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Anfang September habe ich auf Instagram einen hübschen Häkelschal entdeckt, der es mir sofort angetan hatte. (Nein, ist nicht immer alles nur noch Pinterest hier. ;)) Netterweise lies sich über die Hashtags auch gleich leicht rausfinden, dass das schöne Teil – warum auch immer – Virus shawl heißt. Google hat mich dann bei Ravelry schnell auf eine Anleitung bzw. Häkelschrift gestoßen und anderswo auf eine Bilderanleitung auf facebook. Also hab ich während einer „Wochenendschicht“ in der Uni fix die Häkelschrift ausgedruckt und bin sonntags, nach Verlassen des sinkenden Schiffs (Toll wenn man sein Wochenende opfert und es dann trotzdem nicht funktioniert, oder?) und spätem Mittagessen mit einer Freundin, die ich viel zu lange nicht gesehen hatte, noch schnell zu Poundstretcher gespurtet und habe Wolle mit Farbverlauf gekauft. Da hatte ich schon mal so schöne gesehen und sie damals nicht mitgenommen, weil ich dachte „Nee, brauch erstmal die andere auf…“ (Hab ich natürlich nicht, das ist genau wie mit Stoff!), und jetzt war die Auswahl dann doch eher bescheiden, aber immerhin graue hatten sie noch. Die fand ich dann eigentlich doch ganz hübsch und für mich tragbar (eine der wenigen Alternativen war pink *grusel*). Außerdem wollte ich ja 2 Tage später auf der Zugfahrt zur Konferenz das Tuch häkeln und den nächsten Tag zum Ausgleich das Haus mal nicht verlassen. An den fehlenden Daten für die Konferenz war ja eh nichts mehr zu machen…

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Noch am selben Abend hab ich also mit dem Häkeln angefangen und mich dabei erstmal an der Bilderanleitung orientiert, die mich dann aber sehr schnell verwirrt hat. Warum? Weil da von 10 und 5 Luftmaschen (jetzt hatte ich doch tatsächlich Laufmaschen geschrieben…) die Rede war, in meiner Häkelschrift und der Videoanleitung (die ich, wie ich gestehen muss, wegen des schrecklichen deutschen Akzents im Englischen gar nicht angucken wollte/konnte) aber nur von 7 und 4. Gut, geht sicher beides, aber ausgedruckt hatte ich ja nun mal 7 und 4. Auch wenn, wie ich blöderweise erst daheim feststellte, dummerweise der Rand fehlte, weil das Muster nicht auf A4 skaliert ist. Also hab ich mit 7 und 4 weitergehäkelt und mich prompt bei der mittleren Luftmaschenkette gewundert, was da jetzt Sache ist. Da steht nämlich 7 auf der Häkelschrift, eingezeichnet sind aber 10 Punkte, die Luftmaschen darstellen. Weil da in der nächsten Reihe 10 Stäbchen reinsollen ging ich davon aus, dass da nur jemand die Nummern geändert hat und es zumindest beides mal die gleiche Anzahl sein sollte, aber im Video (musste ich mir dann ja doch zumindest teilweise ansehen) wurden tatsächlich 10 Stäbchen in den Zwischenraum der 7 Luftmaschen gehäkelt. Nachdem diese Unklarheiten beseitigt waren ging es dann aber mit dem Häkeln doch schnell voran und ich musste mich etwas bremsen, nicht schon Sonntag Abend und Montag ordentlich vorzuhäkeln – schließlich wollte ich ja Beschäftigung für die Zugfahrt.

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Auf eben dieser hab ich dann auch fleißig weitergehäkelt (unter zwischenzeitlichem Einwurf eines der mitreisenden Dozenten: „Keep going, knaxgurke.“), sogar so fleißig, dass ich doch noch ein zweites Knäuel Wolle aus dem Gepäck fischen musste. (Zum Glück hatte ich es in weiser Vorraussicht in die Außentasche gesteckt, sodass ich leicht dran kam.) Von dem hab ich dann auch mehr gebraucht als angenommen. Bei der Anleitung war der Garnverbrauch nämlich dummerweise nur in Metern angegeben – aber auf der Banderole meiner Wolle waren natürlich nur Gramm (immerhin keine Unzen) und keine Meter zu finden. Aber weil die Wolle schön ist und nur £2.99 kostete hatte ich spontan alle 3 Knäuel mitgenommen, die ich finden konnte.

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Auf der Rückreise von der Konferenz hab ich das Teil dann, ziemlich überrascht und vom Glück beflügelt, einen Preis für den besten Karriereeinsteiger-/Studentenvortrag gewonnen zu haben, fast fertig gehäkelt. Fast deshalb, weil ich natürlich zwischendrin mal einen Fehler gemacht hatte und eine halbe bis ganze Reihe wieder aufribbeln musste, die mir dann bei der Ankunft in Sheffield gefehlt hat. Da war die letzte Reihe nämlich zu gut 2/3 fertig, aber die hab ich dann eben am nächsten Abend auf dem Sofa schnell erledigt.

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Gehäkelt habe ich das Ganze übrigens mit einer 4mm-Häkelnadel und die Wolle scheint ein für den Billigschuppen eigens fabriziertes oder umetikettiertes Model zu sein, denn die Banderole sagt überaus aufschlussreich nur „Colour Blend Yarn“, Shade Z894 und ein paar wenige Infos zu Maschenprobe, Waschtemperatur und Material (100% Acryl). Ein paar Fehler waren auch im Garn, wo quasi ein loses Ende mitten aus dem Faden rausstand, aber na ja… was soll man von 2.99 für 150g auch groß erwarten?

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Wie ihr seht ist das Ding übrigens breiter als ich groß… Außerdem wiegt es fertig 274g und lässt sich auch schön von einer Flexi 8 zusammenhalten (hier in Größe S, die sonst meistens meine Pferdeschwänze zusammenhält).

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Aber auch rumblödeln lässt sich damit prima: Flieg, Vogel, flieg!

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Ja, ich weiß, ich habe einen Vogel.

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Das Spannen des Tuchs war übrigens auch sehr… spannend. (Aber leider notwendig, vorher hat man die kleinen „Schuppen“ gar nicht richtig gesehen.) Die liebe Schmunsel, bei der ich das Muster glaube ich auch entdeckt hatte, hat mir netterweise ein Foto ihrer Spannvorrichtung geschickt, da ich sowas noch nie gemacht hatte. Aber mit Teppich ist es eben etwas doof, ein trotz kräftigen Auswringen tropfnasses Tuch aufzuhängen… Ich habe also Plasiktüten untergelegt, aber darauf hat sich im Nu eine Pfütze gebildet, die sich dann bei einer falschen Bewegung doch auf den Teppich ergossen hat. Außerdem hing das Tuch ziemlich schief, weil der Türknauf des Schranks natürlich nicht auf gleicher Höhe mit dem Fenstergriff war.

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Letzenendes bin ich dann zum Glück doch noch auf die Idee bekommen, die Wäscheleine statt um den Türknauf um eine der Lamellen der Schranktür zu knoten, und das hat zu meiner großen Erleichterung auch gehalten, ohne die Lamelle zu zerlegen. Puh! Und siehe da, dann hing das Ganze auch hoch genug um einen Eimer unterzustellen, der dem finalen Füllstand nach auch dringend nötig war.

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In der linken Ecke: Rot!

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In letzter Zeit habe ich ja wieder häufiger gehäkelt, in Ermangelung einer Nähmaschine. Da ich gehäkelten Kleidungsstücken gegenüber aber erstmal skeptisch (oder einfallslos, wie mein Pinterestboard jetzt zeigt) war brachte mich Goldkind freundlicherweise auf die Idee, ich könne doch eine Decke häkeln, zum Beispiel Granny Squares. Statt in quietschbunt mit nur einigen ausgewählten Farben. Die Idee gefiel mir, also habe ich mich auf die Suche nach passenden Mustern gemacht und ganze Tage auf Pinterest und Ravelry zugebracht. (Randnotiz: Macht euch auf eine Bilderflut [neudeutsch: „picspam“] gefasst.)

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Das Muster, mit dem Goldkind mich angefixt hatte, finde ich nach wie vor toll, aber mal abgesehen davon, dass es mein Können womöglich doch noch um einiges übersteigt: für eine warme Decke wollte ich eigentlich nicht unbedingt so viele Löcher. Verschiedene andere Muster haben mir auch gut gefallen, auch wenn nicht alle Granny Squares waren. Einerseits wollte ich gerne etwas geekiges, zum Beispiels Star Wars oder ein Periodensystem oder Totenköpfe, aber irgendwie wollte sich da auch nichts 100%ig passendes, abwechslungsreiches ohne tausend Löcher finden lassen, und andererseits sind andere Muster ja schon auch schön… Zwischenzeitlich habe ich mich Hals über Kopf in Buntglasdesigns verliebt, die aber a.) leider alle Kaufmuster zu sein scheinen und b.) mein Können vermutlich auch etwas überschreiten. Sowas steht zwar für die Zukunft auf jeden Fall auch noch auf meiner Liste, aber ich glaube, so viele Decken, wie ich nach meiner Mustersuche häkeln wollte, kann ich meinen Lebtag lang nicht brauchen. Geschweige denn auf meinem Zweisitzersofa unterbringen.

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Nach langer Recherche und noch längerem hin und her überlegen habe ich mich schlussendlich für ein Muster entschieden, dass eigentlich ziemlich einfach – und keine Granny Squares – ist, aber mich insbesondere in der abgebildeten Farbkombination irgendwie nachhaltig begeistert hat: ein Corner to Corner (oder C2C) Afghan. (Warum das Ganze ausgerechnet Afghan heißt weiß ich übrigens auch nicht so genau.) Statt wie angedacht vier solcher Segmente zu machen wollte ich aber lieber nur eins, also eine Reihe Diagonalen wie auf dem Bild, das mir bei Pinterest als oberstes angezeigt wurde und mein Herz im Sturm erobert hat.

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Die Beschaffung der Wolle war nicht so ganz einfach, da es irgendwie von keiner Wolle alle benötigten Farben gab und ich so auf verschiedene Hersteller zurückgreifen musste, aber im Endeffekt hat es doch geklappt. Die rote und hellgraue Wolle sind zwar etwas dicker als die restlichen Farben, aber zum Glück nur minimal. Die dunkelgraue Wolle sah dafür auf dem Foto viel dunkler aus als in echt, sodass der Kontrast nicht ganz so stark ist wie gewünscht, aber ich finde es noch in Ordnung.
Ein weiteres Problem war, dass ich überhaupt nicht einschätzen konnte, wie viel Wolle ich brauchen werde. Beim ravelry-Projekt stand nur irgendwo in den Kommentaren, dass von jeder Farbe in Etwa gleich viel gebraucht worden sei, aber da ich ja nicht das komplette 4-teilige Muster gehäkelt habe stimmte das bei mir, wie sich später rausstellte, auch nicht.

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Ich habe jedenfalls von jeder Farbe großzügige 500g gekauft, außer von Hellgrau und Rot, die in 400g-Knäulen kamen. Das stellte sich als maßlose Fehlkalkulation heraus, denn ich habe gerade mal einen Bruchteil davon gebraucht. Um genau zu sein 73g Rot, 109g Dunkelrot, 118g Schwarz, 131g Dunkelgrau, 170g Hellgrau und gerade mal 62g Weiß, gemessen nach dem Prinzip „angeblich wog das Knäuel vorher x g, jetzt noch y, also hab ich sowie verbraucht“. Da die fertige Decke 684g wiegt (so gut sich das halt auf einer kleinen Küchenwaage wiegen lässt) kann das so auch nicht 100% (jetzt hatte ich doch tatsächlich „100g“ geschrieben…) hinhauen, aber ich gehe einfach mal davon aus, dass die Knäule im Zweifelsfall etwas mehr wogen.
Was die Größe angeht misst die Decke übrigens 130×184 cm, da ich pro Farbe immer 5 statt nur 3 Reihen gehäkelt habe. Irgendwo muss ich die fehlenden 3 Rechtecke des Originalpuzzles ja wieder wett machen. Im Übrigen habe ich mich auch beim Zeitaufwand ziemlich verschätzt, die Decke war nämlich nach nicht mal 2 Wochen fertig und ist somit viel schneller gewachsen als ich gedacht hatte. Diese kleinen Quadrate sind aber auch irgendwie süchtig-machend. „Nur noch diese Reihe fertig… Nur noch das erste Quadrat der neuen Reihe… Okay, nur noch diese eine Reihe… Jetzt aber wirklich…“ – ich konnte die Decke einfach nicht mehr aus der Hand legen und musste mich Abends regelmäßig zwingen, endlich ins Bett zu gehen statt zig mal „nur noch eine Reihe“ zu häkeln.

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Deshalb hat es mich auch gar nicht soo sehr geärgert, als ich einmal fast am Ende einer Reihe festgestellt habe, dass ich in der davor einen dummen Fehler gemacht hatte und deshalb die je 125cm beider Reihen nochmal aufribbeln und 250cm neu häkeln musste. Hat ja aber auch nicht lange gedauert.

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Jedenfalls kann man es sich mit der Decke ordentlich auf der Couch bequem machen:

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Na ja – so bequem es halt auf der blöden Mini-Couch geht.

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Generell kann man aber in allen möglichen Positionen damit auf der Couch lümmeln:

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Kurz gesagt: ich liebe meine neue Decke. 🙂 Auch wenn sie durch die Quadrate zugegebenermaßen doch gelegentlich mehr Löcher hat als vorgesehen beziehungsweise ziemlich elastisch ist wenn man sie zum Beispiel hochhebt oder -zieht. Aber das ist schon in Ordnung so. Decke5