnachtsmarkt3Der kleine Weihnachtsmarkt, der sich die „Fußgängerzone“ von der Town Hall bis zur Straßenbahnlinie hinunterzog bestand vornehmlich aus kleinen, beleuchteten Holzbuden, die allerlei Krims und Krams anboten – vorwiegend natürlich Essen. Neben Lammburgern mit Minzsoße und indischen Curries fand sich darunter auch ein von meinen Kommilitonen/Kollegen schon geradezu sehnsüchtig erwarteter deutscher Wurststand, der vor allem Bratwurst, Krakauer (so viel zum Thema Deutsch…) und Käsewurst verkaufte. Ob die Mitarbeiter tatsächlich Deutsch sprachen habe ich allerdings nicht ausprobiert, ich war nämlich zu sehr davon abgelenkt mir a.) ein richtiges Brötchen statt diesem weichen Pappzeug zu wünschen, in das die Wurst da gestopft wurde (man denke in etwa an nicht aufgebackene Aufbackbrötchen, nur noch weicher und geschmacksneutraler), und b.) meinen Freunden auf expliziten Wunsch wiederholt die korrekte Aussprache des Wortes „Käsewurst“ zu demonstrieren, damit sie voller Stolz eine selbige statt einer „cheesy sausage“ bestellen konnten. Aber irgendwie ist es ja auch süß, wenn sie einen bitten doch noch mal die „Umlauts“ aufzusagen…

Weihnachtsmarkt2Auch auf dem Weg von der Uni in den Kern der Innenstadt wurde übrigens schon schnörkelige Beleuchtung aufgefahren – mal was anderes als die Sterne, die man in Deutschland überall findet. Noch etwas, was ich bisher bewusst nur in Sheffield gesehen habe, ist übrigens diese grüne Police Box an der City Hall. Meine Dr. Who-Kenntnisse beschränken sich beschämenderweise auf etwa 2-3 Folgen, aber dennoch musste ich da sofort dran denken. Der Dr. Who-vernarrte und überhaupt allgemein sehr wissensreiche und gebildete R., der AirBnB-Gastgeber, bei dem ich ursprünglich untergekommen war, erklärte mir dann aber auch bei Gelegenheit, dass die Polizei früher in diesen Boxen unter anderem einkassierte Ganoven eingeschlossen hatte, wobei ein Licht auf dem Dach anzeigte, ob die Box besetzt sei, damit ein Gefangener nicht etwa aus Versehen wieder freigelassen – oder vergessen – wurde.

WeihnachtsmarktÜbrigens: mit Blick auf die multikulturelle Identität Großbrittaniens wünscht Sheffield nicht etwa nur frohe Weihnachten, nein, es werden auch Juden und Muslime mit Festtagswünschen in Leuchtbuchstaben bedacht. Genau genommen werden Eid und Chanukah sogar noch von passenden Symbolen begleitet, während dafür beim Weihnachtsfest wohl kein Platz mehr war. (Erinnert mich übrigens alles an das hier, was ich neulich mit dem netten Titel „die 4 großen Weltreligionen“ gesehen habe.)

Happy Holidays

Frusano jetzt bei dm

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Gestern rief mich meine Mutter ganz aufgeregt aus dem dm an: im Regal stehen Frusano-Produkte! Kurze Nachfrage bei der Mitarbeiterin ergab dann, das jetzt tatsächlich alle dm-Filialen eine Auswahl fruktosearmer Produkte von Frusano ins Sortiment aufnehmen, auch wenn vereinzelt noch nicht alle Produkte geliefert wurden – das Fach für die Schokolade war zum Beispiel noch leer.
Ist das nicht eine tolle Nachricht? Meine Wenigkeit wäre jedenfalls vermutlich vor Freude jubelnd durch den dm gehüpft, bis mich alle irr angeguckt hätten. Aber wenn endlich mal jemand Produkte für die häufigste, aber dennoch vom Markt vollkommen vernachlässigte Unverträglichkeit ins Programm nimmt und einfach verfügbar macht muss man sich doch wohl freuen, oder? Zumal vielleicht auch die Hoffnung besteht, dass die Produkte (und das Problem an sich) so bekannter, damit die Nachfrage höher und auf Dauer der Preis niedriger wird. Aber selbst wenn nicht, allein die Ersparnis der Versandkosten und –zeit finde ich schon super, und ganz nebenbei erwähnt war der Preis für den Johannisbeersirup, den meine Mutter mir mitgebracht hat, mit 4,25€ auch noch ohnehin günstiger als der Preis für eine Einzelflasche im Onlineshop.

Frusano
Um aber noch mal auf die Häufigkeit zurückzukommen: verschiedenen Quellen zufolge leiden in Deutschland/Europa ca. 30-40% der Bevölkerung an einer Fruktosemalabsorption. Laktoseintolerante gibt es mit 15-20% (Achtung, ungefragter Videostart – wie ich sowas hasse!) also nur halb so viele und den Vergleich mit Glutenintoleranten mit weniger als 1% braucht man wohl kaum noch ziehen. Schaut man sich in deutschen Lebensmittelmärkten um könnte man dennoch meinen die Verteilung sei genau andersrum, denn die Regale haben sich in den letzten Jahren immer mehr mit gluten- und laktosefreien Produkten gefüllt (was ich ja per se auch begrüßenswert finde). Mittlerweile findet man sie selbst bei Discountern und viele Firmen drucken ihren Produkten freiwillig einen entsprechenden Stempel oder Vermerk auf, selbst wenn sie von Natur aus immer allergenfrei sind, einfach weil es auch ohne Unverträglichkeit „in Mode“ gekommen zu sein scheint.
Auf zahlreichen Verpackungen finden sich mittlerweile freiwillig bzw. zu Werbezwecken ganze Listen mit Informationen wie „glutenfrei, laktosefrei, vegan, ohne Konservierungsstoffe, ohne Farbstoffe, für Diabetiker geeignet“ und so weiter und so fort, zusätzlich zu den vorgeschriebenen Allergiehinweisen auf Schalenfrüchte, Nüsse und Co.

Warum also gibt es kein entsprechendes Äquivalent, das die betroffenen 30-40% der Deutschen auf einen Blick vor Fruktose und Zucker warnt? Warum müssen 30-40% der Bevölkerung jede Packung rumdrehen, die Inhaltsangaben genauestens studieren um dann immer noch unsicher zu sein, ob sie vage Zutaten ohne Mengenangaben wie „Gemüse“ oder „Gewürz(extrakt)e“ vertragen? Und warum müssen sie ohnehin die große Mehrzahl der Produkte im Laden lassen, weil immer noch in die erdenklichsten Dinge Zucker reingepanscht wird? Ist denn Zucker in herzhaftem Aufschnitt wirklich unabdingbar? Ich glaube kaum.

Selbst wenn vielleicht zu viele der Betroffenen gar nicht wissen, was sie da genau plagt, da hinlänglich bekannt ist, dass Zucker nicht zu den gesündesten Lebensmitteln gehört, warum scheinen 30-40% der Bevölkerung und eine entsprechende Lebensmittelkennzeichnung Behörden und Verbraucherschützern egal zu sein? Es gibt doch schließlich auch unzählige Diät- und Diabetikerprodukte und entsprechende Hinweise, aber selbst wenn auf einer Packung „zuckerfrei“ draufsteht müssen bei Fruktosemalabsorbern die Alarmglocken schrillen, weil das oft bedeutet, dass stattdessen genau so unverträgliche Zuckeralkohole wie Sorbit oder Maltitol enthalten sind oder beispielsweise mit der Fruktosebombe Honig gesüßt wurde.

Während es also für deutlich kleinere Personengruppen an jeder Ecke ganze Regale voll geeigneter Produkte gibt und Diabetiker aus 10-15 Sorten mit Fruktose gesüßter Schokolade für 1,20€ auswählen können gehen 30-40% in den meisten Produktkategorien leer aus. Oder können jetzt 3,70€ für eine 85g-Tafel Schokolade zahlen, wobei sie mit etwas Glück 3 Sorten zur Auswahl haben. Versteht mich nicht falsch, ich bin wirklich froh, dass es immerhin diese Möglichkeit gibt und die Produkte jetzt bei dm einfach zu erwerben sind und hoffentlich bekannter werden, aber ich kann nicht ganz nachvollziehen, warum das Angebot und der Bekanntheitsgrad ausgerechnet für die häufigste Unverträglichkeit so verschwindend gering sind.

Ich würde mir jedenfalls wünschen, dass Industrie, Behörden und Verbraucherschützer da nachrüsten und auf die Bedürfnisse immerhin gut eines Drittels der Bevölkerung eingehen. Ich erwarte ja nicht, dass jemand fruktosearme Obst- und Gemüsesorten entwickelt, aber ein paar mehr herkömmliche Produkte in fruktosearm und eine bessere Kennzeichnung aller Lebensmittel dahingehend wären schon nicht verkehrt. Allein ein entsprechender Vermerk auf der Packung könnte die Dauer einer gewöhnliche Einkaufstour eines Malabsorbers jedenfalls signifikant verkürzen und auch Außenstehenden, die ihnen eine Freude machen oder für sie kochen wollen, die Auswahl erleichtern.

Nichts desto trotz, einen Schritt nach dem anderen, also freue ich mich erstmal, dass dm abseits der Reformhäuser (die bei uns auch nichts vorrätig haben) hier eine Pionierstellung einnimmt und hoffe, dass die Verkaufszahlen dem Recht geben werden. Danke, dm!

Augen auf beim Stoffkauf

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Das kommt wohl davon, wenn man der Verkäuferin beim Zuschneiden mal nicht auf die Finger guckt:

KarstadtKiel

Bestellt und bezahlt habe ich übrigens einen Meter, bekommen aber wie ihr seht nicht mal 90cm. Leider habe ich die „Zahlenschwäche“ der Verkäuferin erst daheim bemerkt, sonst hätte ich der sicher was erzählt…
Herzlichen Dank auch, Karstadt Kiel! Läge mein nächster Besuch in Kiel nicht ohnehin noch ungeplant in weiter Ferne würde ich ja sagen: ihr seht mich so schnell nicht wieder.

Ein paar Zahlen zu viel hab ich hingegen neulich bei dem grauen Jerseycoupon vom Expo-Stoffmarkt entdeckt.

here's my number baby
Kaum minder ärgerlich, aber den hab ich wenigstens selbst schlampig ausgesucht, außerdem war günstiger und die betroffene Fläche ist deutlich kleiner als die oben unterschlagene. Wer rechnet auch schon mit sowas?

Oder soll das etwa die Rache der Stoffbilanz-Götter sein? Hey, die sind doch gar nicht für mich! Außerdem hab ich trotz der Käufe für Geschenke & Co. eine positive Abbaubilanz. Also, positiv im Sinne von negativ, die Massen sind nichtsdestotrotz weniger geworden. Kann ja wohl nicht angehen hier…

Ich habe gesündigt

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… denn gestern war ich auf dem deutsch-holländischen Tuch- und Stoffmarkt von Expo Concept in Darmstadt. Davon hatte ich nur zufällig durch einen Kumpel erfahren, aber da ich tatsächlich noch ein paar Stoffe für Weihnachtsgeschenke brauchte (Brauchte!) sind wir zusammen hingefahren. Trotz der Unmengen von Stoffen in meinem Fundus und dem eigentlichen Enthaltsamkeitsgedanken hatte ich nämlich genau solche Stoffe, wie ich sie für die Geschenke brauche, natürlich nicht.

Stoffmarkt

Bisher war ich ja immer nur auf dem Stoffmarkt Holland in Mannheim gewesen, der gestern auch in Frankfurt gastierte, aber da dessen Herbsttermin in Mannheim quasi immer auf das Wochenende nach dem Geburtstag meiner Cousine fällt beschränkten sich meine Stoffmarktbesuche bis dato auf Frühjahr/Sommer. An besagten Herbstterminen war ich dann nämlich meistens mit Futtern beschäftigt. Dieses Jahr bot sich dieser Alternativtermin also insofern geradezu an und außerdem war ich ehrlich gesagt auch neugierig, wie die verschiedenen Märkte wohl zu vergleichen seien.

Leider hatte ich meinen Fotoapparat nicht dabei (und hatte womöglich auch vor lauter Stoffe gucken und angrabbeln und zu Ständen vorkämpfen gar nicht den Nerv gehabt, noch Fotos zu machen), deshalb kann ich leider nicht mit atmosphärischen Großkampffotos dienen sondern setze zu einem langatmigen Vergleichstext an und schiebe die Fotos meiner Beute zwischenrein. Sorry Leute!

Stoffmarkt 2
Zuerst fallen da direkt die Unterschiede der Austragungsorte auf, die natürlich primär den verschiedenen Städten beziehungsweise Standorten geschuldet sind und vermutlich auch bei den jeweiligen Terminen des gleichen Marktes in anderen Städten anders ausfallen können. Während der Stoffmarkt Holland in Mannheim auf dem neuen Messplatz (anscheinend nur im Frühjahr, im Herbst ist er wohl auf dem Marktplatz) ein geordnetes Areal mit angrenzendem großen, kostenlosen Parkplatz hat befand sich der Expo-Markt in Darmstadt auf dem Friedensplatz quasi mitten in der Stadt. Parken ist in Innenstädten ja bekanntermaßen eher schwierig und so haben wir sicherheitshalber gleich auf dem berühmt-berüchtigten „Parkplatz“ in der Hügelstraße geparkt und einen etwa 10-minütigen Fußmarsch eingelegt.
Wenn man nun bedenkt, dass Stoffe gerne mal schwer sind und man bei einem größeren Einkauf ganz schön was zu schleppen haben kann ist ein Parkplatz direkt neben dem Markt natürlich viel praktischer. In Mannheim habe ich so gerne mal zwischendrin schon ein paar Tüten in den Kofferraum geladen oder einfach eine kleine Stärkung eingeworfen. Das fiel natürlich in Darmstadt gestern weg und ich musste Tüten und Verpflegung die ganze Zeit mit mir rumtragen. (So kann man seinen Kaufrausch natürlich auch zügeln…)

Stoffmarkt 6
Ebenfalls auffällig war beim Expo-Markt, dass er im Vergleich viel unübersichtlicher aufgebaut war. Beim Stoffmarkt Hollanden waren die Stände in parallelen Reihen aufgebaut und man konnte dementsprechend gut und gemütlich alles abgrasen. In Darmstadt hingegen herrschten, der Location wegen, beinahe labyrinthische Verhältnisse und ich hielt den Markt erst für viel kleiner als den in Mannheim, da man einfach auf den ersten Blick nur wenig davon sah und sich viele Stände erst nach und nach offenbarten während man sich durch die kreuz und quer gestreuten „Gassen“ kämpfte. Im Nachhinein kann ich gar nicht sagen, welcher Markt mehr Stände zu bieten hatte, da der in Darmstadt einfach so unübersichtlich war, dass ich die eigentlich Größe und tatsächliche Verkaufsfläche vor lauter Hindernissen gar nicht einschätzen kann. Er war zwar schön, aber irgendwie schlecht zu über- oder durchschauen und da es keine natürliche oder sinnvolle Laufroute gab musste man schon ein Bisschen aufpassen, dass man am Ende auch wirklich alles gesehen und nichts vergessen hatte, während an manchen Ständen doch automatisch mehrfach vorbeikam.

Stoffmarkt 4
Das Angebot der Märkte ist in vielen Punkten quasi gleich, es gibt Polsterstoffe, Markenstoffe, Patchworkstoffe, Jerseys, Baumwolle, Jeans, Cord, Kinderstoffe, Wachstuch und so weiter und so fort, sowie natürlich Kurzwaren und das eine oder andere Bastelzeug. Was ich jedoch gestern in Darmstadt gar nicht bewusst gesehen habe waren Satin und sowas wie Chinajaquard, wobei ich natürlich nicht weiß, ob es das vielleicht auch in Mannheim nur saisonal auf den Frühjahrsterminen gibt oder ich es auch einfach nur übersehen habe.

Stoffmarkt 7
Dafür ist mir in Darmstadt eine höhere Zahl an Ständen mit fertigen Produkten auch abseits des Näh- und DIY-Milieus aufgefallen, zum Beispiel gab es gleich mehrere Stände mit Taschen, Lederwaren, Schals, Schmuck oder anderen Accessoires, während es in Mannheim nur vereinzelt Stände gab, die zusätzlich zu ihren Stoffen auch einige fertige Nähwerke verkauften. Das mag zwar schön sein, aber ehrlich gesagt fand ich diese für mich eher irrelevanten Stände inmitten der Stoffe nicht nur etwas willkürlich verteilt, sondern teils auch irritierend oder ablenkend, es hätte mir wohl besser gefallen, wenn solche Stände gesammelt an einem Ende des Marktes zu finden gewesen wären.

Stoffmarkt 5

Vielleicht war ich einfach ein Bisschen übersättigt von den Massen an Stoffen, die sich schon in meinem Besitz befinden, aber diesmal war glücklicherweise auch gar nicht so viel dabei, was unbedingt mit nach Hause kommen wollte. Obwohl – oder gerade weil? – ich vielfach den Eindruck hatte, die Stoffe schon zu kennen. Punkte, Sterne, Eulen, Karos, … im Vergleich zu meinem letzten Besuch in Mannheim scheint sich an den „Stofftrends“ nicht viel geändert zu haben, wobei ich da durchaus noch den einen oder anderen Obstprint gesehen hatte, den ich in Darmstadt nicht entdecken konnte. Tatsächlich wurde ich erst an zwei der letzten Stände unserer Route fündig, vorher hatte ich insbesondere die Jerseycoupons irgendwie vermisst.
Außerdem meine ich mich erinnern zu können, dass viele Stoffe auf dem Stoffmarkt Holland günstiger waren als auf dem Expo-Markt. Dort schien es mir als gebe es kaum etwas, das weniger als 10€ pro Meter kostete, selbst bei den einfachen Baumwollstoffen, die ich vom Stoffmarkt Holland mit 6-8€ in Erinnerung habe.

Stoffmarkt 8
Trotzdem bin ich wie gesagt fündig geworden und kann stolz berichten, dass ich tatsächlich gleichzeitig asketisch meinem Vorsatz treu geblieben bin und nichts für mich mitgenommen habe. Na gut, ein paar Steckschließen für eine Tasche hab ich doch gekauft, aber das ist ja kein Stoff, also zählt das ja quasi nicht, oder?

Hier also ein Gesamtbild meiner Ausbeute für diverse Geschenke plus besagte Steckschließen:

Stoffmarkt 3
Jerseys in Braun, Grau, Braun mit beigem Paisleymuster, Blau mit barocken Schnörkeln, Grau mit Schnörkelrauten in Offwhite und ein toller mit Waben und Rauten in verschiedenen Rottönen. Na ja, und die Steckschließen natürlich.

Besonder der Rote hat es mir angetan, im Nachhinein bereue ich es ein Bisschen, nur genug für einen Schal für meine Mutter mitgenommen zu haben.

Stoffmarkt 9
Wie schon beim letzten Mal bekam ich übrigens auch wieder den einen oder anderen amüsanten Wortwechsel mit, so zum Beispiel, als ein kleines Mädchen ihren Opa fragte, wie viel ein Stoffcoupon koste. Er antwortete 6€ und die Kleine entgegnete unschuldig: „Ich habe 2… dann fehlen mir noch 4.“ (Natürlich wäre es jetzt böswillige Unterstellung zu mutmaßen, dass sie ihren Opa damit unauffällig um einen Zuschuss bitten wollte.)
Oder die zwei Mädels im Alter von etwa 10-12 Jahren, von denen die eine die andere ermahnte: „Jetzt komm endlich, wir sind hier um Stoffe zu kaufen, nicht um schönen Röcken nachzugucken!“

Stoffmarkt 10
Außerdem gut war, als Djendja, kaum von den weichen Kunstfellen, an denen er sicher 10 Minuten hing, losgeeist, an einem Perlenstand hängen blieb und der Verkäuferin auf Nachfrage, wofür er die denn brauche, erklärte er suche etwas für’s LARP und sie nur mit einem Kopfnicken antwortete: „Ach, davon hab ich schon gehört, aber mein Sohn kennt sich da aus.“ Leider hatte der sehr gutaussehende junge Herr Kundschaft und konnte nicht mehr als ein wohlwollendes Nicken und Lächeln in unsere Richtung erübrigen, dabei hatte es durchaus den Anschein, er hätte sich gern zu einem Schwätzchen hinreißen lassen. (Hübsche junge Männer und Stoff… was will man mehr?)

Dafür habe ich aber eine nette Geste mitbekommen, über die ich etwas schmunzeln musste: ein junges Mädchen kaufte im Beisein ihrer Mutter einen Meter der 8€-Stoffe und wollte bezahlen, da sagte die Verkäuferin doch glatt mit einem Grinsen: „7,20€ bitte, bei mir gibt’s nämlich Teenie-Rabatt.“ *kicher*
Als wir schon am Gehen waren sahen wir außerdem einen Mann, der einer betagten alten Dame hinterherlief um ihr einen 20€-Schein in die faltigen Hände zu drücken und dachten erst, sie habe Geld vergessen, da bat er sie, ihr die Stoffe schenken zu dürfen – was sie wiederum kaum annehmen wollte mit der Begründung „Aber Sie müssen doch auch von was leben!“

Was ein Glück…

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… habe ich neulich gleich mehrere Teile fotografiert. Als ich nämlich gestern die Speicherkarte einlegte um meine neusten Werke abzuknipsen blinkte auf dem Display nur kurz „Karte gesch.“ auf und der Auslöser funktionierte nicht.
Ich grübelte also, ob die sehr günstig gewählte Abkürzung wohl für „geschützt“ stehen sollte und betrachtete mir die Karte genauer um zu ergründen, ob die Dinger eigentlich einen Sperrschalter haben wie die alten Disketten. (Erinnert ihr euch noch?)

Karte
Bei der Gelegenheit fiel mir also auf, dass da irgendwie ein paar mehr Ecken fehlen als gewöhnlich…
Also wohl eher „geschädigt“. Na prima.Sowas hab ich jedenfalls auch noch nicht gesehen. Ihr vielleicht?

Karte2
Den Blick ins Innere der Speicherkarte finde ich zwar eigentlich interessant, aber lieber wär’s mir natürlich trotzdem, wenn sie noch das täte, wozu sie eigentlich da ist: speichern. Jetzt muss ich jedenfalls erstmal auf den bestellten Ersatz warten, denn mit dem 16MB(!)-Teil, das noch in den Tiefen des Kamerakartons zu finden war und mit dessen Hilfe diese Fotos aufgenommen wurden, kommt man natürlich nicht weit.

Karteileichen #1- Fledermäuse am Abendhimmel

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Neulich ist mir mal wieder aufgefallen, dass es doch einige Teile gibt, die ich hier noch nicht vorgestellt habe. Größtenteils liegt das natürlich daran, dass sie vor Entstehung dieses Blogs entstanden sind, aber das heißt ja nicht automatisch, dass sie nicht vorzeigbar sind. Schließlich hab ich auch schon den einen oder anderen Schmarrn hier gezeigt. Deshalb hab ich mir jetzt vorgenommen, diese Karteileichen langsam aber sicher ans Licht zu bringen und hier sporadisch vorzustellen.

Fledermauspulli

Inklusive fescher Schlafanzughose. Hier treffen die Spezies der nachtaktiven Flügelträger aufeinander: Fledermäuse und Eulen.

Den Anfang macht hierbei ein dünner Pulli aus Jersey, ich entsinne mich es sei mal ein Bettlaken gewesen, den ich mit einem aus Moosgummi gebastelten Stempel selbst großflächig mit Fledermäusen bedruckt habe.

Fledermauspulli2 Mit von der Partie ist auch eine Kängurutasche, die dem Foto zufolge ihren Weg auf den Pullibauch nur etwas schief gefunden hat.

Fledermauspulli3
Der Kragen sollte eigentlich offen und geschlossen tragbar sein und mit Satinbändern zugebunden werden, da er aber mal wieder nach dem „Marke Eigenbau“- und „wird schon werden“-Prinzip entstanden ist sieht er irgendwie nicht ganz so toll aus. Weder geöffnet noch geschlossen.

Fledermauspulli5
Irgendwie ist er zu weit und die Schleifenbänder zu weit unten, von den langen Bandenden mal abgesehen, sodass sie in getragenem Zustand zu nah zusammenrücken. Die zündende Idee wie das noch retten könnte blieb bisher jedenfalls aus.

Fledermauspulli4
So viel also für heute zu den Altlasten. Was das Wort „Karteileichen“ oder „Leichen“ hingegen mit den Suchbegriffen, die Leute auf meinen Blog führen, machen wird möchte ich mir lieber nicht ausmalen. Wobei, die Liste der Absurditäten ist – trotz spärlicher Seitenaufrufe 😉 – lang und den Vogel hab ich wohl mit den literarischen Akten zu Projekt 12/12 eh schon abgeschossen. Oder wie soll ich mir sonst erklären, dass Leute mit skurilen Suchbegriffen wie „oma akt foto“, „akt streifen“, „reißverschluss akt foto“ oder „akt fotos privat“ hier landen?! Ich weiß ja nicht, wann ich meine Oma überhaupt mal erwähnt haben soll, aber Suchbegriffe wie die vorigen oder „oma probiert mieder an“ verstören mich zugegebenermaßen im Zusammenhang mit meinem Blog schon etwas… Und wer bitte hat hier eine „exhibitionistische Tochter“ gesucht?! Das zeichnet ja eine interessante Familie… scheint wohl genetisch bedingt zu sein?

Wiederum auch etwas überraschende, aber immerhin amüsantere und teils nicht minder skurile Suchbegriffe waren übrigens „brennt Traubenzucker“ (Wer da wohl die Küche abfackeln möchte?), „erst den knebel dann die kapuze“, „schlangenlinienförmig geometrische Formen“, „ruby stiche in die mitte nach jeder farbe“ (Äh, was?), „knie begradigen durch schiene“ (Wann soll ich denn über sowas geschrieben haben?), „wie lange brauche ich um klappläden zu streichen“, „handsäge für zinke“ (Ich kenn nur Zink und Zinken, aber wem soll hier die Nase abgesägt werden?), „bauteile für grosse bahn koffer knax“, „bügeleisenabdruck teppich lustiger tipp“ und „gasbrennofen selber bauen“ (Da hat das mit dem Traubenzucker wohl nicht funktioniert, was?). Bei „Warum keine holländischen Tomaten?“ sehe ich ja immerhin noch den, wenn auch falsch kombinierten, Zusammenhang zum holländischen Stoffmarkt, aber beim Rest? „nähprojekte schief gegangen“ ist dagegen ja noch ein geradezu sympathischer Suchbegriff, der der Wahrheit leider nicht immer entbehrt…