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Tanzdiktator? – Tanzkleid Nummer 2 und andere Probleme

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Nachdem ich euch letztens mein Latein-Tanzkleid gezeigt habe ist heute das Standard-Kleid dran. Die sind für gewöhnlich länger, irgendwo zwischen über-knie- und fast bodenlang. Hierzu hätte ich eigentlich eine Regel in den kuriosen Regularien erwartet, nicht kürzer als X, Latein nicht länger als Y oder so, aber nein, dazu gibt’s natürlich nichts, nur Hörensagen und „also ein bisschen länger wäre schon besser“.


Ich hab mich also nach langem hin und her überlegen für fast bodenlang entschieden, aber dann ist ja noch das Problem, dass der Rock auch weit genug sein muss, dass man darin ausladende Schritte machen und der Partner einem zwischen die Füße treten kann. Ein Tellerrock erschien mir dann aber doch wieder zu voluminös, da hätte ich mich wahrscheinlich in dem Fall nur im Stoff verheddert. Außerdem wollte ich gerne ein Kleid in Wickeloptik ohne Mittelnaht, also ohne separat angesetzten Rock.

Das war dann irgendwie gar nicht so einfach zu bewerkstelligen mit der gegebenen Stoffbreite und dem gewünschten Saumumfang, deshalb ist der Rock auch etwas asymmetrisch geworden. Im Nachhinein wäre es vielleicht doch besser gewesen, mehr Nähte in Kauf zu nehmen, aber hinterher ist man ja immer schlauer. Hier sieht man übrigens auch ganz gut, was ich damit meinte, dass der Stoff ziemlich knittert.

Überhaupt war hier einiges an Konstruktion involviert, weil ich nicht nur eine Wickeloptik wollten, sondern das Ganze mit Querfalten noch etwas interessanter gestalten wollte. Sieht wahrscheinlich auf dem Parkett eh keiner, aber nun denn…
So habe ich jedenfalls vorne und hinten je 4 schräg verlaufende Falten ins Oberteil konstruiert und vorne dann auch noch mal 2 im oberen Bereich des Rocks. Die habe ich dann mehrere Turniere später auch endlich per Hand mehr oder weniger unsichtbar festgenäht, damit sie nicht immer hocklappen. Insbesondere hinten hätte ich mir das Gefalte allerdings auch sparen können, denn das sieht finde ich im Endeffekt nur zerknittert aus und die meiste Zeit sieht man es sowieso nicht. Dafür gefällt es mir von vorne gut, und wie gesagt: hinterher ist man immer schlauer.


Selbiges gilt übrigens auch für diesen Tanzverein an sich. Ich hab ja neulich schon erwähnt, dass da einiges im Argen liegt, aber dieses Jahr war es dann auch nicht viel besser. Meine Partnerin war zwar lieb und nett, aber vor dem ersten Turnier find dann Miss Teamcaptain an, dass wir doch am besten bitte alle eine Art Team-Uniform für die Turniere kaufen sollten, am liebsten komplett schwarz und ggf. einen blauen Gürtel, oder notfalls ein schwarzes Top und einen blauen Rock oder so. Da blau die Teamfarbe ist macht das ja gewissermaßen noch Sinn, aber eine Uniform? Auch noch komplett schwarz? In einem Sport, wo auffallen quasi die halbe Miete ist? Noch dazu, wenn die meisten ohnehin schon Turnierklamotten haben? Und Miss Teamcaptain selbst ein rotes Latein-Kleid trägt? Na danke auch! Da haben meine Partnerin und ich intern schon Alarm geschlagen und ich musste mir dann tatsächlich erstmal bestätigen lassen, dass ich meine extra hierfür frisch selbstgenähten Kleider, die ich bis dato genau einmal angehabt hatte, auch weiterhin tragen durfte.

Dem war dann glücklicherweise auch so, sonst wäre ohnehin die Hölle los gewesen, aber wie gesagt, das änderte leider nichts daran, dass der Trupp alles in allem trotzdem ein Saftladen ist. Meine Partnerin und ich waren gleichermaßen frustriert und angepisst über den fehlenden Input, denn die meiste Zeit tanzten wir nur durch den Raum und bekamen doch keine Rückmeldung, Verbesserungsvorschläge oder irgendetwas, was man von einer Lehrstunde eigentlich erwarten würde. (Ich habe mir dementsprechend oft vorbehalten, den „Tanzunterricht“ nicht zu bezahlen, da ich ja nicht unterrichtet wurde sondern nur so vor mich hin übte – und das hätte ich genau so gut woanders machen können.) Daran hatte sich also seit dem Vorjahr nichts geändert… Überraschung. Noch besser wurde das Ganze natürlich, als meine Partnerin dann für eine Weile für eine Fortbildung weg musste und nicht zum tanzen kommen konnte – ergo tanzte ich alleine vor mich hin und wurde erst Recht ignoriert. Für zwei Turniere habe ich mir dann quasi „Blind Dates“ von anderen Unis organisiert, die ich erst am Tag des Turniers kennen lernte.

Bei dieser Dame aus Leicester hat das gut geklappt, ich habe vorher per YouTube ihre Schrittfolgen gelernt (Ja, ihr Team hat sowas nützliches online gestellt!) und wir haben uns blendend verstanden, bei einem Herren aus Durham lief das leider nicht so gut. Nicht nur war er ein ziemlich besserwisserischer Meckerheini, nein, er meinte auch, wir könnten die Schrittfolgen ja am Tag des Turniers zusammen aus dem Ärmel schütteln, wollte dann aber im Endeffekt doch, dass ich seine Schritte tanze und war genervt, wenn ich nach so kurzer Zeit und ohne Übung eben doch mal was vergaß (oder seine „Führkünste“ unklar waren). Noch dazu, wo ich zu diesem Zeitpunkt schon 1 oder 2 Wochen nicht mehr getanzt hatte, weil ich die Nase von dem Saftladen gründlich voll hatte.
Nachdem ich in der Technikstunde vor dem Turnier mit dem Blödmann nämlich trotz ingesamt 7 Teilnehmern konsequent ignoriert worden war und die ganze Stunde lang alleine vor mich hingetanzt hatte, während die 2-3 Lehrer sich intensiv mit den 3 Paaren beschäftigen, hatte ich dann nämlich auch endlich endgültig den Schlussstrich gezogen, bin nicht mehr hingegangen und habe mich von den Lehrer ferngehalten.

Mit der geliehenden Partnerin aus Leicester bin ich dann allerdings trotzdem noch zum „großen Turnier“ nach Blackpool gefahren, notgedrungen eben mit „meinem Team“ in einem Bus. Das ist quasi die Nationalrunde der Unis, wo dann auch mal die südlichen und nördlichen Kreise aufeinander treffen und natürlich unter dem Schirmverein, der auch die dämlichen Regeln macht. Also falls sich jemand fragt, wie’s so im Innern der Blackpool Wintergardens aussieht, das ist einer der Ballsäle und das Bild weiter oben zeigt meine „Leihgabe“ und mich im Flur (!) auf dem Weg zur sogenannten „Spanish Hall“, ein weiterer, kleinerer Ballsaal, der ziemlich cool dekoriert ist.
Unter anderem da es zuvor auch zwischen Miss Teamcaptain und mir nochmal zum Eklat kam und weil „mein Team“ mich mit fremden Partnern ohnehin nicht anfeuerte und ich von diesem ganzen Getue die Nase voll hatte habe ich mich dann auch den ganzen Tag bei meiner Partnerin und dem überaus netten Team Leicester aufgehalten. Da hatte ich mittlerweile nämlich auch schon ein paar Freundschaften geschlossen, und ohnehin stellte sich das spätestens dann als gute Entscheidung raus, als in der Facebook-Teamnachricht die Mobbingkeule ausgepackt wurde und bekanntgegeben wurde, dass es einen pink glitzernden Cowboyhut gebe, den ab jetzt immer derjenige mit dem wenigsten „Teamspirit“ (anfeuern und so weiter, was ja eh immer nur sporadisch passierte) aufgesetzt bekomme und der dann am Abend der Person, die den ganzen Tag über den wenigstens Teamgeist gezeigt habe, als „Tagespreis“ für die Verwahrung zur Nacht übergeben werde. So nett die meisten Leute sonst normalerweise auch waren, da hätte ich dann echt kotzen können.


Aber ich hatte es ja gut bei Leicester, habe ich eben mit meiner Leihgabe rumgeblödelt 😀 (Bei diesem interessant geschnittenen Teamkleid konnte ich mir diese Miene echt nicht verkneifen!) und hatte einen schönen Tag mit einem anderen, tollen Team. Das hat mich übrigens sogar zu seinem Jahresabschlussball eingeladen (Das war dann sogar das 3. Mal, dass ich sie besucht habe.) und mir und einem anderen ausgeliehenen Herren je eine Ehrenmedaille dafür verliehen, dass wir für ihr Team getanzt haben! So viel zum Thema Wertschätzung, nicht wahr? Die einen verteilen mobbende Glitzerhüte, die anderen verleihen Medaillen… Irgendwie dünkt mir, dass eine Partei da die Essenz des Teamgeists und vor allem der Teambildung besser verstanden hat.


Aber zurück zum Kleid, das Ballkleid oben ist zwar auch selbst gekürzt, aber dennoch gekauft. Beim Tanzkleid hingegen kann ich euch noch ein Detail zeigen, das man auf den Fotos schlecht sieht, das mir aber mit am besten gefällt. Übrigens gar nicht so leicht zu fotografieren.

Diese Verrenkung ist ja dann schon fast künstlerisch geworden, dabei wollte ich nur die Raffungen an den Schultern festhalten. Die habe ich nämlich absichtlich etwas weiter zugeschnitten und dann eben mit Gummiband zusammengerafft um da noch ein bisschen Struktur reinzubringen. Das lässt sich natürlich unbedeutend leichter fotografieren, wenn man das Kleid nicht gerade an hat.

Ein anderer Aspekt des Turniertanz, abseits der kurios-strikten Kleiderordnung und der Tatsache, dass man ohne gescheite Lehrer natürlich nicht vorankommt, den ich nicht vermissen werde ist übrigens die Sache mit dem Selbstbräuner, den geschniegelten Haaren und dem Make-up. Anscheinend ist es auch noch ungeschriebenes Gesetz, dass man auf der Tanzfläche bitte wie eine in den Farbtopf gefallene Karotte auszusehen hat, denn blass geht ja gar nicht, da reflektiert man ja das Licht und sieht aus wie ein Geist (Na und?! BUH!) und die Haare haben offenbar auch wie festzementiert zu sitzen, denn lose, lockere oder gar abstehende Haare sind ja ein schändliches Zeichen des Schlampertums. Stimmen wir alle zu, nicht wahr? Was ist denn so schlimm daran, wenn die Haare ein bisschen mitschwingen und die Energie des Tanzens versprühen? Solche dämlichen Regeln können einem echt den ganzen Spaß an der Sache verderben…


So musste sogar ich schlussendlich klein beigeben und meinen Pony mit unsäglichen Mengen Haargel, – spray und -nadeln (mit selbstklebenden Glitzersteinchen-Dekobändern von Poundland dekoriert) zu bändigen versuchen, da ich zusehends dazu gebracht wurde, mir mit offenem Pony deplaziert vorzukommen. Es hat allerdings ein bisschen gedauert, bis ich dafür die richtige Technik gefunden hatte und nicht mehr nach dem letzten Einhorn aussah, denn bei meinem kurzen Pony ist das gar nicht so einfach. Auch das Endergebnis hält kritischen Augen oder Profis vermutlich nicht Stand, aber ich habe schlichtweg keine Lust, mir eine Tonne Haargel in die Haare zu schmieren, das ich schon ausschließlich für Tanzturniere gekauft habe, weil ich sowas sonst grundsätzlich nicht benutze. Immerhin hatte ich dann nach dem Turnier das Glück, meinen Zimmergenossinnen nach Ewigkeiten endlich den Schlüssel abschwatzen und so als erste duschen und vor allem den Glibber aus meinen Haaren waschen zu können. Die zweite hatte nämlich natürlich, typisch englisches Problem, schon kein heißes Wasser mehr.

Selbst beim Selbstbräuner habe ich schließlich zähneknirschend klein bei gegeben, vielleicht in der vagen Hoffnung, damit unsere tänzerischen Chancen etwas zu erhöhen, denn offensichtlich kommt es ja auf die Präsentation an – aber auch nur, weil Superdrug abwaschbaren Instant-Selbstbräuner für £1 im Abverkauf hatte. Neben der Tatsache, dass ich ohnehin nicht das Bedürfnis hege, braun zu werden/sein und meine noble Kellerblässe gerne mag, hatte ich nämlich auch keine Lust, dann Montag noch als Karotte auf die Arbeit gehen zu müssen. Im Endeffekt bin ich natürlich selbst mit Selbstbräuner noch blasser als die meisten anderen im Naturzustand, aber man muss es ja auch nicht übertreiben. So wie meine andere Zimmergenossin zum Beispiel, die uns sehr zu unserem Leidwesen am Vorabend davon abhielt, endlich zu schlafen, weil sie sich noch eine gute Stunde lang von ihrem Freund im Bad das „Loch im Selbstbräuner“ flicken lassen musste. Wer’s glaubt…

Und dann braucht man ja zur falschen Bräune theoretisch auch noch die „passende“ zu dunkle Foundation… da konnte ich immerhin noch eine zuhause aus dem Schrank fischen, denn zu dunkle Foundations zu finden ist ja für mich eher kein Problem. Meine Freude darüber, sie zu tragen, könnt ihr allerdings wohl diesem Bild entnehmen… Ich fühle mich damit ungefähr so, wie die Farbkorrektur mich unten rechts sieht. Außerdem erinnere ich mich mit dieser Grimasse und dem abstehenden Pony (schließlich muss die Stirn ja auch angemessen karottiert werden) ein bisschen an einen Kakadu… Oder den Adler von den Muppets.

 

 

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In the circle

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Letztes Mal als ich daheim war und das zweifelhafte Vergnügen hatte, mein Zimmer zwecks neuen Fußbodens auszuräumen, hab ich natürlich beim bummeln mit meiner Mutter auch wieder mal bei Karstadt zugeschlagen. Neben einem schönen, wie gemalten Jersey, hab ich dabei auch diesen hübschen, grauen Strickstoff mit einer Art Zebramuster ergattert, den ich ebenfalls gleich verarbeitet habe, und zwar zu einer Kreisjacke. Natürlich auf Pinterest entdeckt. Sowas hatte ich schon länger mal vor, aber eben keinen Stoff gehabt.

Kreisjacke5

Dummerweise waren dazu aber keine Maße zu finden, und so hab ich mal wieder Pi mal Daumen gearbeitet (Hierzu übrigens eine Weißheit meiner Mutter: „Pi ist ja eine feste Größe, aber der Daumen ist immer unterschiedlich…“) und einfach vom Oberkopf bis zum Hintern gemessen, damit ich auch sowas wie eine Kapuze habe, ähnlich wie hier. Das Teil, das mich dazu inspiriert hat, finde ich jetzt natürlich gerade nicht, aber im Prinzip war der Nacken einfach nach oben hin lang genug, um ihn auch als Kapuze nutzen zu können.

Kreisjacke4

Was meiner natürlich nicht ist. Zu wenig Stoff, zu viel Haare, wie auch immer, es hält halt nicht auf dem Kopf. Aber so ist ja auch schön, und für’s nächste Mal weiß ich, dass ich mehr als die hier benutzen 45cm Radius veranschlagen muss. Dann sollte ich auch vorne mehr Länge und mehr Stoff zum überschlagen und kuschelig einwickeln haben, der ist so nämlich auch etwas spärlich.

Kreisjacke3

Dafür fällt das Ganze gerade seitlich aber trotzdem sehr schön, finde ich, und wie ihr seht hab ich natürlich Ärmel angefügt, damit es eben auch schön kuschelig warm ist. Westen schön und gut, aber irgendwie finde ich die was die Wärme anbelangt halt doch immer etwas… unbefriedigend.

Kreisjacke2

Für die Ärmel habe ich einfach meinen T-Shirt-Schnitt aufgelegt um den richtigen Schulterabstand hinzubekommen, und dann je einen minimal gebogenen Schlitz geschnitten, sodass die Ärmel (ebenfalls vom Shirt-Schnitt) genau reinpassten. Genäht und gesäumt hab ich das ganze Ding übrigens mit meiner neuen Overlock, der ich bei meinem Heimaturlaub nicht widerstehen konnte, aber dazu ein andern mal mehr. Jetzt erst nochmal Rumgehampel mit der Jacke.

Kreisjacke Die Fotos hab ich übrigens neulich gemacht, nachdem ich vom Kaffeeklatsch bei meiner netten Nachbarin zurück war, wo ich das Teil anhatte – Mensch war das ein kalter, regnerischer Tag. Aber den hab ich ja tatsächlich fast zur Hälfte mit der Nachbarin verquatscht, mit der ich mich um 11 Uhr zum Kaffee verabredet hatte und von der ich dann um halb 5 wieder daheim war. Ups. Na ja, ich würde mal sagen, wir haben uns gut unterhalten. Hat eben nicht nur was die Wohnung anbelangt Vorteile, dass ich endlich umgezogen bin. (Ich habe jetzt übrigens Tageslicht!)

Ich versteh‘ nur Bahnhof…

Standard

Erinnert ihr euch noch, wie ich euch das erste Mal vom Bahnhof in Sheffield vorgeschwärm habe? Und wie ich euch danach mehrfach mit der Ankündigung, dass ich Fotos gemacht habe, den Mund wässrig gemacht habe? Jetzt gibt’s endlich Futter!

Bahnhof
Meine lückenhafte Erinnerung hat mich damals also nicht ganz in die Irre geführt: es gibt bunte Blumenkästen. Wenn auch aus Plastik. Zusätzlich ist auch die gesamte Überdachung der Länge nach mit diesen hübschen Bögen und Dekoelementen verziert.

Bahnhof (9)
Bewegt man sich von den Gleisen selbst weg nimmt der pitoreske Eindruck aber nicht ab, nein, es gibt weitere Blumenampeln und noch stärker ausgeprägte Schnörkelelemente. Die finden sich sowohl in den Torbögen über den Durchgängen wieder…

Bahnhof (18)
… als auch in den Metallstreben an der imposanten Glasdecke der Haupthalle. Bei schlechtem Wetter sieht das natürlich nicht halb so nett aus, aber bei so strahlendem Sonnenschein wie hier kann man sich doch ganz gut an dem Anblick erfreuen, oder?

Bahnhof (21)

Ja, da steht ein Klavier. Mitten im Bahnhof. Und es spielt sogar gerade jemand dran.
Woran man sich also auch gelegentlich erfreuen kann ist Livemusik. Das ist mir aber auch erst aufgefallen, als ich am Tag an dem diese Fotos entstanden sind meinen Freund zum Zug brachte und mich beim Betreten des Bahnhofs wunderte, seit wann dort denn Musik laufe oder ob mir das zuvor nur nie aufgefallen sei. Tja, bis ich dann diesen Herrn in die Tasten hauen sah und begriff, dass man dort tatsächlich ein Klavier aufgestellt hatte um Passanten die Möglichkeit zu geben, nach Lust und Laune andere Passanten zu unterhalten. Gefällt mir jedenfalls deutlich besser als die fanatisch brüllenden, aufdringlichen Personen, die sich in London vor „meinem“ Bahnhof regelmäßig zum Sprachrohr Gottes ernannten und alle (gänzlich unverständlich) darüber informierten, wen oder was Gott warum hasse, liebe oder retten könne und dergleichen.

Bahnhof (17)
Offensichtlich finden sich hierbei dann auch immer einige Leute, die ein paar Minuten Zeit haben, einem Fremden inmitten des mehr oder minder ausgeprägten Bahnhofstrubels beim Klimpern zuzuhören. Nett, oder?

Bahnhof (22)
Hier hätten wir auch noch mal ein Beispiel der Ticket-Abholautomaten, die mir bei in Manchester bei meiner ersten Einreise solche Probleme gemacht hatten. Na ja, und mehr nette Steinbögen und Stahlornamente, auch wenn die Seite mit dem Klavier sicher reicher verziert war.

Bahnhof 2

So sieht der Bahnhof dann schlussendlich übrigens von außen aus. Türmchen, Bögen, Glas, Stein… also ich habe schon deutlich weniger einladende Bahnhofsgebäude gesehen.

Bahnhof (24)
Falls ihr euch auch noch an die Installation der Wand erinnert, an der Wasser runterfloss: so sieht das Ganze ohne Wasser aus. Ich weiß nicht, ob das im Winter der Kälte wegen generell abgeschaltet wird, und meine mich auch zu erinnern, dass die Springbrunnen auf der anderen Seite an waren, aber trotzdem – ich war vollkommen begeistert von diesem Lichtspiel.

Bahnhof (23)

Deshalb konnte ich mir auch ein zweites Foto nicht verkneifen. Mag zwar sein, dass das Licht letztes Mal einfach nur nicht perfekt dafür war und es grundsätzlich mit Wasser auch so schick aussehen kann, aber ich glaube fast, mir gefällt es ohne Wasser sogar noch einen Tick besser.

Corporate Identity

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Letztes Wochenende hatte ich quasi die volle Bandbreite an Programm.
Freitag Abend wurde ich zu einer angeblichen „Rocknacht“ in den örtlichen „Rockclub“ namens „Corporation“ (oder kurz „Corp“) gelockt. Die Schwester einer Freundin hatte Geburtstag und besagte Freundin wollte nicht nur mit Freunden ihrer Schwester losziehen. Nun denn…

Bereits im Vorfeld wurde ich gewarnt Schuhe anzuziehen, die mir egal sind bzw. um die ich mich nicht schere, da der Boden sehr klebrig sei. Hm, na ja. Ich weiß ja nicht, wie ihr das handhabt, aber wenn ich ins Ausland gehe und quasi nur einen Koffer mitnehmen kann, dann nehme ich nicht gerade Dinge mit, die ich nicht mag. Aber sei’s drum, ich dachte so schlimm könne es schon nicht werden, schließlich ist es ja quasi normal, dass Clubböden eher klebrig sind.
Wie sich herausstellte ist Corp aber kein Vergleich zu den Clubs, in denen ich bisher in Deutschland war – selbst zu denen, die man mir dort als eher schmuddelig anpries.
(Weil ich aber im Club keine Fotos gemacht habe und nicht einfach welche von Facebook klauen möchte streue ich an dieser Stelle zur optischen Auflockerung ein paar der Bilder aus der Nähe des Bahnhofs ein, die ich neulich erwähnt habe. Ist eh viel hübscher.)

Blick auf den Bahnhof

Das Problem beginnt wohl hauptsächlich damit, dass die Getränke recht günstig sind und in pfandlosen Plastikbechern oder maximal Blechdosen verkauft werden (Gläser wären sicher auch fatal). Will heißen: sobald der Becher mehr oder weniger leer ist landet er auf dem Boden, wo er von der Masse plattgetrampelt wird. Dementsprechend ist der Boden eigentlich im kompleten Club mit verschütteten Getränken bedeckt, denn entsprechend viel wird ja auch getrunken.
Hinzu kommt, dass meinem Empfinden (und der Sichtung der Facebookfotos) nach der Club trotz Ausweiskontrolle sehr stark mit Teenies und „jungen Leuten“ bevölkert war – und wenn ich das mit meinen 24 Jahren sage und mir regelrecht alt vorkomme will das wohl was heißen. Überhaupt: seit wann sind eigenlich Bauchfreitops wieder modern? Am besten in Kombi mit Leggins…?

Hatte ich mir jetzt von einer Rock- und Alternativenacht halbwegs gute Musik erhofft wurde ich leider auch eher enttäuscht. Zu Anfang lief wenigstens noch hauptsächlich etwas, das ich milde als erträglichen „Poprock“ (oder „Teenierock“) beschreiben würde und die Massen gröhlten zu (wie google mir verriet) Biffy Clyro und Sum 41, aber dazu mischten sich schnell Sachen, die eindeutig eher Techno oder HipHop und dergleichen waren, und immer wenn mal kurz 1 annehmbarer Song kam reihten sich danach direkt mehrere furchtbare ein, sodass es sich nicht lohnte, überhaupt auf der Tanzfläche zu bleiben.
Während ich mir vorher also noch wohlwollend dachte „Na ja, immerhin etwas besser als die Musik in ’normalen‘ Clubs…“ wandte sich das schnell zu „Das ist genau die Musik, wegen der ich in einen Rockclub statt in ’normale‘ gehe um sie zu vermeiden!“. Ich meine: Eminem geht doch nun wirklich beim besten Willen nicht mehr als Rock oder Alternative durch, oder?! Aber die Teenies auf der großen Tanzfläche fanden es offenbar gut und gröhlten weiter fleißig mit, sodass man zum Glück oftmals  kaum noch die Musik hören konnte, inbesondere wenn man weiter weg von der „DJ-Bühne“ war. Einzig eine (ältere) Freundin pflichtete mir bei, erklärte, dass das früher (vor ein paar Jahren) besser gewesen sei, und wir ja noch die kleine Tanzfläche im Nebenraum hätten, auf der ich (sie musste leider weiter zur nächsten Veranstaltung) mich dann auch etwas besser aufgehoben fühlte.

Letzteres sogar wortwörtlich, denn als ich – enthusiastisch darüber, nach 1 einsamen Stunde mal wieder ein bekanntes Gesicht zu sehen – über die Tanzfläche hüpfte hätte ich mir gewünscht, dass sie klebrig gewesen wäre. Stattdessen bestand aber leider Aquaplaninggefahr, ich schlitterte meiner Freundin fast über die Füße und legte mich volle Lotte auf der Tanzfläche lang.
Tat aber zum Glück nicht weh, ich konnte herzhaft drüber lachen und es waren sofort ein paar Hände zur Stelle, die mir unter die Arme griffen und aufhalfen. Bis auf eine aufdringliche Ausnahme schienen sich auf der anderen, kleineren Tanzfläche nämlich auch vorwiegend halbwegs erwachsene Menschen rumzutreiben und es wurde zumindest größtenteils bessere Musik gespielt. Mit dem Rumhüpfen zu einer Reihe Skasongs oder Rock’n’Roll war ich danach trotzdem etwas vorsichtiger…

Blick auf den Bahnhof 2

Schließlich war es aber doch meine Freundin B., die ich am Ende des Abends mit einem Haufen blutiger Taschentücher auf dem Schoß und einer noch blutigeren Nase in der Nähe des Ausgangs wiederfand, da sie anscheinend im „Moshpit“ (Keine Ahnung, wozu die Teenies da gemosht haben sollen! Aber wenn sie natürlich die ganze Zeit rücksichtslos mit den Armen rudernd durch die Gegend hüpfen wie in diesem Video bei z.B. 6:10… ) aus versehen eins auf die Nase bekommen hat – die ist übrigens gebrochen. Muss ich noch mehr sagen?

Insgesamt konnte Corp übrigens finde ich auch von den Räumlichkeiten selbst keinem der deutschen Clubs in denen ich bisher war das Wasser reichen. (Dabei hätte es zumindest Flüssigkeit eigentlich mehr als genug gegeben…) Es gab ein absolutes Minimum an Sitzgelegenheiten und sonst eigentlich nur Bar und Tanzfläche. Keinerlei Deko, nicht mal anständige Licht- oder Nebeleffekte, nichts. Nur einen Haufen gröhlender, mit den Armen rudernder, besoffener Teenies. Unter anderem deshalb ist auch das Wort, das mir am ehesten in den Sinn kommt um Corp zu beschreiben, „unzivilisiert“.
Aber hey: ich kenne jetzt immerhin ein paar Gründe, warum es – zumindest in Corp – tatsächlich Sinn macht immer mindestens zu zweit auf’s Klo zu gehen. Dann hat man nämlich jemanden der 1. die eigenen Sachen  und 2. die Klotür zuhalten kann. Ungelogen, ich habe bei meinen 4-5 Toilettenbesuchen keine einzige Klokabine gefunden, die noch einen Riegel oder ein anderweitig intaktes Schloss hatte. Keine einzige. Eine (vermutlich weniger frequentierte) hatte immerhin Klopapier und in 4 Waschbecken mit je 2 Wasserhähnen fand sich auch ein Hahn, der tatsächlich ein Rinnsal Wasser ausspuckte. Allerdings nicht genug, um die etwa 2,5 zentimeterhohe, geschlossene Flüssigkeitsschicht zu erklären, die mich um ca. 2 Uhr auf der Damentoilette erwartete. Da möchte man doch nun wirklich nicht weiter drüber nachdenken, oder? Ein Votum mehr für „unzivilisiert“… *grusel*

Um so weniger dürfte es vermutlich überraschen, dass ich nur zu gerne dem Kontrasprogramm zustimmte, das meine Freundin A. am nächsten Tag spontan vorschlug als sie mich fragte, ob ich Lust habe, Sonntag mit in den Peak District zu kommen. Das ist ein Nationalpark in der Nähe Sheffields, der etwa 1440km² Fläche misst, wovon allerdings (beides Wikipedia zufolge) nur 8% Waldgebiet ist.
Dort habe ich natürlich, trotz der Tatsache, dass ich nach wie vor nur die Kamera meines Handys zur Verfügung habe, einen Haufen Fotos gemacht, aber die zeige ich euch wann anders, denn 1. würde das jetzt ziemlich den Rahmen sprengen und 2. bin ich gerade fix und fertig, weil ich heute mit einem Kollegen auf dem Sheffield Festival of Science and Engineering einen Stand betrieben habe, an dem sich die Kinder vermutlich mehr für kostenlose Mitbringsel als für die Wissenschaft dahinter interessiert haben.

 

Schneeflöckchen, Eisdeckchen…

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Auch Schnee kann England.

Hinterhof im SchneeNur damit umgehen leider nicht.

jetzt geht's Berg abAuf dem ersten Viertel meines Weges zur Uni sieht es etwa so aus. Also, wenn etwas frischer Schnee liegt.

City CentreAber auch nach 2/3 sieht es mitten im Stadtzentrum nicht viel besser aus – nur etwas weniger hügelig. Man könnte auch das nonchalante Motto „Ach, tritt sich fest!“ anwenden.

Turm im SchneeNa ja, und die Town Hall sieht eigentlich sogar ganz nett aus. Wobei, das tut sie ohne Schnee auch. Aber mit wirkt sie finde ich noch etwas märchenhafter. Findet ihr nicht?

Town Hall im SchneeAls ich morgens aufgestanden war hatte es übrigens bei mir noch eher geregnet als geschneit, aber bis ich das Haus verließ hatte sich die Situation eindeutig zu Schneeflocken geändert. Auf dem Weg zur Uni wurden die dann auch immer größer und klumpten zu bis zu ca. 5cm großen Schneeflockenkomplexen zusammen, und als ich später im Labor mal aus dem Fenster sah schneite es gerade waagerecht.
Am Tag, an dem es schneite, war es in der Uni übrigens ziemlich leer, weil anscheinend viele im Verkehr stecken geblieben waren oder sich sicherheitshalber gar nicht erst raus getraut hatten. Andererseits, da in England offenbar nicht geräumt und nur in seltenen Einzelfällen gestreut wird braucht es mich wohl nicht wundern. Ich persönlich muss dennoch sagen: ich fand den Tag danach viel schlimmer. Was Abends nur noch Schneematsch gewesen war hatte so nämlich die ganze Nacht Zeit, gemütlich zu einer mehrere Zentimeter dicken, geschlossenen Eisschicht auf den Gehwegen und wenig befahreren Straßen zusammenzufrieren, und die war arschglatt.

EislaufbahnErschwerend hinzu kommt, dass Sheffield dummerweise auch noch ein einziges bergauf und bergab ist, dessen vielfach glatte Gehwegplatten schon bei Regen ordentlich rutschig sein können, weshalb ich den Frost schon seit meiner Ankunft etwas gefürchtet hatte, und ich sollte Recht behalten. Es war wie Schlittschuhlaufen, nur ohne Schnittschuhe. Na ja, und halt bergauf und bergab.

„In Einzelfällen gestreut“ heißt übrigens so viel wie „Der Fahrer des LKWs, der mitten in der Kurve am oberen Ende der Straße stand, kippte Splitt rund um seine Reifen um doch noch vorwärts zu kommen.“. Da kann ich wohl froh sein, dass es nicht schon vor oder um Weihnachten geschneit hat und auch im neuen Jahr nur ein paar Mal. Letzte Woche war sogar mal ein paar Tage lang richtig schönes Wetter, mit Sonnenschein und so, da konnte ich direkt endlich mal eine Gelegenheit nutzen und ein paar Fotos vom Bahnhof machen. Die zeige ich euch aber wann anders, denn vom Weihnachtsmarkt und der festlich beleuchteten Innenstadt habe ich auch noch ein paar Fotos, die hier denke ich auch ohne Schnee etwas besser reinpassen.

Weihnachtsmarkt3Der kleine Weihnachtsmarkt, der sich die „Fußgängerzone“ von der Town Hall bis zur Straßenbahnlinie hinunterzog bestand vornehmlich aus kleinen, beleuchteten Holzbuden, die allerlei Krims und Krams anboten – vorwiegend natürlich Essen. Neben Lammburgern mit Minzsoße und indischen Curries fand sich darunter auch ein von meinen Kommilitonen/Kollegen schon geradezu sehnsüchtig erwarteter deutscher Wurststand, der vor allem Bratwurst, Krakauer (so viel zum Thema Deutsch…) und Käsewurst verkaufte. Ob die Mitarbeiter tatsächlich Deutsch sprachen habe ich allerdings nicht ausprobiert, ich war nämlich zu sehr davon abgelenkt mir a.) ein richtiges Brötchen statt diesem weichen Pappzeug zu wünschen, in das die Wurst da gestopft wurde (man denke in etwa an nicht aufgebackene Aufbackbrötchen, nur noch weicher und geschmacksneutraler), und b.) meinen Freunden auf expliziten Wunsch wiederholt die korrekte Aussprache des Wortes „Käsewurst“ zu demonstrieren, damit sie voller Stolz eine selbige statt einer „cheesy sausage“ bestellen konnten. Aber irgendwie ist es ja auch süß, wenn sie einen bitten doch noch mal die „Umlauts“ aufzusagen…

Weihnachtsmarkt2Auch auf dem Weg von der Uni in den Kern der Innenstadt wurde übrigens schon schnörkelige Beleuchtung aufgefahren – mal was anderes als die Sterne, die man in Deutschland überall findet. Noch etwas, was ich bisher bewusst nur in Sheffield gesehen habe, ist übrigens diese grüne Police Box an der City Hall. Meine Dr. Who-Kenntnisse beschränken sich beschämenderweise auf etwa 2-3 Folgen, aber dennoch musste ich da sofort dran denken. Der Dr. Who-vernarrte und überhaupt allgemein sehr wissensreiche und gebildete R., der AirBnB-Gastgeber, bei dem ich ursprünglich untergekommen war, erklärte mir dann aber auch bei Gelegenheit, dass die Polizei früher in diesen Boxen unter anderem einkassierte Ganoven eingeschlossen hatte, wobei ein Licht auf dem Dach anzeigte, ob die Box besetzt sei, damit ein Gefangener nicht etwa aus Versehen wieder freigelassen – oder vergessen – wurde.

WeihnachtsmarktÜbrigens: mit Blick auf die multikulturelle Identität Großbrittaniens wünscht Sheffield nicht etwa nur frohe Weihnachten, nein, es werden auch Juden und Muslime mit Festtagswünschen in Leuchtbuchstaben bedacht. Genau genommen werden Eid und Chanukah sogar noch von passenden Symbolen begleitet, während dafür beim Weihnachtsfest wohl kein Platz mehr war. (Erinnert mich übrigens alles an das hier, was ich neulich mit dem netten Titel „die 4 großen Weltreligionen“ gesehen habe.)

Happy Holidays

Lebenszeichen

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Puh, mein letzer Beitrag ist eine halbe Ewigkeit her… wie  die Zeit vergeht! (Jetzt bin ich schon 4 Monate lang Doktorandin… kaum zu glauben.) So war das nicht geplant. Aber wie das nun mal so ist wenn man (sprich: ich) sich erstmal eingewöhnen muss und dann jeden Abend erst um ~18 Uhr daheim ist… Kurz gesagt: ich bin faul. Ich komme nach der Arbeit heim, koche, esse und versacke dabei, passiv Serien guckend vor dem PC zu hocken. Nicht mal andere Blogs gelesen habe ich wirklich in den letzten Monaten, und meine Motivation und Inspiration schaut auch nur phasenweise vorbei. Vorranging dann, wenn ich doch mal kurz surfe, zum Beispiel weil ich irgendwas kaufen will, und dabei über zig Umwege doch wieder was interessantes finde.
Gerade bei Klamotten ist das schlimm, weil mich das Angucken anderer Kleidungsstücke und Accessoires immer ziemlich inspiriert und dafür sorgt, dass es mir gehörig in den Fingern juckt, auch was zu nähen oder zu basteln. Aber leider, leider ist sämtliches Näh- und Bastelzubehör ja in Deutschland zurückgeblieben… Auch wenn ich eigentlich (gefühlt) kaum Zeit habe, in der ich überhaupt was machen könnte, außer vielleicht an faulen Wochenenden fehlt mir das Nähen und alles sehr. Allein schon mal ein paar schnelle Änderungen oder Reparaturen machen… ich halte meine Augen jedenfalls weiterhin nach einer günstigen (Gebraucht-)Maschine offen, aber da sowas meistens nur zur Abholung irgendwo in weiter Ferne angeboten wird ist das auch nicht so einfach.

Andererseits ist meine Wohnung jetzt auch ehrlich gesagt nicht so schön oder wohnlich, dass ich mich da sonderlich entspannt meiner Kreativität hingeben könnte, und allem voran würde garantiert auch Stauraum fehlen. Obwohl meine 1-Zimmer-Wohnung nämlich von der Grundfläche her eigentlich nicht klein ist ist die Ausstattung einfach miserabel und lässt für unsere Luxusstandards gehörig zu Wünschen übrig.
Während ich diesen Post tippe liege ich – ziemlich unbequem – auf einem winzigen Zweisitzersofa aus dem dunklem Kunstleder, aus dem hier so ziemlich jedes Sofa einer möblierten Wohnung gemacht zu sein scheint. Liegen bedeutet in diesem Fall selbst bei meinen 1,56m die Beine und den Oberkörper auf die harten Armlehnen aufzulegen und jeweils ein Kissen der Rückenlehne unterzuschieben. Sämtliche Lehnen scheinen nämlich zu allem Überfluss nahezu ungepolstert zu sein und mit ziemlicher Sicherheit aus Pressspahnholz zu bestehen.
Gemütlich auf der Couch faulenzen ist da also schon mal nicht.


Das Bett ist auch nicht wirklich bequem oder stabil, aber immerhin hat die Firma, die die Wohnung vermietet, es nach über 3 Monaten endlich mal geschafft, Matratze und Bettgestell auszutauschen. Hatte ich seit meinem Einzug drum gebeten, weil das Bett selbst unter mir bedrohlich wackelte und knarzte und die durchgelegene Matratze mich mit ihren Federn  aufzuspießen drohte piekste. Als dann nach 3 Monaten endlich mal jemand vorbeikam schrieb man mir tags drauf, dass man eine neue Matratze bestellen müsse – hatte ich denen ja auch nur schon vor 3 Monaten gesagt. Immerhin bekam ich dann auch kaum 3 Tage später die Nachricht, dass ich doch gefälligst am nächsten Tag zur in Empfangnahme daheim zu sein habe. Ist ja nicht so, als müsse ich eigentlich von 9 bis 17 Uhr arbeiten… Dafür hat das neue Bett sogar sowas wie einen Lattenrost – das alte hatte nämlich tatsächlich nur hohle Metallstreben bzw. – rohre, die auch schon ganz durchgewölbt waren.
Nur größer ist es leider nicht, aber für die Engländer scheint es tatsächlich ein großes Mysterium zu sein, warum man von ein Doppelbett erwartet, dass es auch doppelt so breit ist wie ein Einzelbett (und was man mit „dem ganzen Platz“ eines uns bekannten Doppelbettes will…). In England ist ein „Double Bed“ nämlich sage und schreibe 140x 190cm, und ein „King Size“ wartet mit ganzen 10cm mehr und 150x190cm zur Krönung auf – King Size wäre das für mich genau dann, wenn es für eine Person gedacht wäre. Aber mathematisch kann man hier wohl nicht zu viel erwarten…

Bett
Wie bereits erwähnt ein anderes, essentielles Problem der Wohnung ist allerdings Stauraum. Es gibt zwar 2 Kleiderschränke mit je genau einem Einlegeboden, eine Kommode (deren eine Front mir auch in der 1. Woche abgefallen ist und nach 3 Monaten endlich mal wieder angebracht wurde) und einen Nachttischschrank, aber das war’s auch schon.

Schlafzimmer
Küchenschränke gibt’s natürlich noch ein paar, sogar zwei kleine Hängeschränke, aber sonst nichts. Kein Bücherregal, keine Kommode oder sonstwas, gar nichts – das einzige andere Möbel sind Couch- und Esstisch und 4 Stühle. Demnach bin ich immer schön dabei, sämtlichen Papier- und Kleinkram der sich so ansammelt auf freie Stühle und Tische zu verteilen und nach Bedarf umzuschichten, und habe sogar schon einige Pappkartons als Aufbewahrungskisten/“Regale“ herangezogen, aber wirklich schön oder praktisch ist das auch nicht. Und Bettwäsche und Handtücher müssen natürlich auch in einem der beiden Kleiderschränke untergebracht werden, weil es ja keinen Badschrank oder ähnliches gibt. Handtuchhaken, Klorollenhalter oder ein Halterung für Küchenutensilien selbstverständlich auch nicht, und Klebehaken fallen auch ohne Last nach ungefähr 60 Sekunden wieder ab. Also alles in eine Ecke feuern und hurra!

Wohnzimmer
Genau genommen gibt es im Bad eigentlich außer dem Badewannenrand (Immerhin!) und der Ablage über Klo und Waschbecken (immerhin mit Mischbattieren! – auch immer noch eher eine Seltenheit hier) gar nichts, nicht mal Steckdosen, weil die Engländer ja noch nicht im Zeitalter der FI-Schalter angekommen sind (Welches in Deutschland ja schließlich für Neubauten erst seit 1984 verpflichtend herrscht! [Und ein Makler in London behauptete vor 3 Jahren, UK sei Deutschland und den Niederlanden was Wohnungen angehe 20 Jahre hinterher – womit wir wieder bei den mathematischen Fähigkeiten wären…]), und man ihnen offensichtlich nicht trauen kann, sich nicht bei jeder sich bietenden Gelegenheit selbst zu elektrokutieren.
Also gibt es nur den beheizten Handtuchhalter (von dem Handtücher liebend gerne abrutschen), der gleichzeitig die Heizung darstellen soll und zwar bei Berührung scheißheiß ist, aber den kleinen Raum trotzdem überhaupt nicht wirklich aufheizt. Alles, was man so an Hygieneartikeln und Pflegemitteln hat muss also offen sichtbar auf der spärlichen Abstellfläche verteilt werden damit es ja auch hübsch chaotisch aussieht und man jederzeits möglichst viel umwerfen oder runterschmeißen kann.
Ach ja: mit von der Partie ist außerdem der nette Wasserfleck, der am Tage meines Einzuges anfing, sich seinen Weg von der Decke hinab zu bahnen, und der – wie ich Montag, als das Büro des Vermieters endlichwieder besetzt war, erfuhr – davon herrührte, dass der Obermieter sein Badezimmer „sehr gründlich geschrubt und viel Wasser verschüttet“ habe. Na prima, herzlichen Dank auch… Zum Glück hat es bis jetzt nicht (sichtbar) angefangen zu schimmeln, sonst hätten die aber was erleben können!

Bad
Andererseits wäre das vielleicht wenigstens ein guter Grund für einen frühzeitigen Auszug gewesen… Leider habe ich nämlich mal wieder eine ganze Reihe nerviger, lärmender Nachbarn erwischt (gerade werde ich mit chinesischen Schmachtfetzen beschallt) und bin quasi jedes Wochenende mindestens einer, wenn nicht mehreren Parties ausgesetzt. Auch die zahlreichen gröhlenden Chinesen aus dem Studentenwohnheim zum Hinterhof hinaus, dessen Existenz ich mir leider erst nach Einzug bewusst wurde, kann ich für gewöhnlich noch gut hören wenn sie sich kreischend um die Tische jagen oder lautstark ihre Freude respektive ihren Ärger über einen besonders guten bzw. schlechten Billardstoß oder Kartenzug kundtun. Aber auch laute, nicht minder schiefe Karaokeversionen von „let it go“ durfte ich mir schon urplötzlich mitten in der Nacht von der anderen Seite der Wand am Kopfende meines Bettes anhören…

Balkon
Ich bin jedenfalls froh, erstmal nur einen 6-Monatsvertrag unterschrieben zu haben, der Anfang/Mitte April ausläuft, sodass ich mich jetzt tatsächlich schon langsam aber sicher wieder auf die Suche nach was hoffentlich besserem machen muss/möchte. Hier in Sheffield ist der Wohnungsmarkt nämlich anscheinend nicht so kurzfristig ausgerichtet wie in London, weshalb ich zu Anfang auch Probleme hatte, zügig was zu finden, weil das meiste erst 1-2 Monate später verfügbar war. Also, drückt mir die Daumen, dass ich bald was schönes, leises finde…

Wer weiß, vielleicht schafft der Saftladen es ja sogar noch vor meinem Auszug, endlich zumindest das Licht im Hausflur in Gang zu kriegen, dessen Disfunktionalität dafür sorgt, dass ich regelmäßig im Dunkeln vor der Tür stehe und nach dem Türschloss stochere, oder mich so verrenken muss, dass das spärlich einfallende Licht der Straßenlaterne auf’s Türschloss trifft anstatt meinen Schatten auf selbiges zu werfen…

Sheffield: Ankunft, ein hübscher Bahnhof und die Sache mit dem Ticketautomaten

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Es ist so weit: am Sonntag bin ich in Sheffield angekommen. Nach einer kurzen beziehungsweise leider gänzlich schlaflosen Nacht ging zur unmenschlichen frühen Uhrzeit von 7.00 Uhr mein Flieger nach Manchester. Eineinhalb Stunden später, also zu 7.30 Uhr Ortszeit (man bedenke eine Stunde Zeitverschiebung), landete ich in Manchester, sammelte mein Gepäck ein und schlug mich zum Flughafenbahnhof vor, wo ich mich erstmal mit den Ticketautomaten rumärgern durfte.
Eigentlich sollte die Abholung des vorbestellten Tickets nämlich ganz einfach sein: Karte in den Automaten stecken um ihn zu aktivieren, Buchungsreferenz eingeben und Ticket kriegen. Faktisch war dem aber natürlich mal wieder nicht so. Der erste Automat tat mit meiner Karte genau gar nichts, der zweite sagte immerhin er könne sie nicht erkennen und erst der dritte von vier spuckte mir dann mit der zweiten Karte auch endlich mein Ticket aus. Da dachte ich noch „Ein Glück habe ich Zeit…“ – genau das habe ich aber auch bald verflucht, denn mein Zug ging erst um 10.44 Uhr und in der Bahnhofshalle war es nicht nur langweilig, sondern auch kalt. Sitzplätze gab es nur ein paar am Busbahnhof, die aber direkt an den Schiebetüren lagen, die natürlich alle Nase lang auf und zu gingen und damit für noch mehr Kälte sorgten. Also pflanzte ich mich mit meinem Gepäck auf einen kleinen Vorsprung (+ unbequem), zog irgendwann meinen dicken Wintermantel an und fror immer noch und wartete.

Geldscheinflieger
Natürlich nicht mein Flieger nach Manchester, sondern ein Geschenk, dass ich für die Hochzeit einer Freundin gebastelt habe, deren Einladung wie ein Flugticket aufgemacht war. (Wurde dann auf eine Startbahn aus schwarzer Pappe gesetzt und bekam eine Karte mit Herzchenwolken zur Seite gestellt.)

Als der Zug dann endlich da war und ich mein Gepäck hineingehievt hatte gab’s schon das nächste Problem: viel zu wenig Stauraum für so viele große Koffer, wie sie üblicherweise an Flughäfen anfallen. Quasi der komplette Eingangsbereich war vollgestellt (Es schien mir aber auch, da sei ein Pärchen mit gut und gerne 7 oder mehr Koffern unterwegs gewesen.) und ein paar Haltestellen später mussten sich tatsächlich ein paar Leute eine andere Tür zum Einsteigen suchen. Immerhin hatte ich einen reservierten Sitzplatz, die übrigens schön deutlich mit Steckschildern auf der Kopfstütze als solche gekennzeichnet waren, der aber am anderen Ende des Wagons lag. Ich bin eigentlich etwas paranoid was das Unbeaufsichtigtlassen von Gepäck oder Taschen angeht, aber was blieb mir anderes übrig… abgesehen davon konnte ich die Augen eh kaum noch offen halten und hätte vermutlich keine fast eineinhalb Stunden Fahrt stehen können, wie viele andere es mussten.

Wann immer ich während der Fahrt mal kurz meine Augenlider gehoben bekam stellte ich fest, dass je weiter wir uns von Manchester wegbewegten das Wetter um so schöner wurde. Während der Himmel am Flughafen noch komplett grau bewölkt gewesen war war er in Sheffield bei meiner Ankunft um kurz nach 12 Uhr strahlend blau und wurde nur von der einen oder anderen Schäfchenwolke geziert. Ich schätze, das tat sein übriges, um mich schon den Gleisbereich beim Verlassen des Zuges als geradezu pitoresk empfinden zu lassen. Aufgrund akuter Müdigkeit und Gepäckmassen habe ich leider kein Bild davon gemacht, was ich bestimmt irgendwann mal nachholen werde, aber stellt euch sandig-helle Metallstreben und Rundbögen, Glasdächer, Sandstein und verschnörkelte Eisendekorationen vor. (Oder guckt mal hierhier, hier oder hier für eine grobe Vorstellung.)
Ein bisschen kam ich mir vor, wie in einem alten Film, der in New Orleans oder so spielt (Nicht, dass ich da schon mal gewesen wäre…), fehlten irgendwie nur noch die Dampflok und viele bunte Blumenkästen. (Oder gab’s die sogar? Ich muss gestehen, ich weiß es nicht mehr, Müdigkeit und Hunger hatten mich ziemlich im Griff und ich habe mich gar nicht so großartig umgesehen. Aber der erste Eindruck war ja schon mal gut.)

Bereits beim Warten auf den Fahrstuhl wurde ich dann von einem netten alten Herren mit Rollator angesprochen, der sich erkundigte, ob er mit der Vermutung, dass dies die Schlange für den Fahrstuhl sei, richtig liege, und anschließend ein bisschen Konversation betrieb. Typischerweise beginnend mit dem Wetter, das ja am Vortag noch viel toller gewesen sei, und davon ausgehend schnell dahin, wo ich denn herkomme und dass er ja seine Deutschkenntnisse schon wieder vergessen habe, schließlich sei es schon so lange her, dass er im kalten Krieg in Bochum (?) stationiert gewesen sei.

Draußen angekommen begrüßte mich jedenfalls erstmal folgende Aussicht:

Sheffield Trainstation
Sheffield Trainstation2
Dann musste ich natürlich erstmal die nächste Bushaltestelle suchen, zu allem Überfluss herrschten genau an meinem Ankunftstag wegen eines Stadtlaufes auch noch Sonderfahrpläne mit geänderten Routen und Zeiten, sicherstellen, dass der Bus auch in die richtige Richtung fährt, und dann die gewünschte Ausstiegshaltestelle nicht verpassen. Blöderweise werden die Haltestellen nämlich nicht angesagt oder zumindest angezeigt (auch wenn ich da eh noch nicht gewusst hätte, welche die Richtige ist), sondern man muss im Prinzip aufpassen und wissen wie’s da, wo man hinwill, aussieht. Zum Glück war die eine Haltestelle, die ich deshalb zu weit gefahren bin, nicht so weit weg. Bei meinem temporären Gastgeber, den ich über AirBnB gefunden habe, bekam ich dann auch erstmal einen Tee und konnte anschließend, nachdem er mir netterweise geholfen hatte, mein Gepäck die steile Treppe raufzutragen, erstmal das dringend benötigte Nickerchen machen, bevor ich zum nahegelegenen Minimarkt lief um mir was zu essen zu kaufen.
Ihr könnt euch sicher vorstellen, wie fix und fertig ich nach dem Tag war und dass ich recht früh eingeschlafen bin… 😉

Was lange währt wird endlich gut… (hoffentlich)

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Nachdem ich bereits im letzten Sommer mein Bachelorstudium erfolgreich beendet habe war ich ja lange vergeblich auf der Suche nach einem Job oder im Idealfall einer Doktorandenstelle. Bevor sich jemand wundert: ja, im englischsprachigen Ausland ist es durchaus üblich und demnach natürlich auch erlaubt, nach dem Bachelor direkt zur Promotion (PhD) überzugehen wenn man die entsprechenden Noten hat. Ein Master ist keine Grundvoraussetzung für eine PhD-Position und wird vielfach nur zwischengeschoben, wenn entweder die Noten „nicht gut genug“ für einen Direkteinstieg sind oder man eben kein Thema bzw. keinen Studienplatz für einen PhD findet.

Nun war ja bei mir das Problem, dass ich zwar ausgezeichnete Noten, aber eben keine eigene Forschungsidee hatte, und somit auf eine ausgeschriebene Stelle angewiesen war, die wiederum in meinem Feld natürlich rar gesät sind. Auf dem deutschen Arbeitsmarkt hat man mich mit meinem Abschluss gelinde gesagt mit dem Arsch nicht angeschaut und lieber fleißig Quereinsteiger (entweder Laboranten oder Doktoren anderer Fachrichtungen) eingestellt und mir maximal erzählt, ich sei ja fachlich überqualifiziert, aber habe eben nicht genug Erfahrung. Welche natürlich intelligenterweise auch niemand bereit war, mich machen zu lassen.

Ich hatte mir also für September sicherheitshalber schon mal einen Masterstudienplatz als Plan B gesichert und mich weiter umgesehen und auf Doktorandenstellen beworben, die komischerweise alle erst kurz vor Beginn beworben werden. Aber so sind sie wohl, die Engländer, hätte ich mir ja eigentlich denken können. Jedenfalls schickte ich einige Bewerbungen los, erhielt natürlich die eine oder andere Absage, und siehe da: beim zweiten Vorstellungsgespräch erzählte man mir, man werde sich am nächsten Tag melden, nur um dann keine 45 Minuten später anzurufen und meine Zusage zu erbitten. Die muss ich anscheinend überzeugt haben. (Man sagte mir allerdings auch direkt am Gesprächsende, ich sei die einzige gewesen, die mit dem gewählten Kommunikationsprogramm WebEx zurechtgekommen sei. Oha.)

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Ab 6. Oktober werde ich also wieder offiziell Studentin – beziehungsweise viel mehr Doktorandin – sein. Doktorandin – das klingt irgendwie so… komisch. Aber da werde ich mich wohl dran gewöhnen, ich hab schließlich 3 Jahre Zeit.

Diesmal geht es aber zum Glück nicht wieder nach London, sondern ziemlich in die Mitte Englands, nämlich nach Sheffield, und ich hoffe, dass es dort besser für mich laufen wird. Bisher macht die Uni jedenfalls einen ganz guten Eindruck auf mich – viel schlimmer als meine alte geht’s aber auch ehrlich gesagt gar nicht, die lag nämlich die letzten Jahre konsequent auf den letzten oder gar dem letzten oder vorletzten Platz des UK-Rankings. Es kann also eigentlich nur besser werden… Abgesehen davon habe ich glaube ich in den paar Wochen um Bewerbung, Gespräch und Zusage schon mehr (beantworteten, hilfreichen) E-Mail-Kontakt mit der neuen Uni gehabt als mit der alten in über 3 Jahren.

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Eine erste, kurze Sondierung des Sheffielder Wohnungsmarktes ergab außerdem, dass die Wohnungen zumindest auf den Fotos schon mal allesamt deutlich schöner aussehen als in London, und noch dazu auch bezahlbarer sind.

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Ein Haken an der Sache (neben der Distanz zu Familie, Freund, Freunden und Katze, selbstredend) ist allerdings, dass ich dieses Mal nicht so viel Krempel mitnehmen kann, sondern erstmal nur mit einem großen Koffer und ausgereiztem Handgepäck reisen werde. Ihr ahnt es: da kann ich meine Nähmaschine natürlich nicht mitnehmen. Das stimmt mich ehrlich gesagt ziemlich traurig und ich weiß nicht, wie ich 3 Jahre ohne sie überstehen soll, auch wenn ich vielleicht nicht täglich nähe.
Dieser ganze kreative Prozess und das „ich kann jederzeit, wenn ich will“ werden mir sehr fehlen. Ich denke, ich werde mich wenn ich richtig angekommen bin mal umsehen, ob ich vielleicht irgendwo günstig eine gebrauchte Maschine oder gar eine Dauerleihgabe finde. Auch um zumindest ein paar kleine, aber stabile Änderungen oder Reparaturen ausführen zu können ist eine Nähmaschine für mich faule Socke mittlerweile geradezu unerlässlich geworden.

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Da mein Flug für den 28. September gebucht ist geht jetzt also auch in allen Belangen wieder das große Suchen, Überlegen und Listen machen los: was muss auf jeden Fall mit (spezielle Teile genauso wie Überbegriffe à la „Businessklamotte“), was darf eventuell mit und was kaufe ich ohnehin am besten erst vor Ort? Immerhin kommt mir zu Gute, dass ich schon weiß, was ich grundsätzlich wo bekomme und was nicht… Aber wonach entscheide ich, was ich mitnehme? In meinen Schränken gibt es so viel Auswahl an Klammotten und Kosmetik und ich mag die Abwechslung, da fällt es mir nicht leicht, mir jeweils nur ein paar Teile rauszupicken.

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Für welche Temperaturspanne muss ich überhaupt packen, wenn ich erst kurz vor Weihnachten wieder nach Deutschland komme und nicht weiß, wie warm es in der Uni sein wird? Oder bricht gar in England auch nochmal der Spätsommer aus, so wie hier gerade? Was muss bis zur Abreise noch erledigt, besorgt oder genäht werden, wann kann ich mich von wem verabschieden und wo werde ich für den Anfang überhaupt wohnen, bis ich eine Wohnung gefunden habe? (Ohne Besichtigung einen längerfristigen Mietvertrag zu unterschreiben ist nämlich nicht zu empfehlen.)

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Außerdem muss ich mich noch mit der Frage nach einem Laptop beschäftigen, denn bis jetzt gehöre ich noch zur Fraktion Desktop-PC – und der ist nun auch nicht gerade Koffer-tauglich. Nicht ganz unwichtig hierbei ist auch die Sache mit dem Betriebssystem. Wie ist Windows 8, kann ich mich damit arrangieren und „will“ ich das wirklich?! Und wie viel Auswahl habe ich überhaupt, wenn ich es nicht will?

Fragen über Fragen…
Also, was würdet ihr mitnehmen und wonach entscheiden? Was darf ich auf keinen Fall vergessen und habt ihr womöglich sogar eine Laptopempfehlung für mich?