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Anfang September habe ich auf Instagram einen hübschen Häkelschal entdeckt, der es mir sofort angetan hatte. (Nein, ist nicht immer alles nur noch Pinterest hier. ;)) Netterweise lies sich über die Hashtags auch gleich leicht rausfinden, dass das schöne Teil – warum auch immer – Virus shawl heißt. Google hat mich dann bei Ravelry schnell auf eine Anleitung bzw. Häkelschrift gestoßen und anderswo auf eine Bilderanleitung auf facebook. Also hab ich während einer „Wochenendschicht“ in der Uni fix die Häkelschrift ausgedruckt und bin sonntags, nach Verlassen des sinkenden Schiffs (Toll wenn man sein Wochenende opfert und es dann trotzdem nicht funktioniert, oder?) und spätem Mittagessen mit einer Freundin, die ich viel zu lange nicht gesehen hatte, noch schnell zu Poundstretcher gespurtet und habe Wolle mit Farbverlauf gekauft. Da hatte ich schon mal so schöne gesehen und sie damals nicht mitgenommen, weil ich dachte „Nee, brauch erstmal die andere auf…“ (Hab ich natürlich nicht, das ist genau wie mit Stoff!), und jetzt war die Auswahl dann doch eher bescheiden, aber immerhin graue hatten sie noch. Die fand ich dann eigentlich doch ganz hübsch und für mich tragbar (eine der wenigen Alternativen war pink *grusel*). Außerdem wollte ich ja 2 Tage später auf der Zugfahrt zur Konferenz das Tuch häkeln und den nächsten Tag zum Ausgleich das Haus mal nicht verlassen. An den fehlenden Daten für die Konferenz war ja eh nichts mehr zu machen…

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Noch am selben Abend hab ich also mit dem Häkeln angefangen und mich dabei erstmal an der Bilderanleitung orientiert, die mich dann aber sehr schnell verwirrt hat. Warum? Weil da von 10 und 5 Luftmaschen (jetzt hatte ich doch tatsächlich Laufmaschen geschrieben…) die Rede war, in meiner Häkelschrift und der Videoanleitung (die ich, wie ich gestehen muss, wegen des schrecklichen deutschen Akzents im Englischen gar nicht angucken wollte/konnte) aber nur von 7 und 4. Gut, geht sicher beides, aber ausgedruckt hatte ich ja nun mal 7 und 4. Auch wenn, wie ich blöderweise erst daheim feststellte, dummerweise der Rand fehlte, weil das Muster nicht auf A4 skaliert ist. Also hab ich mit 7 und 4 weitergehäkelt und mich prompt bei der mittleren Luftmaschenkette gewundert, was da jetzt Sache ist. Da steht nämlich 7 auf der Häkelschrift, eingezeichnet sind aber 10 Punkte, die Luftmaschen darstellen. Weil da in der nächsten Reihe 10 Stäbchen reinsollen ging ich davon aus, dass da nur jemand die Nummern geändert hat und es zumindest beides mal die gleiche Anzahl sein sollte, aber im Video (musste ich mir dann ja doch zumindest teilweise ansehen) wurden tatsächlich 10 Stäbchen in den Zwischenraum der 7 Luftmaschen gehäkelt. Nachdem diese Unklarheiten beseitigt waren ging es dann aber mit dem Häkeln doch schnell voran und ich musste mich etwas bremsen, nicht schon Sonntag Abend und Montag ordentlich vorzuhäkeln – schließlich wollte ich ja Beschäftigung für die Zugfahrt.

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Auf eben dieser hab ich dann auch fleißig weitergehäkelt (unter zwischenzeitlichem Einwurf eines der mitreisenden Dozenten: „Keep going, knaxgurke.“), sogar so fleißig, dass ich doch noch ein zweites Knäuel Wolle aus dem Gepäck fischen musste. (Zum Glück hatte ich es in weiser Vorraussicht in die Außentasche gesteckt, sodass ich leicht dran kam.) Von dem hab ich dann auch mehr gebraucht als angenommen. Bei der Anleitung war der Garnverbrauch nämlich dummerweise nur in Metern angegeben – aber auf der Banderole meiner Wolle waren natürlich nur Gramm (immerhin keine Unzen) und keine Meter zu finden. Aber weil die Wolle schön ist und nur £2.99 kostete hatte ich spontan alle 3 Knäuel mitgenommen, die ich finden konnte.

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Auf der Rückreise von der Konferenz hab ich das Teil dann, ziemlich überrascht und vom Glück beflügelt, einen Preis für den besten Karriereeinsteiger-/Studentenvortrag gewonnen zu haben, fast fertig gehäkelt. Fast deshalb, weil ich natürlich zwischendrin mal einen Fehler gemacht hatte und eine halbe bis ganze Reihe wieder aufribbeln musste, die mir dann bei der Ankunft in Sheffield gefehlt hat. Da war die letzte Reihe nämlich zu gut 2/3 fertig, aber die hab ich dann eben am nächsten Abend auf dem Sofa schnell erledigt.

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Gehäkelt habe ich das Ganze übrigens mit einer 4mm-Häkelnadel und die Wolle scheint ein für den Billigschuppen eigens fabriziertes oder umetikettiertes Model zu sein, denn die Banderole sagt überaus aufschlussreich nur „Colour Blend Yarn“, Shade Z894 und ein paar wenige Infos zu Maschenprobe, Waschtemperatur und Material (100% Acryl). Ein paar Fehler waren auch im Garn, wo quasi ein loses Ende mitten aus dem Faden rausstand, aber na ja… was soll man von 2.99 für 150g auch groß erwarten?

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Wie ihr seht ist das Ding übrigens breiter als ich groß… Außerdem wiegt es fertig 274g und lässt sich auch schön von einer Flexi 8 zusammenhalten (hier in Größe S, die sonst meistens meine Pferdeschwänze zusammenhält).

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Aber auch rumblödeln lässt sich damit prima: Flieg, Vogel, flieg!

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Ja, ich weiß, ich habe einen Vogel.

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Das Spannen des Tuchs war übrigens auch sehr… spannend. (Aber leider notwendig, vorher hat man die kleinen „Schuppen“ gar nicht richtig gesehen.) Die liebe Schmunsel, bei der ich das Muster glaube ich auch entdeckt hatte, hat mir netterweise ein Foto ihrer Spannvorrichtung geschickt, da ich sowas noch nie gemacht hatte. Aber mit Teppich ist es eben etwas doof, ein trotz kräftigen Auswringen tropfnasses Tuch aufzuhängen… Ich habe also Plasiktüten untergelegt, aber darauf hat sich im Nu eine Pfütze gebildet, die sich dann bei einer falschen Bewegung doch auf den Teppich ergossen hat. Außerdem hing das Tuch ziemlich schief, weil der Türknauf des Schranks natürlich nicht auf gleicher Höhe mit dem Fenstergriff war.

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Letzenendes bin ich dann zum Glück doch noch auf die Idee bekommen, die Wäscheleine statt um den Türknauf um eine der Lamellen der Schranktür zu knoten, und das hat zu meiner großen Erleichterung auch gehalten, ohne die Lamelle zu zerlegen. Puh! Und siehe da, dann hing das Ganze auch hoch genug um einen Eimer unterzustellen, der dem finalen Füllstand nach auch dringend nötig war.

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with a little help from my friends

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Letztes Wochenende war ich wieder bei meiner Freundin A. – die mit den Katzen, mit der ich neulich auch im Peak District war. A. hat nämlich eine Nähmaschine als Dauerleihgabe einer Freundin und hatte mich gefragt, ob ich ihr dabei behilflich sein könnte, eines ihrer liebsten Jerseykleider nachzuarbeiten. Da sag ich natürlich nicht nein…
Als wir 2 Tage vorher auf der Suche nach Gardinengewichten für eines ihrer anderen Projekte in einem Stoff- und Gardinenladen laden waren kam mir dort, wie sollte es auch anders sein, ein hübscher Jersey unter. £2.99 der Meter und nicht mehr viel auf der Rolle, etwa 1,5m – ich denke, viel mehr brauche ich nicht sagen, oder? So weitete sich der Plan also von „A. helfen und ein paar T-Shirts einnähen“ um einen Rock aus und ich stolzierte um £4.50 ärmer mit einem Beutel Stoff heim. (Okay, streng genommen wurde ich heimgefahren und war um einiges mehr ärmer, weil ich hinterher noch Schuhe und Klamotten für zukünftige Peak District-Trips gekauft und einen größeren Einkauf bei Aldi getätigt habe – wenn mir schon mal ein Auto zur Verfügung steht und ich nicht alles schleppen muss…)

Das Wochenende haben wir dann auch gut kreativ genutzt: los ging’s mit dem Vorbereiten von Panini-Broten, die später gebacken und noch später belegt, gegrillt und gefuttert wurden, dazwischen wurde fleißig Stoff geschnippelt, gebügelt und genäht und anschließend durften noch ein paar Angel’s Foodcakes in der Hölle schmoren im Backofen schwitzen. A. hat erstmal eine einfache, luftige Bluse genäht, quasi ein großes Rechteck mit Ausschnitt, und ich wurde ein bisschen von den Massen meines Stoffes davongetragen…

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So sieht übrigens die Nähmaschine aus. Die Stichwahl ist auf den ersten (und zweiten und dritten, …) Blick ziemlich konfus gestaltet und es half nicht, dass der linke Schalter nicht etwa auf Position „A“ stehen muss wenn man die damit gekennzeichneten Stiche will, sondern nach oben zeigen muss. Aber wir hatten ja ein Reststück zum rumspielen, an dem wir uns dann meistens vorher vergewissert haben, dass wir auch wirklich den richtigen Stich erwischt haben, bevor es an die Klammotte ging.

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Um das also mal zu erklären: oben gibt es quasi 2 Reihen und 2 Spalten Stiche, die in verschiedenen Farben gekennzeichnet sind. Neben der oberen Reihe steht zusätzlich ein A, neben der unteren ein B, und über allen Stichen gibt es quasi ein kleines Fenster, ein bisschen wie die Indikatoren an Toilettentüren. Man muss also erstmal einstellen ob A (bzw. „oben“) oder B und dann den Ring um diesen Schalter herum drehen um die ToilettenIndikatoren zu bewegen.  Die bewegen sich aber in beiden Spalten gleichzeitig, also parallel zueinander, weshalb man dann an den anderen Rädern die Farbe anwählen muss, mit der der gewünschte Stich gekennzeichnet ist. Gleichzeitig stellt man an diesen Rädern aber auch noch Stichlänge und -breite ein (An dieser Stelle muss ich lobend anmerken, dass die Maschine die Nadel auch nach rechts stellen kann, was ich bei den meisten modernen Maschinen schmerzlich vermisse.) und muss deshalb dabei aufpassen, dass man nicht aus Versehen zu einer anderen Farbe und damit einem anderen Stich wechselt…

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Aber zum Glück hatten wir ja die üblichen, fleißigen Helfer, die uns mit Rat und Tatze zur Seite standen. Sowohl beim Messen, …

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Zuschneiden…

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… und nähen als auch bei der finalen Anprobe:

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Von der Nähhilfe gibt es leider kein Bild, weil mein Handy und A. beide in einem Zimmer waren als die Katze es sich auf meinem Schoß gemütlich machte während ich an der Nähmaschine saß. Etwas irritiert hat sie dann aber schon auf’s Füßchen geguckt als ich wieder anfang zu nähen…

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Ganz uneigennützig war diese Hilfestellung von den Pelzträgern natürlich nicht, denn für sie ist auch was abgefallen.

Ninja3Und das nicht nur beim Nähen…

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Mein ursprünglicher Plan als ich den Stoff gesehen hatte war eine Art Tellerrock mit Zipfeln, also quasi einfach ein Quadrat mit Bund. (Irgendwie habe ich hierfür den Begriff „handkerchief skirt“ im Hinterkopf?) Das hab ich mir mit den Streifen, die dadurch ja in verschiedene Richtungen laufen, ganz hübsch vorgestellt, und siehe da:

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Der Plan ging auf. Als Bund habe ich einfach einen langen Streifen Jersey genommen, den ich dann umgeschlagen habe. Kann man aber natürlich auch un-gekrempelt als längeren Rock tragen, und sogar als Top macht das Ganze erstaunlich gut. (Hab ich aber natürlich vergessen zu fotografieren.)

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Weil damit von knappen 1,6m Stoff natürlich noch eine ganze Menge übrig war habe ich als nächstes einen Shrug genäht. Hier ist die Einfassung finde ich ein bisschen labbrig geworden, da würde ich beim nächsten Mal einen kürzeren Streifen nehmen und ihn leicht gedehnt annähen, sodass das Ganze besser anliegt.

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Aber so schlimm ist es auch wieder nicht. Da so ein Shrug aber natürlich nicht viel Stoff frisst durfte auch noch ein Top her. Weil wir keine Zwillingsnadel zur Hand hatten habe ich das übrigens mit dem elastischen ZickZack gesäumt – ihr wisst schon, diesem dreigeteilten ZickZack. Das gefällt mir sogar überraschen gut, ich glaube, das werde ich jetzt öfter machen.

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Am Ende des Wochenendes stellte A. also fest, dass ich quasi ein gesamtes Outfit genäht hatte und fragte amüsiert bis erstaunt: „Wie viel hat der Stoff nochmal gekostet? £4.50?“ Die letzten Reste hab ich nämlich auch noch zu einem kurzen Loopschal verarbeitet.

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Etwas weniger amüsiert war zumindest ich allerdings als ich mich, wieder daheim, in mein WiFi einwählte und etwa 10 WhatsApp-Nachrichten und 2 E-Mails meiner Eltern und meines Freundes fand, die panisch fragten, ob ich noch lebe und offenbar jederzeit bereit waren, einen Suchtrupp loszuschicken – weil ich mal ganze 30 Stunden nicht online war.
Obwohl ich vorher gesagt hatte, dass ich am Wochenende zu A. gehe und mich auch schon mehrfach darüber ausgelassen hatte, dass ich keine mobilen Daten habe weil die Mobilfunkanbieter hier mir derzeit aus ungeklärten Gründen selbst die günstigsten Verträge verweigern.
Obwohl ich zuletzt Samstags gegen Mittag online gewesen war und WhatsApp ihnen das anzeigt.
Obwohl es deshalb natürlich überhaupt keinen Sinn macht, mir 10 Nachrichten zu schicken und um Antwort zu bitten, wenn ich  die erste noch nicht gelesen habe.
Obwohl meine Mutter im gleichen Atemzug fragte, ob ich denn meine neuen Wandersachen schon ausprobiert habe, und ich, so ich es denn getan hätte, im Peak District natürlich auch keinen Empfang oder Internet gehabt hätte.
Obwohl es für mich gar nicht ungewöhnlich ist, mal eine Weile nicht online zu sein, weil ich nicht zu denjenigen gehöre, denen das Handy quasi an der Handfläche festgewachsen ist, sondern das Ding insbesondere in guter Gesellschaft gut und gerne auch mal beiseite legen kann und möchte.
Obwohl ich bereits mehrfach klargestellt habe, dass ich gar nicht rund um die Uhr erreichbar sein will und mir diese Erwartungshaltung ziemlich stinkt.
Dennoch hat mein Freund offenbar sogar mehrere meiner Freunde hier in Sheffield bei Facebook angeschrieben weil sie ja „seit Tagen“ nichts von mir gehört hätten. Es ist ja lieb und nett, dass sie sich Sorgen um mich machen, aber seit wann bitte ist von Samstag Mittag bis Sonntag früher Abend „seit Tagen“?! (Zumal ich meine harmlosen Pläne ja angekündigt und man sie offenbar nur mal wieder vergessen hatte…) Mir hat diese unnütze Flut an Nachrichten voller Erwartungshaltung dass ich doch bitte gefälligst online zu sein und mich zu melden habe jedenfalls irgendwie einen ganz schönen Dämpfer verpasst und etwas die Stimmung nach einem eigentlich tollen Wochenende verdorben.

Die Tücken der modernen Kommunikation…

Kreise ohne Ende

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Zugegeben, viel ist hier nähtechnisch in letzter Zeit nicht passiert, aber auch wenn ich anderen Bereichen fleißiger war kann man trotzdem nicht behaupten, dass ich an der Nähmaschine ganz faul gewesen sei. Neben ein paar kleineren Arbeiten auf dem Weg zur Vollendung einiger Teile hab ich seit dem Stoffmarkt vor allem eins gemacht: Schals genäht.  Das geht schnell, in den letzten Wochen war einiges los, und hat den Vorteil, dass ich meine Einkäufe auch wenn sie nicht für mich waren nicht gleich komplett wieder auf die Stoffbilanz aufschlagen muss. Oder eben Wahlweise das Plus gleich wieder mit dem Minus ausgleiche.

Angefangen hat alles mit diesem Schlauchschal, auch genannt „Loop“, den ich meiner Mutter letztes Jahr zu Weihnachten genäht hatte. Den hat sie nämlich so oft und gerne getragen, dass wir beschlossen ich könne ja noch weitere von der Sorte nähen.

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Wie gesagt habe ich in den letzten Wochen die meisten Stoffe gleich verarbeitet, sodass ich hier eine kleine Armee von Loopschals zeigen kann:

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Als ich meiner Mutter dann den zweiten Schal innerhalb von zwei Tagen präsentierte fragte sie etwas überrascht, ob ich damit jetzt in Massenproduktion gehe und nur noch Loops nähe… und als ich laut überlegte, meine Tante und meine Oma ebenfalls mit einem Schal zu beglücken neckte sie mich doch glatt ob ich nicht ein Kleingewerbe anmelden wolle. (Es folgten Fragen nach dem Preis der Stoffe und die Aussage damit könne man doch dann bei Preis X gut verdienen.)

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Zusätzlich zu den neu gekauften Stoffen habe ich auch noch einen bereits bekannten verarbeitet als mir spontan einfiel, dass ich meiner Cousine zum Geburtstag auch einen Loop schenken könnte. Da das Reststück genau die richtige Länge dafür hatte habe ich übrigens gleich 2 Schals daraus gemacht, einen für sie und einen für mich. Auf die Fotos geschafft hat es dann nur noch meiner, ihrer zierte nämlich gleich beim Geburtstagsessen ihren Hals.

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Witzige Begebenheit an dieser Stelle: mein Tartanrock hat innerhalb einer Woche gleich zwei Leute wie sie unterschiedlicher kaum sein könnten so beeindruckt, dass mir beide süße Komplimente gemacht haben. Zuerst schlich in der Fußgängerzone plötzlich eine betagte Omi geheimnisvoll mit verengten Augen und im Seitwärtschritt auf mich zu um mir im Vorbeigehen ein „Schick sehen Sie aus!“ ins Ohr zu flüstern, und dann habe ich es bei besagtem Geburtstagsessen nicht mal bis zu den Tellern des mongolischen Buffets geschaft ehe ich von der Kellnerin mit einem „Darf ich Ihnen was sagen? Sie haben einen tollen Rock an! Darf ich fragen, wo Sie den gekauft haben?“ aufgehalten wurde. Daheim wurde mir gleich wieder gesagt ich hätte ja einen Auftrag draus machen können… so viel zum Thema Kleingewerbe.

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Dabei ist sie diejenige, die mir regelmäßig mit „Du hast doch schon so viel Stoff!“ oder „Wo soll das denn alles hin? Wir haben keinen Platz!“ kommt. Mir scheint, den Gedanken hat sie nicht ganz zu Ende gedacht…

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Aber das hat sie wohl bei dem Wunsch nach Schals auch nicht, denn jetzt hat sie festgestellt, dass der Flurschrank ja irgendwie auch schon viel zu gut mit selbigen gefüllt ist.

Schals 7
Wenn ihr mich fragt: Kein Wunder! (Langsam kann ich keine Loops mehr sehen…)

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Schaluze oder Kapuzal?

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Ihr werdet euch jetzt vielleicht denken: „Bitte was? Was faselt die denn da?“ (Jetzt hätte ich fast fusselt geschrieben. Nomen est omen.) Tja, das kann ich euch erklären.

Als ob es nicht schon schwierig genug wäre, Wintermäntel zu finden, die passen, scheint es auch noch kaum Mäntel zu geben, die eine Kapuze haben. Geschweige denn beides. Dabei finde ich das gerade im Winter bei englischem unberechenbarem Wetter echt praktisch wenn man mal einen Satz warme Ohren oder Schutz vor Regen, Schnee und dergleichen braucht.

Mittlerweile habe ich zwar einen Mantel mit Rückenschnürung zwecks Passform und Kapuze, aber ich habe eben auch noch was ohne Kapuze. Und das hat mich letzte Saison regelmäßig fluchen lassen wenn es mal wieder unvermittelt anfing zu regnen und ich natürlich auch keinen Schirm dabei hatte. Schon damals fasste ich also den Entschluss, mir einen Kapuzenschal zu nähen. Was offensichtlich bis diesen Herbst gedauert hat. (Ich schwöre, ich musste wirklich nur noch die Taschen annähen und Fotos machen!) Aber jetzt ist er endlich fertig. Und weil mir „Kapuzenschal“ als Überschrift etwas langweilig erschien und ich ohnehin eine gewisse frühkindlich antrainierte Affinität zu dämlichen Wortspielen und Neologismen habe (ich sag nur „eine Kuh, viele Kuchen“…) überlegte ich, selbstverständlich nicht ganz ernsthaft, ob wohl Kapuzenschal oder Schalkapuze besser klinge.

Das ist sie also, die beinahe eierlegende Wollmilchsau, deren Taschen im wahren Leben nicht annähernd so schief sind, wie es auf dem Bild mal wieder aussieht:

1-12 2013Schwarzer Fleece, bestickte Taschen für warme Pfoten und Deko und Kapuze für warme Ohren. Letztere ist übrigens mit einem dünnen Baumwoll-Polygemisch gefüttert damit meine Haare sich nicht so aufladen. Dafür hab ich den einlagigen Schal einfach zwischen den Nahtzugaben der beiden Kapuzen mitgefasst.

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Und weil mir ein einfacher schwarzer Schal inbesondere zu einem dunklen Mantel nicht peppig genug war gab es selbstverständlich auch noch Stickerei, nämlich die genialen Steampunkschneeflocken von Urban Threads. (Bei denen ich übrigens fest davon ausgegangen war sie schon zu besitzen und erst als ich Garn raussuchen wollte feststellte, dass dem nicht so war. Netterweise kam mir UT dann aber wenige Tage später mit einem Sale entgegen.) Die eine Seite hat jedenfalls Flocken mit silbernen „Stacheln“, die andere hat goldene und überhaupt hab ich versucht, die Farben ein bisschen durchzumischen. Leider finde ich es oftmals gar nicht so einfach anhand der Garnliste und Bilder festzustellen, welches Teil jetzt womit gemeint ist, insofern passiert das fast zwangsläufig ohnehin und da ist so eine Zahnradansammlung in Metalltönen noch deutlich dankbarer für als andere Motive. (Ich habe beispielsweise mal übersehen, dass die Segel dieses Schiffs nicht ausgefüllt sind – auf dem dunkelgrünem Grund der Handyladestationen kam das dann allerdings nicht so gut…)

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Die  Taschen hätte ich eigentlich lieber direkt am Schal gehabt, aber das gab die ohnehin schon beträchliche Länge des Stoffs leider nicht mehr her.

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Ursprünglich sollte es das auch schon gewesen sein, aber dann stolperte ich bei der zu Inspirationszwecken angesehen UT-Anleitung über diese kongeniale Idee und ließ mich gerne dazu hinreißen, auch noch eine Art Stulpen in die Taschen einzubauen.

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Dazu wird auf der Rückseite der Tasche in der Nähe der Oberkante ein Schlitz in den Schal geschnitten, in den die kurze Stulpe genäht wird. So kann man die Hand in der Stulpe sowohl in die Tasche stecken als auch die Tasche am Handgelenk baumeln lassen und die Hand frei haben.

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Das ist sicher ein veritabler Ersatz für die Tage, an denen man auch keine Handschuhe dabei hat, weil es morgens strahlend sonnig und verhältnismäßig warm war. Vorausgesetzt man muss nichts in der Hand tragen, aber selbst da sind „halbe“ Handschuhe mit Schalzipfel dran besser als gar keine.

Übrigens ist der Hybrid gerade rechtzeitig fertig geworden, denn als ich am nächsten Morgen das Rollo hochzog begrüßte mich dieser Anblick:20.1.2013(Nein, ich weiß nicht, warum da ein Kühlschrank unter meinem Fenster steht. Am Abend hab ich aber zufällig ein Spaziergängerpärchen dabei beobachtet, wie es ihn neugierig inspiziert und anschließend, nach dem Schreck über eine abbrechende Schneeplatte, die gesamte Inneneinrichtung mitgenommen hat. Ist doch auch mal was, kommt man von einem Schneespaziergang nicht nur mit nassen Turnschuhen sondern auch mit Einlegebögen und Schubladen für den Kühlschrank heim. Natürlich haben ihn kurz darauf ein paar Halbstarke um- und weitestgehend zerlegt. Freilaufende Kühlschränke haben’s schon nicht leicht.)

20.1.2013 (8)Mittlerweile ist der Schnee übrigens wieder weggetaut, vermutlich eine Wohltat für das Funktionieren (falls man das so nennen kann) der englischen Gesellschaft und des allgemeinen Lebens. (O-Ton Mutter: „Bei dir liegt Schnee? Und, ist das Leben in England schon zusammengebrochen?“)

Das Januar-Projekt von 12/12 ist übrigens auch schon fertig, aber bedarf wohl noch einer kleinen kosmetischen Änderung, von der ich momentan noch nicht ganz sicher bin wann ich mich dazu werde aufraffen können. Aber diesen Monat war ich ja blogtechnisch ausnahmsweise schon mal fleißig,  also darf das notfalls auch bis Februar warten.