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Letztes Jahr im Oktober fand ich mich recht kurzfristig daheim wieder um meinen Pass im aufpreispflichtigen Expressverfahren zu verlängern. Nicht, dass ich mich über einen Heimatbesuch beschweren würde, aber wenn man Anfang Dezember nach Brasilien muss sollte es doch wohl eigentlich reichen, wenn der Pass noch bis folgenden März gültig ist, oder? Oder ist es so wahrscheinlich, dass man bei einem für 9 Tage angesetzten Trip plötzlich für über 4 Monate im Reiseland festsitzt?

wickelshrug

Wie dem auch sei, daheim hatte ich wieder Zugang zu meiner treuen Nähmaschine und meinen überbordenden Stoffvorräten und habe spontan was schnelles gewerkelt, nämlich einen Wickelshrug. Gesehen hatte ich das, wie sollte es anders sein, bei Pinterest, und die „Anleitung“ ist natürlich denkbar einfach. Wenn man denn den Maßen traut. Es ist vermerkt, dass man die Maße doch bitte unbedingt an die eigenen Körpermaße anpassen soll – aber leider wird mit keinem Wort erwähnt, wie genau oder gar nützliche Referenz- oder Toleranzwerte gegeben.

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Also habe ich auf gut Glück losgewerkelt, das ging ja schnell, und den dicken, roten Polojersey vernäht, den ich beim roten Faltenrock schon mal erwähnt hatte. Was auf den Anleitungsfotos noch charmant oversized aussah wirkte dann an mir und aus diesem Stoff aber irgendwie doch nicht so gut und hat mich nicht ganz überzeugt, weil es einfach nur beulte und ständig von den Schultern rutschte. So viel zum Thema wärmend, ne? Hätte ich das Teil mal kürzer gemacht…

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Bis vor kurzem lag es dann dementsprechend ungetragen im Schrank, bis ich es voller guten Willens, ihm noch eine Chance zu geben und etwas rumzuprobieren, mal wieder rausgezogen habe. Und siehe da, mit etwas Zuppeln und Zoppeln fand ich mich plötzlich in einer schräg über dem Bauch endenden Variante wieder, die ich eigentlich sogar ziemlich cool fand (und beim nächsten Tragen prompt genau so nicht mehr hinbekommen habe). Dazu habe ich die beulende Oberkante einfach etwas nach außen umgeschlagen.

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Ein Problem war auch, dass die Wickelung irgendwie auf einer Seite unter dem Arm durch musste um vorne halbwegs gut zu sitzen, was eben auch dazu führte, dass es dann oben beulte und vor allem von hinten aussieht wie Kraut und Rüben. Vielleicht bestünde das Problem aber bei einem weicher fallenden Stoff gar nicht. Jetzt, wo ich mir die Fotos der Anleitung nochmal ansehe, kommt mir allerdings auch der Gedanke, es mal mit einer anderen Anziehtechnik zu probieren und zuerst beide Arme in die Ärmel zu stecken und dann den Rest z.B. um den Hals zu schlingen um diesen Wasserfalleffekt wie bei der Anleitung zu kreieren, statt wie bisher einen Arm anzuziehen, dann um den Körper zu wickeln und den anderen Arm einzustecken.

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Bis auf die Rückansicht, an der ich immer etwas zuppeln muss, und die Tatsache, dass die Ärmel besonders bei Bewegung öfter mal von den Schultern rutschen bin ich jetzt aber doch ganz zufrieden mit der Tragevariante. Das mit dem von der Schulter rutschen lässt sich bei näherer Betrachtung vermutlich auch gar nicht vermeiden wenn das Ding quasi keine Schulter oder zusätzlichen Stoff rund um die Achsel vorgesehen hat… Man sieht ja auch, die Ärmelnaht verzieht sich dadurch etwas nach vorne.

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Aber mit einem Augenzwinkern kann man das doch tragen, oder?

shrug

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V wie verdammt

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Mein neustes Projekt stand irgendwie (mal wieder) unter keinem guten Stern. Ganz grob hatte ich mir dieses Muster ausgeguckt um einen Shrug zu häkeln. Wolle und Nadeln auch vorhanden, so weit, so gut, also Luftmaschen angeschlagen und losgehäkelt.
Hm. Mit festen Maschen (aka single crochet) gab es mir da zu wenig Fortschritt, also bin ich schnell auf Stäbchen (double crochet) umgestiegen. Am Ende der 1. Reihe stellte ich dann aber fest, dass ich mal wieder schon jetzt viel zu wenig Maschen hatte.
Wie kommt’s? Nun, ich bin es gewohnt, anders in die Luftmaschen einzustechen, als es anscheinend (ich habe es extra gegoogelt) gedacht ist, nämlich so, dass wenn man von oben auf die Masche guckt nur der hintere/untere Strang unter der Nadel liegt – eben so, wie man es bei weiteren Reihen auch macht. Dann kann ich auch prima Maschen erkennen und zählen, aber wenn ich es so mache, wie es anscheinend gedacht ist, nämlich das nur der eine Teile der Schlaufe unter der Nadel und der andere plus „Rückseite“ obendrüber liegt, komme ich offenbar ziemlich durcheinander weil sich alles so verzieht und die einzelnen Schlaufen schlecht erkennbar sind.

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Also habe ich die 1. Reihe mehrfach gehäkelt, aufgeribbelt, nochmal gehäkelt, und mir schließlich alle 10 Maschen eine Markierung gemacht und mich so Schritt für Schritt vorgearbeitet. Danach, so dachte ich, dürfte es ja eigentlich kein Problem mehr sein.

Ha – denkste! Nach 7,5 Reihen habe ich wieder bis auf Reihe 1 aufgeribbelt, weil ich jetzt wiederum plötzlich viel zu viele Stiche hatte. Im Nachhinein habe ich dann festgestellt, dass ich wohl aus Versehen in eine Endmasche eingestochen habe, die gar nicht die letzte Masche war, sondern quasi die „Brücke“ zur Reihe darunter.
Damit aber nicht genug: im Original wird ja gesagt, für das V-Muster brauche man ein Vielfaches von 3 plus 1 als Maschenzahl, aber irgendwie wurden meine Reihenabschlüsse trotzdem immer ungleichmäßig. Mich beschlich das Gefühl, dass es vielleicht eher ein Vielfaches von 6 hätte sein sollen, denn so musste ich doch wieder in die „Brücke“ einstechen und eine Beule produzieren. Zum Glück sieht man das hinterher nicht, weil die Seiten ja eh zusammengenäht/-häkelt werden, aber ärgerlich fand ich es trotzdem.

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Im Übrigen habe ich für das V-Muster dann natürlich auch von double auf treble crochet (Doppelstäbchen) aufgestockt damit der Unterschied besser rauskommt. Immerhin die Muschelränder haben dann aber gut geklappt und die Tatsache, dass die Maschenzahl dafür nicht 100%ig aufgegangen ist ließ sich ganz gut kaschieren. Dass das Teil hinten so schlabbert – obwohl die Anleitung anpreist, man müsse bloß eine längere Laufmaschenkette machen um einen langärmlichen Shrug zu bekommen – gefällt mir allerdings nicht so. Da hätte wohl entweder die Laufmaschenkette kürzer sein müssen oder das ganze Ding eben in die Richtung schmaler werden. Aber hinterher ist man ja immer schlauer.

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Das nächste Problem ergab sich, ganz unabhängig vom Machwerk, mal wieder beim fotografieren. Ich hatte mir ja ein kleines Tischstativ für’s Handy und eine Fernbedienung bestellt. So weit, so gut. Als das Stativ ankam stellte ich aber fest, dass ich dummerweise nicht darauf geachtet hatte, ob es sich auch für Hochkantfotos eignet – und das tut es natürlich nicht, weil es sich nicht verstellen lässt. Dumm gelaufen. Also erstmal nur Bilder im Querformat… beziehungsweise stark beschnitten.
Die Fernbedienung funktioniert aber zu allem Überfluss mit der handyeigenen Kameraapp nicht, sodass ich also auch noch eine andere App runterladen musste. Bei der muss man nach dem Auslösen aber nochmal drücken um wieder in den Aufnahmemodus zu kommen, weil sie einem sonst nur das Foto anzeigt, und kurioserweise fotografiert sie in einem ganz komischen Seitenverhältnis. Statt auf meine Üblichen 480×640 Pixel werden sie nämlich auf 360×640 oder 480×853 Pixel skaliert. Außerdem hat sie erstmal jedes Foto in einen eigenen Unterordner gepackt, was auch nicht gerade schön zu übertragen war. Glücklicherweise ließ sich das, genau wie das Format (was ich leider zu spät rausgefunden habe), in den Einstellungen ändern und hat dann auch die bereits gemachten Fotos brav in einen einzigen Ordner gepackt, der viel angenehmer auf den PC zu ziehen war. Nur die ganze Bearbeitung… So ganz glücklich bin ich mit der Geschichte jedenfalls nicht, aber immerhin kann ich mal Tragefotos machen.

V-Shrug
Für dieses Projekt sind übrigens nicht mal 100g Wolle (Knitting Essentials, Shade 991-28 Grey Sparkle) mit empfohlener (Strick-)Nadelstärke 4mm draufgegangen. (Kurioserweise wiegt der Shrug 98g, aber es sind noch 10g Wolle übrig, plus abgeschnitte Fadenenden.) Weil es die im Angebot mit 3 50g-Knäulen zu £2 gab war das also ein ganz preiswertes Vergnügen.

 

 

Eule mit W(eu/)olle

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Mitte letzter Woche hatte meine Freundin A. Geburtstag und zu diesem Anlass im Voraus eine Gruppe Freunde einschließlich meiner Wenigkeit zum Essen gebeten. Da ich natürlich nicht mit leeren Händen aufkreuzen wollte und ohnehin eine Idee hatte habe ich ihr kurzerhand (und kurzfristig) was gehäkelt. Sie mag nämlich – wer auch quasi nicht? – Eulen, Füchse und Co. und meine Eulenstulpen fand sie auch niedlich. Also Eulenstulpen. Auf dem Markt ein Knäuel senfgelbe Wolle gekauft und los.

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Oder auch nicht… Die 6er-Häkelnadel, die ich von daheim mitgenommen hatte, passte zwar für die Wolle selbst theoretisch gut (auf der Banderole werden auch 6er empfohlen, aber nur Stricknadeln), produzierte dann aber viel zu große Resultate, und ewig viele Stiche wegnehmen kann man ja nun auch nicht. Also nochmal los, 4 Läden in der Nähe der Uni erfolglos nach einer 4er-Häkelnadel abgeklappert und dann am nächsten Tag doch noch mal zum Markt gestiefelt. Kurioserweise kostete die 4er-Nadel dort 3 mal so viel wie alle anderen, und irgendwie erschien mir 3,5 dann sogar doch etwas passender.

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So bin ich also mit meiner 3,5er-Häkelnadel nach Hause marschiert und habe angefangen die Eulen zu häkeln. Diesmal mit 26 statt 30 Maschen, das passte gut und ging soweit wieder einfach von der Hand, wenn man mal davon absieht, dass die 3-fädige Wolle sich natürlich gerne mal etwas spaltete, insbesondere mit der kleinen Nadel.
Als die erste Eule fast fertig war fiel mir dann natürlich ein, dass ich ja eigentlich auch noch Knöpfe oder Perlen für die Augen bräuchte… So viel zum Thema Eile mit Weile.
Die Läden in Uninähe gaben natürlich wieder nichts her, das nicht weiß, pink oder pastellgrün/-gelb und blümchenförmig war, und so musste ich Anfang der Woche ein drittes Mal zum Markt traben und Knöpfe aussuchen. Hätte ich mir natürlich auch sparen können wenn ich da früher drüber nachgedacht hätte…

Stulpen

Die Krone habe ich dem Ganzen dann aber damit aufgesetzt, dass ich nur zwei Knöpfe gekauft habe. Sind ja auch zwei Augen, ne? *Kopf–>Tisch* Diese Dämlichkeit ist mir dann natürlich erst am Abend vor’m Geburtstag aufgefallen als ich die Knöpfe annähen wollte, den ersten mit der ersten Stulpe zur Hand nahm und plötzlich dachte „Moment – ich hab nur noch einen anderen Knopf. Aber… oooh neeiiin! Wie kann man nur so blöd sein?!“
Dabei wäre es das Endergebnis echt wert gewesen.

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Schlussendlich habe ich die Stulpen dann also zähneknirschend ohne Augen verschenkt und versprochen, diese nach meinem Urlaub nachzureichen bzw. noch anzunähen.

Die Farbe, laut Banderole übrigens „Old Gold“, ist bekanntermaßen ja nicht so meins, aber die Stulpen sind ja auch nicht für mich. Zum Glück scheine ich auch etwas dazugelernt zu haben, denn diesmal sind die sogar ohne Aufwand gleich groß geworden. Eigentlich ist zwar schon nicht mehr wirklich das Wetter für kalte Pfoten und Stulpen, aber die nächste Kälteperiode kommt bestimmt…

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Verwendet habe ich übrigens 82g der 100g Magnum lightweight chunky-Wolle von King Cole, und weil es ja gerade lief dann beim Rausholen des Geschenkpapiers festgestellt, dass das zwar – wie in meiner Erinnerung – niedliche Füchse zeigt, aber eben auch weihnachtliche Glückwünsche ausspricht. Natürlich ebenfalls am Abend vor’m Geburtstag…

Geschenkpapier
Auch hier konnte ich die Situation aber in einen Lacher verwandeln, der meine Freundin schon vor dem Auspacken gänzlich verzückte und köstlich amüsierte: ich habe weil ich faul bin nur auf der Front einfach „season’s“ durchgestrichen und durch „birthday“ ersetzt und das gleiche mit „winter“ und „spring“ getan. Okay, Schneeflocken sind trotzdem noch drauf, aber… die Botschaft kam jedenfalls an (und wurde voller Freude den anderen Gästen präsentiert), und das Geschenk gefiel auch.

Corporate Identity

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Letztes Wochenende hatte ich quasi die volle Bandbreite an Programm.
Freitag Abend wurde ich zu einer angeblichen „Rocknacht“ in den örtlichen „Rockclub“ namens „Corporation“ (oder kurz „Corp“) gelockt. Die Schwester einer Freundin hatte Geburtstag und besagte Freundin wollte nicht nur mit Freunden ihrer Schwester losziehen. Nun denn…

Bereits im Vorfeld wurde ich gewarnt Schuhe anzuziehen, die mir egal sind bzw. um die ich mich nicht schere, da der Boden sehr klebrig sei. Hm, na ja. Ich weiß ja nicht, wie ihr das handhabt, aber wenn ich ins Ausland gehe und quasi nur einen Koffer mitnehmen kann, dann nehme ich nicht gerade Dinge mit, die ich nicht mag. Aber sei’s drum, ich dachte so schlimm könne es schon nicht werden, schließlich ist es ja quasi normal, dass Clubböden eher klebrig sind.
Wie sich herausstellte ist Corp aber kein Vergleich zu den Clubs, in denen ich bisher in Deutschland war – selbst zu denen, die man mir dort als eher schmuddelig anpries.
(Weil ich aber im Club keine Fotos gemacht habe und nicht einfach welche von Facebook klauen möchte streue ich an dieser Stelle zur optischen Auflockerung ein paar der Bilder aus der Nähe des Bahnhofs ein, die ich neulich erwähnt habe. Ist eh viel hübscher.)

Blick auf den Bahnhof

Das Problem beginnt wohl hauptsächlich damit, dass die Getränke recht günstig sind und in pfandlosen Plastikbechern oder maximal Blechdosen verkauft werden (Gläser wären sicher auch fatal). Will heißen: sobald der Becher mehr oder weniger leer ist landet er auf dem Boden, wo er von der Masse plattgetrampelt wird. Dementsprechend ist der Boden eigentlich im kompleten Club mit verschütteten Getränken bedeckt, denn entsprechend viel wird ja auch getrunken.
Hinzu kommt, dass meinem Empfinden (und der Sichtung der Facebookfotos) nach der Club trotz Ausweiskontrolle sehr stark mit Teenies und „jungen Leuten“ bevölkert war – und wenn ich das mit meinen 24 Jahren sage und mir regelrecht alt vorkomme will das wohl was heißen. Überhaupt: seit wann sind eigenlich Bauchfreitops wieder modern? Am besten in Kombi mit Leggins…?

Hatte ich mir jetzt von einer Rock- und Alternativenacht halbwegs gute Musik erhofft wurde ich leider auch eher enttäuscht. Zu Anfang lief wenigstens noch hauptsächlich etwas, das ich milde als erträglichen „Poprock“ (oder „Teenierock“) beschreiben würde und die Massen gröhlten zu (wie google mir verriet) Biffy Clyro und Sum 41, aber dazu mischten sich schnell Sachen, die eindeutig eher Techno oder HipHop und dergleichen waren, und immer wenn mal kurz 1 annehmbarer Song kam reihten sich danach direkt mehrere furchtbare ein, sodass es sich nicht lohnte, überhaupt auf der Tanzfläche zu bleiben.
Während ich mir vorher also noch wohlwollend dachte „Na ja, immerhin etwas besser als die Musik in ’normalen‘ Clubs…“ wandte sich das schnell zu „Das ist genau die Musik, wegen der ich in einen Rockclub statt in ’normale‘ gehe um sie zu vermeiden!“. Ich meine: Eminem geht doch nun wirklich beim besten Willen nicht mehr als Rock oder Alternative durch, oder?! Aber die Teenies auf der großen Tanzfläche fanden es offenbar gut und gröhlten weiter fleißig mit, sodass man zum Glück oftmals  kaum noch die Musik hören konnte, inbesondere wenn man weiter weg von der „DJ-Bühne“ war. Einzig eine (ältere) Freundin pflichtete mir bei, erklärte, dass das früher (vor ein paar Jahren) besser gewesen sei, und wir ja noch die kleine Tanzfläche im Nebenraum hätten, auf der ich (sie musste leider weiter zur nächsten Veranstaltung) mich dann auch etwas besser aufgehoben fühlte.

Letzteres sogar wortwörtlich, denn als ich – enthusiastisch darüber, nach 1 einsamen Stunde mal wieder ein bekanntes Gesicht zu sehen – über die Tanzfläche hüpfte hätte ich mir gewünscht, dass sie klebrig gewesen wäre. Stattdessen bestand aber leider Aquaplaninggefahr, ich schlitterte meiner Freundin fast über die Füße und legte mich volle Lotte auf der Tanzfläche lang.
Tat aber zum Glück nicht weh, ich konnte herzhaft drüber lachen und es waren sofort ein paar Hände zur Stelle, die mir unter die Arme griffen und aufhalfen. Bis auf eine aufdringliche Ausnahme schienen sich auf der anderen, kleineren Tanzfläche nämlich auch vorwiegend halbwegs erwachsene Menschen rumzutreiben und es wurde zumindest größtenteils bessere Musik gespielt. Mit dem Rumhüpfen zu einer Reihe Skasongs oder Rock’n’Roll war ich danach trotzdem etwas vorsichtiger…

Blick auf den Bahnhof 2

Schließlich war es aber doch meine Freundin B., die ich am Ende des Abends mit einem Haufen blutiger Taschentücher auf dem Schoß und einer noch blutigeren Nase in der Nähe des Ausgangs wiederfand, da sie anscheinend im „Moshpit“ (Keine Ahnung, wozu die Teenies da gemosht haben sollen! Aber wenn sie natürlich die ganze Zeit rücksichtslos mit den Armen rudernd durch die Gegend hüpfen wie in diesem Video bei z.B. 6:10… ) aus versehen eins auf die Nase bekommen hat – die ist übrigens gebrochen. Muss ich noch mehr sagen?

Insgesamt konnte Corp übrigens finde ich auch von den Räumlichkeiten selbst keinem der deutschen Clubs in denen ich bisher war das Wasser reichen. (Dabei hätte es zumindest Flüssigkeit eigentlich mehr als genug gegeben…) Es gab ein absolutes Minimum an Sitzgelegenheiten und sonst eigentlich nur Bar und Tanzfläche. Keinerlei Deko, nicht mal anständige Licht- oder Nebeleffekte, nichts. Nur einen Haufen gröhlender, mit den Armen rudernder, besoffener Teenies. Unter anderem deshalb ist auch das Wort, das mir am ehesten in den Sinn kommt um Corp zu beschreiben, „unzivilisiert“.
Aber hey: ich kenne jetzt immerhin ein paar Gründe, warum es – zumindest in Corp – tatsächlich Sinn macht immer mindestens zu zweit auf’s Klo zu gehen. Dann hat man nämlich jemanden der 1. die eigenen Sachen  und 2. die Klotür zuhalten kann. Ungelogen, ich habe bei meinen 4-5 Toilettenbesuchen keine einzige Klokabine gefunden, die noch einen Riegel oder ein anderweitig intaktes Schloss hatte. Keine einzige. Eine (vermutlich weniger frequentierte) hatte immerhin Klopapier und in 4 Waschbecken mit je 2 Wasserhähnen fand sich auch ein Hahn, der tatsächlich ein Rinnsal Wasser ausspuckte. Allerdings nicht genug, um die etwa 2,5 zentimeterhohe, geschlossene Flüssigkeitsschicht zu erklären, die mich um ca. 2 Uhr auf der Damentoilette erwartete. Da möchte man doch nun wirklich nicht weiter drüber nachdenken, oder? Ein Votum mehr für „unzivilisiert“… *grusel*

Um so weniger dürfte es vermutlich überraschen, dass ich nur zu gerne dem Kontrasprogramm zustimmte, das meine Freundin A. am nächsten Tag spontan vorschlug als sie mich fragte, ob ich Lust habe, Sonntag mit in den Peak District zu kommen. Das ist ein Nationalpark in der Nähe Sheffields, der etwa 1440km² Fläche misst, wovon allerdings (beides Wikipedia zufolge) nur 8% Waldgebiet ist.
Dort habe ich natürlich, trotz der Tatsache, dass ich nach wie vor nur die Kamera meines Handys zur Verfügung habe, einen Haufen Fotos gemacht, aber die zeige ich euch wann anders, denn 1. würde das jetzt ziemlich den Rahmen sprengen und 2. bin ich gerade fix und fertig, weil ich heute mit einem Kollegen auf dem Sheffield Festival of Science and Engineering einen Stand betrieben habe, an dem sich die Kinder vermutlich mehr für kostenlose Mitbringsel als für die Wissenschaft dahinter interessiert haben.

 

Lebenszeichen

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Puh, mein letzer Beitrag ist eine halbe Ewigkeit her… wie  die Zeit vergeht! (Jetzt bin ich schon 4 Monate lang Doktorandin… kaum zu glauben.) So war das nicht geplant. Aber wie das nun mal so ist wenn man (sprich: ich) sich erstmal eingewöhnen muss und dann jeden Abend erst um ~18 Uhr daheim ist… Kurz gesagt: ich bin faul. Ich komme nach der Arbeit heim, koche, esse und versacke dabei, passiv Serien guckend vor dem PC zu hocken. Nicht mal andere Blogs gelesen habe ich wirklich in den letzten Monaten, und meine Motivation und Inspiration schaut auch nur phasenweise vorbei. Vorranging dann, wenn ich doch mal kurz surfe, zum Beispiel weil ich irgendwas kaufen will, und dabei über zig Umwege doch wieder was interessantes finde.
Gerade bei Klamotten ist das schlimm, weil mich das Angucken anderer Kleidungsstücke und Accessoires immer ziemlich inspiriert und dafür sorgt, dass es mir gehörig in den Fingern juckt, auch was zu nähen oder zu basteln. Aber leider, leider ist sämtliches Näh- und Bastelzubehör ja in Deutschland zurückgeblieben… Auch wenn ich eigentlich (gefühlt) kaum Zeit habe, in der ich überhaupt was machen könnte, außer vielleicht an faulen Wochenenden fehlt mir das Nähen und alles sehr. Allein schon mal ein paar schnelle Änderungen oder Reparaturen machen… ich halte meine Augen jedenfalls weiterhin nach einer günstigen (Gebraucht-)Maschine offen, aber da sowas meistens nur zur Abholung irgendwo in weiter Ferne angeboten wird ist das auch nicht so einfach.

Andererseits ist meine Wohnung jetzt auch ehrlich gesagt nicht so schön oder wohnlich, dass ich mich da sonderlich entspannt meiner Kreativität hingeben könnte, und allem voran würde garantiert auch Stauraum fehlen. Obwohl meine 1-Zimmer-Wohnung nämlich von der Grundfläche her eigentlich nicht klein ist ist die Ausstattung einfach miserabel und lässt für unsere Luxusstandards gehörig zu Wünschen übrig.
Während ich diesen Post tippe liege ich – ziemlich unbequem – auf einem winzigen Zweisitzersofa aus dem dunklem Kunstleder, aus dem hier so ziemlich jedes Sofa einer möblierten Wohnung gemacht zu sein scheint. Liegen bedeutet in diesem Fall selbst bei meinen 1,56m die Beine und den Oberkörper auf die harten Armlehnen aufzulegen und jeweils ein Kissen der Rückenlehne unterzuschieben. Sämtliche Lehnen scheinen nämlich zu allem Überfluss nahezu ungepolstert zu sein und mit ziemlicher Sicherheit aus Pressspahnholz zu bestehen.
Gemütlich auf der Couch faulenzen ist da also schon mal nicht.


Das Bett ist auch nicht wirklich bequem oder stabil, aber immerhin hat die Firma, die die Wohnung vermietet, es nach über 3 Monaten endlich mal geschafft, Matratze und Bettgestell auszutauschen. Hatte ich seit meinem Einzug drum gebeten, weil das Bett selbst unter mir bedrohlich wackelte und knarzte und die durchgelegene Matratze mich mit ihren Federn  aufzuspießen drohte piekste. Als dann nach 3 Monaten endlich mal jemand vorbeikam schrieb man mir tags drauf, dass man eine neue Matratze bestellen müsse – hatte ich denen ja auch nur schon vor 3 Monaten gesagt. Immerhin bekam ich dann auch kaum 3 Tage später die Nachricht, dass ich doch gefälligst am nächsten Tag zur in Empfangnahme daheim zu sein habe. Ist ja nicht so, als müsse ich eigentlich von 9 bis 17 Uhr arbeiten… Dafür hat das neue Bett sogar sowas wie einen Lattenrost – das alte hatte nämlich tatsächlich nur hohle Metallstreben bzw. – rohre, die auch schon ganz durchgewölbt waren.
Nur größer ist es leider nicht, aber für die Engländer scheint es tatsächlich ein großes Mysterium zu sein, warum man von ein Doppelbett erwartet, dass es auch doppelt so breit ist wie ein Einzelbett (und was man mit „dem ganzen Platz“ eines uns bekannten Doppelbettes will…). In England ist ein „Double Bed“ nämlich sage und schreibe 140x 190cm, und ein „King Size“ wartet mit ganzen 10cm mehr und 150x190cm zur Krönung auf – King Size wäre das für mich genau dann, wenn es für eine Person gedacht wäre. Aber mathematisch kann man hier wohl nicht zu viel erwarten…

Bett
Wie bereits erwähnt ein anderes, essentielles Problem der Wohnung ist allerdings Stauraum. Es gibt zwar 2 Kleiderschränke mit je genau einem Einlegeboden, eine Kommode (deren eine Front mir auch in der 1. Woche abgefallen ist und nach 3 Monaten endlich mal wieder angebracht wurde) und einen Nachttischschrank, aber das war’s auch schon.

Schlafzimmer
Küchenschränke gibt’s natürlich noch ein paar, sogar zwei kleine Hängeschränke, aber sonst nichts. Kein Bücherregal, keine Kommode oder sonstwas, gar nichts – das einzige andere Möbel sind Couch- und Esstisch und 4 Stühle. Demnach bin ich immer schön dabei, sämtlichen Papier- und Kleinkram der sich so ansammelt auf freie Stühle und Tische zu verteilen und nach Bedarf umzuschichten, und habe sogar schon einige Pappkartons als Aufbewahrungskisten/“Regale“ herangezogen, aber wirklich schön oder praktisch ist das auch nicht. Und Bettwäsche und Handtücher müssen natürlich auch in einem der beiden Kleiderschränke untergebracht werden, weil es ja keinen Badschrank oder ähnliches gibt. Handtuchhaken, Klorollenhalter oder ein Halterung für Küchenutensilien selbstverständlich auch nicht, und Klebehaken fallen auch ohne Last nach ungefähr 60 Sekunden wieder ab. Also alles in eine Ecke feuern und hurra!

Wohnzimmer
Genau genommen gibt es im Bad eigentlich außer dem Badewannenrand (Immerhin!) und der Ablage über Klo und Waschbecken (immerhin mit Mischbattieren! – auch immer noch eher eine Seltenheit hier) gar nichts, nicht mal Steckdosen, weil die Engländer ja noch nicht im Zeitalter der FI-Schalter angekommen sind (Welches in Deutschland ja schließlich für Neubauten erst seit 1984 verpflichtend herrscht! [Und ein Makler in London behauptete vor 3 Jahren, UK sei Deutschland und den Niederlanden was Wohnungen angehe 20 Jahre hinterher – womit wir wieder bei den mathematischen Fähigkeiten wären…]), und man ihnen offensichtlich nicht trauen kann, sich nicht bei jeder sich bietenden Gelegenheit selbst zu elektrokutieren.
Also gibt es nur den beheizten Handtuchhalter (von dem Handtücher liebend gerne abrutschen), der gleichzeitig die Heizung darstellen soll und zwar bei Berührung scheißheiß ist, aber den kleinen Raum trotzdem überhaupt nicht wirklich aufheizt. Alles, was man so an Hygieneartikeln und Pflegemitteln hat muss also offen sichtbar auf der spärlichen Abstellfläche verteilt werden damit es ja auch hübsch chaotisch aussieht und man jederzeits möglichst viel umwerfen oder runterschmeißen kann.
Ach ja: mit von der Partie ist außerdem der nette Wasserfleck, der am Tage meines Einzuges anfing, sich seinen Weg von der Decke hinab zu bahnen, und der – wie ich Montag, als das Büro des Vermieters endlichwieder besetzt war, erfuhr – davon herrührte, dass der Obermieter sein Badezimmer „sehr gründlich geschrubt und viel Wasser verschüttet“ habe. Na prima, herzlichen Dank auch… Zum Glück hat es bis jetzt nicht (sichtbar) angefangen zu schimmeln, sonst hätten die aber was erleben können!

Bad
Andererseits wäre das vielleicht wenigstens ein guter Grund für einen frühzeitigen Auszug gewesen… Leider habe ich nämlich mal wieder eine ganze Reihe nerviger, lärmender Nachbarn erwischt (gerade werde ich mit chinesischen Schmachtfetzen beschallt) und bin quasi jedes Wochenende mindestens einer, wenn nicht mehreren Parties ausgesetzt. Auch die zahlreichen gröhlenden Chinesen aus dem Studentenwohnheim zum Hinterhof hinaus, dessen Existenz ich mir leider erst nach Einzug bewusst wurde, kann ich für gewöhnlich noch gut hören wenn sie sich kreischend um die Tische jagen oder lautstark ihre Freude respektive ihren Ärger über einen besonders guten bzw. schlechten Billardstoß oder Kartenzug kundtun. Aber auch laute, nicht minder schiefe Karaokeversionen von „let it go“ durfte ich mir schon urplötzlich mitten in der Nacht von der anderen Seite der Wand am Kopfende meines Bettes anhören…

Balkon
Ich bin jedenfalls froh, erstmal nur einen 6-Monatsvertrag unterschrieben zu haben, der Anfang/Mitte April ausläuft, sodass ich mich jetzt tatsächlich schon langsam aber sicher wieder auf die Suche nach was hoffentlich besserem machen muss/möchte. Hier in Sheffield ist der Wohnungsmarkt nämlich anscheinend nicht so kurzfristig ausgerichtet wie in London, weshalb ich zu Anfang auch Probleme hatte, zügig was zu finden, weil das meiste erst 1-2 Monate später verfügbar war. Also, drückt mir die Daumen, dass ich bald was schönes, leises finde…

Wer weiß, vielleicht schafft der Saftladen es ja sogar noch vor meinem Auszug, endlich zumindest das Licht im Hausflur in Gang zu kriegen, dessen Disfunktionalität dafür sorgt, dass ich regelmäßig im Dunkeln vor der Tür stehe und nach dem Türschloss stochere, oder mich so verrenken muss, dass das spärlich einfallende Licht der Straßenlaterne auf’s Türschloss trifft anstatt meinen Schatten auf selbiges zu werfen…

Sheffield: Ankunft, ein hübscher Bahnhof und die Sache mit dem Ticketautomaten

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Es ist so weit: am Sonntag bin ich in Sheffield angekommen. Nach einer kurzen beziehungsweise leider gänzlich schlaflosen Nacht ging zur unmenschlichen frühen Uhrzeit von 7.00 Uhr mein Flieger nach Manchester. Eineinhalb Stunden später, also zu 7.30 Uhr Ortszeit (man bedenke eine Stunde Zeitverschiebung), landete ich in Manchester, sammelte mein Gepäck ein und schlug mich zum Flughafenbahnhof vor, wo ich mich erstmal mit den Ticketautomaten rumärgern durfte.
Eigentlich sollte die Abholung des vorbestellten Tickets nämlich ganz einfach sein: Karte in den Automaten stecken um ihn zu aktivieren, Buchungsreferenz eingeben und Ticket kriegen. Faktisch war dem aber natürlich mal wieder nicht so. Der erste Automat tat mit meiner Karte genau gar nichts, der zweite sagte immerhin er könne sie nicht erkennen und erst der dritte von vier spuckte mir dann mit der zweiten Karte auch endlich mein Ticket aus. Da dachte ich noch „Ein Glück habe ich Zeit…“ – genau das habe ich aber auch bald verflucht, denn mein Zug ging erst um 10.44 Uhr und in der Bahnhofshalle war es nicht nur langweilig, sondern auch kalt. Sitzplätze gab es nur ein paar am Busbahnhof, die aber direkt an den Schiebetüren lagen, die natürlich alle Nase lang auf und zu gingen und damit für noch mehr Kälte sorgten. Also pflanzte ich mich mit meinem Gepäck auf einen kleinen Vorsprung (+ unbequem), zog irgendwann meinen dicken Wintermantel an und fror immer noch und wartete.

Geldscheinflieger
Natürlich nicht mein Flieger nach Manchester, sondern ein Geschenk, dass ich für die Hochzeit einer Freundin gebastelt habe, deren Einladung wie ein Flugticket aufgemacht war. (Wurde dann auf eine Startbahn aus schwarzer Pappe gesetzt und bekam eine Karte mit Herzchenwolken zur Seite gestellt.)

Als der Zug dann endlich da war und ich mein Gepäck hineingehievt hatte gab’s schon das nächste Problem: viel zu wenig Stauraum für so viele große Koffer, wie sie üblicherweise an Flughäfen anfallen. Quasi der komplette Eingangsbereich war vollgestellt (Es schien mir aber auch, da sei ein Pärchen mit gut und gerne 7 oder mehr Koffern unterwegs gewesen.) und ein paar Haltestellen später mussten sich tatsächlich ein paar Leute eine andere Tür zum Einsteigen suchen. Immerhin hatte ich einen reservierten Sitzplatz, die übrigens schön deutlich mit Steckschildern auf der Kopfstütze als solche gekennzeichnet waren, der aber am anderen Ende des Wagons lag. Ich bin eigentlich etwas paranoid was das Unbeaufsichtigtlassen von Gepäck oder Taschen angeht, aber was blieb mir anderes übrig… abgesehen davon konnte ich die Augen eh kaum noch offen halten und hätte vermutlich keine fast eineinhalb Stunden Fahrt stehen können, wie viele andere es mussten.

Wann immer ich während der Fahrt mal kurz meine Augenlider gehoben bekam stellte ich fest, dass je weiter wir uns von Manchester wegbewegten das Wetter um so schöner wurde. Während der Himmel am Flughafen noch komplett grau bewölkt gewesen war war er in Sheffield bei meiner Ankunft um kurz nach 12 Uhr strahlend blau und wurde nur von der einen oder anderen Schäfchenwolke geziert. Ich schätze, das tat sein übriges, um mich schon den Gleisbereich beim Verlassen des Zuges als geradezu pitoresk empfinden zu lassen. Aufgrund akuter Müdigkeit und Gepäckmassen habe ich leider kein Bild davon gemacht, was ich bestimmt irgendwann mal nachholen werde, aber stellt euch sandig-helle Metallstreben und Rundbögen, Glasdächer, Sandstein und verschnörkelte Eisendekorationen vor. (Oder guckt mal hierhier, hier oder hier für eine grobe Vorstellung.)
Ein bisschen kam ich mir vor, wie in einem alten Film, der in New Orleans oder so spielt (Nicht, dass ich da schon mal gewesen wäre…), fehlten irgendwie nur noch die Dampflok und viele bunte Blumenkästen. (Oder gab’s die sogar? Ich muss gestehen, ich weiß es nicht mehr, Müdigkeit und Hunger hatten mich ziemlich im Griff und ich habe mich gar nicht so großartig umgesehen. Aber der erste Eindruck war ja schon mal gut.)

Bereits beim Warten auf den Fahrstuhl wurde ich dann von einem netten alten Herren mit Rollator angesprochen, der sich erkundigte, ob er mit der Vermutung, dass dies die Schlange für den Fahrstuhl sei, richtig liege, und anschließend ein bisschen Konversation betrieb. Typischerweise beginnend mit dem Wetter, das ja am Vortag noch viel toller gewesen sei, und davon ausgehend schnell dahin, wo ich denn herkomme und dass er ja seine Deutschkenntnisse schon wieder vergessen habe, schließlich sei es schon so lange her, dass er im kalten Krieg in Bochum (?) stationiert gewesen sei.

Draußen angekommen begrüßte mich jedenfalls erstmal folgende Aussicht:

Sheffield Trainstation
Sheffield Trainstation2
Dann musste ich natürlich erstmal die nächste Bushaltestelle suchen, zu allem Überfluss herrschten genau an meinem Ankunftstag wegen eines Stadtlaufes auch noch Sonderfahrpläne mit geänderten Routen und Zeiten, sicherstellen, dass der Bus auch in die richtige Richtung fährt, und dann die gewünschte Ausstiegshaltestelle nicht verpassen. Blöderweise werden die Haltestellen nämlich nicht angesagt oder zumindest angezeigt (auch wenn ich da eh noch nicht gewusst hätte, welche die Richtige ist), sondern man muss im Prinzip aufpassen und wissen wie’s da, wo man hinwill, aussieht. Zum Glück war die eine Haltestelle, die ich deshalb zu weit gefahren bin, nicht so weit weg. Bei meinem temporären Gastgeber, den ich über AirBnB gefunden habe, bekam ich dann auch erstmal einen Tee und konnte anschließend, nachdem er mir netterweise geholfen hatte, mein Gepäck die steile Treppe raufzutragen, erstmal das dringend benötigte Nickerchen machen, bevor ich zum nahegelegenen Minimarkt lief um mir was zu essen zu kaufen.
Ihr könnt euch sicher vorstellen, wie fix und fertig ich nach dem Tag war und dass ich recht früh eingeschlafen bin… 😉

No smoking within 7 metres of these doors!

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Schilder mit dieser oder ähnlicher Aufschrift hingen bei meiner Uni an jeder Außentür. Fazit nach 3 Jahren: Entweder haben rauchende Englänger keine Ahnung, wie viel 7 Meter sind, oder es ist ihnen Schnuppe. Ich jedenfalls musste nahezu jedes Mal beim Betreten oder Verlassen eines Gebäudes luftanhaltend durch eine Rauchwolke eilen, die wenn überhaupt maximal einen Meter von der Tür entfernt war. Nicht nur einqualmen, nein, auch noch den Weg blockieren, genial. Aber das ist ja in Deutschland auch nicht anders, nur dass da keine Schilder hängen.

Ich will keinen Hehl daraus machen, normalerweise herrscht in meiner Umgebung rauchfreie Zone sofern ich das beeinflussen kann. Mit Rauchen kann ich nichts anfangen und hätte auch kein Problem damit, wenn es komplett verboten würde, im Gegenteil. Ist schließlich auch nur eine gesundheitsschädliche Sucht, die die Taschen der Produzenten füllt und auch noch unbeteiligte beinflusst. Wenn mir nur jemand mit einer Kippe in der Hand auf der Straße entgegen kommt rieche ich das 50 Meter gegen den Wind und kriege meistens postwendend Hustenanfälle, bin ich gar längere Zeit dem ätzenden Qualm ausgesetzt komme ich aus dem röchelnden Husten noch Tage später nicht raus und habe mindestens eine Woche mit einer schmerzenden Lunge zu kämpfen. (In diesem Zusammenhang meinte übrigens die Mutter einer Freundin, die uns – vor dem Rauchverbot – mal von einem Konzert abholte, ich habe wohl schon ein paar Zigaretten zu viel in meinem Leben geraucht. Es war keine einzige, nicht mal ein Zug! So viel zum Thema Passivrauchen.)
Das geht sogar so weit, dass ich quasi ein menschlicher Rauchmelder bin. Einer meiner Mitbewohner in meiner ersten WG in England war besonders schlecht in der „Lebensmittelzubereitung“ und so kam es, dass ich eines Tages in meinem Zimmer im ersten Stock den Geruch von Rauch vernahm und mich fragte, ob Adam mal wieder versuchte was warmes zu Essen zu machen. Wohlgemerkt, die Küche lag im Erdgeschoss und Türen und Fenster waren verschlossen. Ungefähr 30 Sekunden später ging der Rauchmelder – in der Küche! – los. Meine Nase hat also selbst auf mehrere Meter und ein Stockwerk inklusive Türen und Fenster ein sensibles Gerät in knapp ein Meter hindernissfreier Entfernung zum Herd geschlagen. Ohne visuelle,  akustische oder andere Hilfsmittel oder Vorwarnungen.

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Um jedenfalls zum Thema zurück zu kommen, ich habe bezüglich des Smoken mal eine Ausnahme gemacht, und zwar eine unter Umweltaspekten betrachtete, gesundheitlich und geruchstechnisch gänzlich unbedenkliche (jedenfalls für mich): ich habe ein Nähwerk gesmokt. Okay, ich gebe zu, das hat nichts mit Rauchen zu tun, aber dieses Shirt hier wäre ja schließlich glatt ein passendes Exemplar aus diesem amüsanten Sammelsurium an Anti-Raucher-Sprüchen.

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Das Kleid, das ich mir kürzlich spontan genäht habe, finde ich dann aber doch hübscher. 😉 Inspiriert hat mich eigentlich dieses Exemplar, vermutlich vorrangig wegen des tollen Stoffs, aber so einen tollen Stoff hatte ich natürlich nicht. Und eigentlich wollte ich auch nicht bloß einen Gummizug in der Taille, auf solche überdimensioniert-schlabbrigen Ärmel war ich auch nicht scharf, und überhaupt… überhaupt ist eigentlich alles ganz anders. Aber so ist das wohl manchmal mit der Inspiration und dem, was letzten Endes daraus wird.

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Weil ich auch sonst keinen meiner gemusterten Jerseys passend fand – gesmokte Streifen müssen irgendwie nicht sein, oder? – hab ich schlussendlich zu dem roten Jersey gegriffen, aus dem auch schon mein erstes Infinitydress und der Cozy sind. Keine Ahnung, warum ich da so viel von habe und woher, aber sei’s drum, hübsch ist er ja, wenn auch, je nach Schnitt, etwas knitteranfällig. Aber bei den Kräuseln, die durch’s Smoken enstehen, fällt das glaube ich nicht weiter negativ auf.

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Gesmokt habe ich also auf gut Glück 9 Reihen im Taillenbereich. Danach war die zweite Unterfadenspule Gummifaden leer und ich hatte keine Lust, noch eine dritte aufzuwickeln. Etwas erstaunt über den Verbrauch hierbei war ich allerdings schon. Ansonsten ging das Smoken aber relativ problemlos – nach der Erkenntnis, dass meine Maschine von mir möchte, dass ich den Unterfaden nach jeder Reihe und dem folgenden Abschneiden wieder neu einfädele.

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Die kleinen Falten im Ausschnitt sind übrigens durchaus gewollt – nur irgendwie nicht so. Eigentlich hatte ich mir da schöne, größere, tiefere Falten vorgestellt, die ein bisschen das Brustteil hinunterragen, aber dafür habe ich ganz offensichtlich zu sparsam kalkuliert.

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Bei den Ärmeln sah das ursprünglich genau so aus, wenn nicht noch blöder, aber die hatten immerhin den Vorteil, dass ein neuer Zuschnitt nicht so viel Stoff verschwendete wie bei einem komplett neuen Frontteil. Viel besser hat es das allerdings auch nicht gemacht, und einen Tick zu lange finde ich sie im Nachhinein auch. Hätte ich nicht das Ausschnittdetail noch mal aufgreifen wollen hätte ich vermutlich eh Flatterärmel gemacht.

Beim nächsten Mal werde ich dann wohl auch den Taillentbereich großzügiger zuschneiden, denn während die 10 cm Zugabe um die Hüfte, die der Inspirationsquelle empfohlen werden, dort gut ausreichen finde ich es doch etwas schade, dass vom Smok in der Taille im angezogenen Zustand nicht mehr viele Kräusel überbleiben. Da empfiehlt es sich vielleicht tatsächlich, einfach gerade oder gar leicht ausgewölbte Stoffteile für den Korpus zu nehmen, damit auch getragen genug Smok übrig bleibt.

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Da ja jetzt offenbar schon der Herbst vor der Tür steht und die warmen Tage noch spärlicher gesäht sind werde ich das Kleid übrigens zu einem Sommerfest (Welch Ironie!) gestern voraussichtlich erstmal mit einem langärmligen Oberteil drunter oder Shrug drüber und Strumpfhosen getragen haben. (Wer sich über den kuriosen zeitlichen Satzbau wundert: das hier ist vorgebloggt, demnach kann ich Donnerstag noch nicht wissen, ob ich das Samstag wirklich so tragen werde.) Ein längeres Jäckchen drüber zu ziehen fände ich bei dem Smokteil gerade doch noch irgendwie schade.
Aber immerhin habe ich für die Fotos noch mal einen sonnigen, halbwegs warmen Tag erwischt. Eine neue Kamera habe ich übrigens immer noch nicht, irgendwie gibt es das, was ich suche, so nicht oder nur als teure Spiegelreflex außerhalb meines Budgets (Stichwort Fernbedienung). Dafür habe ich dran gedacht, dass mein Handy ja auch einen Selbstauslöser haben könnte, und siehe da… Die Qualität ist nicht die beste, aber besser als gar nichts. Einziges Problem: wie stellt man so ein Handy hin?

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Mit Hilfsmitteln. Sie sehen: eine verstaubte, eigentlich immer leere Vase aus dem Wohnzimmer und eine Untertasse aus dem Küchenschrank. Dazwischen „klemmte“ dann mein Handy, in beide Richtungen gegen das abrutschen geblockt, aber das konnte ich selbstredend so nicht in Aktion fotografieren. (Jetzt wo ich darüber nachdenke, ein Spiegel hätte es getan… aber ich schätze, das Terrain ist hier auch ohne schon kurios genug.)

Ingesamt habe ich, trotz Neuzuschnitt der Ärmel, für das Kleid etwa 90cm Jersey von 1,8m Breite verbraucht. Warum ich das hier extra erwähne? Weil meine Stoffbilanz, oder um genau zu sein mein gesamtes Stoffarchiv, leider trotz vielfacher Datensicherung beim kürzlichen Neu-Aufsetzen des PCs flöten gegangen ist. Einfach so.
Da habe ich Stunden reingesteckt, sämtliche Bestände abzutippen, Neuzugänge einzufügen und verbrauchtes möglich genau aufzuführen und rauszurechnen, habe extra ein Programm, dass Festplattensicherungen, Synchronisierungen & Co. macht und das mehrfach behauptet hat, alle Daten auf die externe Festplatte kopiert zu haben, und dann? Dann fehlt doch alles Mögliche! Ich hätte so kotzen können.  Ich meine, was soll denn das bitte? Entweder es ist alles als Kopie gesichert oder eben nicht, aber so kommt man sich doch ziemlich verarscht vor, oder?

Zum Glück ist das nicht mitten im Studium mit irgendwelchen wichtigen Daten passiert und zum Glück habe ich die Stoffbestände auch noch jeweils auf Zetteln an/in den Kisten selbst vermerkt, sonst müsste ich das jetzt auch noch alles wieder neu ausmessen. So muss ich es immerhin „nur“ neu abtippen, die paar noch nicht vermerkten neuen Stoffe ausmessen und mich ärgern, dass ich jetzt doch keine Stoffbilanz für das Jahr abgeben kann. Leider kann ich mich nämlich nur noch erinnern, dass die ganz gut aussah, aber eben nicht wie gut genau, und deshalb will ich jetzt sicherheitshalber lieber immer direkt dazuschreiben, wie viel ich wofür verbraucht habe. Doof ist das nur bei Dingen, die es aus diversen Gründen nicht zeitnah auf den Blog schaffen…  aber auch das Problem werde ich wohl in absehbarer Zeit erstmal nicht mehr haben.

An machen Tagen sollte man einfach gar nicht erst anfangen.

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Leider weiß man das meistens erst, wenn es schon zu spät ist. Vor allem, wenn es vor dem Nähen (oder anderen Aktivitäten) keinerlei Anzeichen für die sich anbahnende Katastrophe gibt.

Dabei hätte ich es eigentlich wissen müssen. Das Glück und ich, wir haben uns schon lange nicht mehr richtig gesehen, und wenn dann auch immer nur ganz kurz. Meistens hat es mir dann sogar eine lange Nase gezeigt und sich hämisch wieder verkrochen um Platz für das Pech zu machen.

Nachdem der Rock schon mangels Druckknopfbefestigungswerkzeug auf Eis liegt zickt jetzt also auch noch die Hose rum. Die war schon am Sonntag eigentlich bis auf Gürtelschlaufen und Saum fertig, als ich sie zum festlegen der Länge des letzteren anzog und tada: da fing der Pechvogel wieder an zu zwitschern wie seine realen gefiederten Kollegen draußen in den Bäumen.

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Ich hab echt keine Lust mehr. Egal was für Reißverschlüsse ich nehme und in egal wie viel zu weite Kleidungstücke (Also auch nichts von wegen Zug drauf oder so.) ich sie einsetze, jedes verdammte Mal gehen diese vermaledeiten Drecksteile kaputt. Und das eher früher als später. Was soll denn das? Jetzt muss ich das Mistding auch noch wieder raus- und ein neues reinfriemeln, vorzugsweise eins, das unkaputtbar ist. Wo soll ich das denn jetzt schon wieder herzaubern?

(Natürlich hat jetzt, ganz nebenbei bemerkt, offensichtlich auch noch der Speicherkartenadapter für die angezählte Kamera das Zeitliche gesegnet. )